Galerie Amer Abbas, 1060 Wien, Schadekgasse 6-8. Bis 11. 1.

Einen "Palast der schönen Künste" betritt man derzeit in der Galerie Amer Abbas, wo Stephan Lugbauer in der Reihe "Before the Facts" eine vielschichtige Rauminstallation präsentiert. Mit einer Holzkonstruktion bezieht er sich auf eine fragile Skulptur von Giacometti, der damit eine Liebesbeziehung beschrieben hat.
"Der Palast um vier Uhr früh" titelt die Skulptur von Alberto Giacometti, die als Modell für Stephan Lugbauers raumfüllende Holzkonstruktion fungierte. In der Schau dient sie dem Künstler als "Behausung" für weitere Installationen, mit denen er die Produktions- und Präsentationsbedingungen von Kunst reflektiert: Im vorderen Ausstellungsbereich ist eine Spiegelsäule untergebracht, die von einer signalfarbenen Metallkonstruktion umgeben ist. Sie wirkt wie eine Absperrung, die im Kontrast mit der raumerweiternden Wirkung des Spiegels eine feine optische Spannung erzeugt. Darüber hinaus lässt sie einen insofern über die Präsentation von Kunst in Museen nachdenken, als auch dort das Wertvolle dem direkten Zugriff mittels Vitrinen oder Bändern entzogen wird.
Die Betonskulptur im hinteren Galerieteil darf man dagegen ruhig betatschen: Sie ist mit geschwärzten Fenstern versehen, durch die man einen Blick auf das "echte" Bild eines Bunkers im Inneren der Skulptur erhaschen kann. In der Schau ist dieser "flüchtige" Blick auf die "wirkliche Welt" aber nicht der einzige Bezug zu einer Realität, die sich außerhalb des von Lugbauer aufgestellten Experimentierfeldes ("Palastes") befindet:
Im dritten Raum hängt ein Foto von der Versteigerung eines Globus, das durch die Spiegelsäule zwar auch in den persönlichen "Palast" des Künstlers hineinreflektiert; aber die schwierige Positionierung der eigenen Arbeit gegenüber dem Kunstmarkt ist schließlich eine weitere wichtige Frage, die den Künstler interessiert. (cb / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.12.2008)