Filme, Texte, Zeichnungen des Vielbegabten

Dorothee Frank begleitete die Kuratoren Eva Schmidt und Kai Vöcklers durch ihre Smithson-Ausstellung im Museumsquartier.


Der Künstler Robert Smithson hat viele künstlerische Strategien von heute vorweggenommen: Die Verknüpfung von visuellen Arbeiten mit Texten; die Verbindung von Installation, Film und Fotografie; das Infragestellen des Kunstbetriebs und der gesellschaftlichen Rolle des Künstlers.

Ein Beispiel aus der Ausstellung im Museumsquartier: Am Boden liegt ein Sandhaufen. Oder besser, eine langgestreckte, dünenförmige Sandaufschüttung. In Abständen von ungefähr 20 Zentimetern ist die Düne gegliedert durch längliche Glasplatten, ungefähr so groß wie Badezimmer-Etageren. Wie lauter harte, eckige Hürden stehen die Platten aus den Seiten der Düne heraus.

Glas oder Spiegel?

Der entscheidende Punkt bei der Arbeit fällt nicht sofort ins Auge. Die Glasplatten sind in Wirklichkeit Spiegel - aber da sich in ihnen immer der gleiche Sand spiegelt, hält man sie für gewöhnliches durchsichtiges Glas.

"Der Spiegel, die Spiegelung und das gespiegelte Material gehen hier eine ganz enge Verbindung ein, eine sozusagen utopische Einheit", erklärt die Kuratorin Eva Schmidt. Robert Smithson hat immer wieder Materialien und Medien so kombiniert, dass die Wahrnehmung in Frage gestellt wird. Nach seinen Anfangsjahren hat er sich mehrere Monate aus dem New Yorker Kunstbetrieb zurückgezogen und trat dann mit einem Ding an die Öffentlichkeit, von dem nicht so klar war, ob das jetzt ein theoretischer Text oder ein Kunstwerk sein sollte.

Hotel Palenque, 1969/72 (Dia #6)
Hotel Palenque, 1969/72 (Dia #6)
Es war ein Artikel für die Zeitschrift "Art Voice" mit dem Titel "Das Gebiet des großen Bären". Fotos des Hayden Planetariums in New York, kombiniert mit Diagrammen, Bildern von Dinosauriern, Meteoriten und utopischen Weltuntergangsszenarien. Das alles eingebettet in einen Text, der eine Verschränkung von wissenschaftlicher Beschreibung, Sciene Fiction und Kulturtheorie darstellt.

"Er beschäftigt sich mit einem Ort, der nicht zum Kunstbetrieb gehört. Ein Planetarium, wo er den Blick auf das Universum, der dort mit einer komplizierten Architektur und einem immensen technologischen Apparat ermöglicht wird, dekonstruiert, indem er den Blick hinter die Kulissen führt", so Kurator Kai Vöcklers. "Er ironisiert und verknüpft es mit den Perspektiven auf die Zukunft, wie sich die Welt und das Universum verändern konnten. Als Beispiel macht das seine Denkweise und seinen Arbeitsansatz deutlich."

Das bekannteste und meistpublizierte Werk von Robert Smithson ist seine
Land-Art-Intervention am Salzsee von Utah, eine spiralförmig in den seichten See hinein aufgeschüttete Steinmole.

Spiral Jetty (with sun), 1970
Spiral Jetty (with sun), 1970
"Smithson entdeckte den Saltlake für sich, weil er auf der Suche nach einer extrem farbigen Landschaft war", berichtet Schmidt. "Der Saltlake hat auf Grund einer besonderen Eigenart eine starke Rotfärbung, ist also von Vornherein schon sehr dramatisch aufgeladen. Er fuhr da hin und überlegte, was er machen könnte. In dem Moment wo er am Ufer steht und die weite, offene Landschaft sieht und das flimmrige, offene Licht, taucht in seiner Wahrnehmung eine Spirale auf, die eigentlich diese Form der Landschaft aufgreift und halten kann."

Zu der "Spiral Jetty", der Spiralmole im Großen Salzsee, gehört als wichtiger Teil des Werkes ein Film, der in der Kunsthalle in einer Sperrholzkoje gezeigt wird. Keine der üblichen Videodokumentationen einer Kunstaktion, sondern ein künstlerisches Filmessay. Gummistiefel, die im Wasser des Sees waten, der Bagger, so gefilmt, dass er wie ein Urweltungeheuer aussieht, und wirklich, gleich darauf sieht man Dinosaurierskelette.

"Er will Gewissheiten auflösen, meint Vöcklers, "er will diese Sicherheiten, auch dieses Ausruhen, dass man sich selber wiederfindet in der Landschaft, im Bild, im Kunstwerk, auflösen. Er will dem Betrachter gewissermaßen den Boden unter den Füßen wegziehen."

Eva Schmidt analysiert, "dass in seinem Werk so viele verschiedene Ebenen nebeneinander laufen, also das Pathos, die Romantik und die Ironie eines absolut Intellektuellen."

Bild: Robert Smithson auf der Spiral Jetty
Bild: Robert Smithson auf der Spiral Jetty
Als Robert Smithson 35-jährig bei der Inspektion eines großen Landart-Projekts mit dem Flugzeug verunglückte, hatte er ein breites Werk geschaffen, das Text, Video, Film, Installation und sogar Architektur auf vielfältigste Weise verknüpft. Seine bis heute vielgelesenen und einflussreichen Texte wurden anlässlich der Kunsthalle-Ausstellung erstmals komplett ins Deutsche übersetzt und sind im Ausstellungskatalog publiziert. Dieser ist im Verlag Walter König erschienen.

Links:
Kunsthalle Wien
Werke, Texte, Interviews
Verlag Walter König

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