VN Sa, 29.10.2005

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MEINUNG

Rauchzeichen

Noch ist der Rauch nicht verzogen, der sich über dem Feuer der ersten Nachricht gebildet hat, da tauchen schon neue Rauchzeichen hinter den Bergen auf. Die Mitteilung, daß Helmut Swozilek, Direktor des Vorarlberger Landesmuseums, mit Ende des Jahres auf eigenen Wunsch in den Ruhestand tritt, hat für ziemliche Aufregung gesorgt. Für die meisten kam sein Entschluß völlig überraschend, für manche, die mehr um die Umstände wußten, nicht gar so sehr. Denn schon lange war deutlich geworden, daß bei den Abläufen zwischen dem Museum auf der einen, dem Land und der Kulturhäusergesellschaft auf der anderen Seite Sand ins Getriebe gekommen war. Diese Reibungsverluste schienen Swozilek so groß, daß er den Ruhestand, der für ihn - zumindest auf der wissenschaftlichen Ebene - wohl kaum mit großer Ruhe verbunden sein wird, diesem Zustand vorzog. Viele gibt es, die sein Ausscheiden mehr als nur bedauern, hat er sich doch seit seinem Amtsantritt besondere Verdienste um das "Gedächtnis dieses Landes" (als das hat er das Museum immer verstanden) erworben. Sicher ist, daß das Museum mit dem Abgang von Helmut Swozilek seine besondere Handschrift verlieren wird. Darüber wird noch immer viel gesprochen, das ist der Rauch, der noch nicht verzogen ist.

Die Ankündigung des Ausscheidens aus einer so wichtigen öffentlichen Funktion bedeutet aber nicht nur Rückblick, sie bringt naturgemäß auch Überlegungen für die Zukunft. Was bedeutet das für das Museum, für die Schwerpunkte, die man da setzen wird? Wird in Zukunft weiter so zielgerichtet die Aufarbeitung kultureller und künstlerischer weißer Flecken in unserem Land betrieben werden? Wer - vor allem das interessiert die Menschen - wird Nachfolgerin oder Nachfolger im Landesmuseum werden? Das Personalkarussell beginnt sich zu drehen, den Spekulationen sind keine Grenzen gesetzt. Das sind die Rauchzeichen, die allenthalben auftauchen. In Vorarlberg tauchen sie bei manchen Diskussionen auf, manche aber kommen auch weit über die Berge, aus dem fernen Wien. Denn auch dort hat man schon davon gehört, daß ein Direktorenposten bei einem Museum ganz im Westen frei werden wird.

Gerüchte gibt es viele, Kandidatinnen und Kandidaten werden gehandelt oder melden sich auch freiwillig. Man hört von Vorarlbergerinnen und Vorarlbergern, die bereits in einschlägigen oder ähnlichen Positionen, in Museen oder Galerien tätig sind, man hört von solchen, die sich aufgrund ihrer bisherigen Tätigkeit geradezu aufdrängen würden. Und man hört auch von solchen, die aufgedrängt werden sollen. Beispielsweise wird seit einiger Zeit eine Vorarlbergerin hoch gehandelt, die derzeit in einem Wiener Museum in gehobener Position tätig sei und vor allem von Kulturministerin Elisabeth Gehrer besonders forciert werde. Genaues weiß man natürlich nicht, Bestätigung bekommt man ohnehin keine. Aber alte Kenner der Vorarlberger Situation geben zu bedenken, daß es ihren Informationen nach nicht das erste Mal wäre, daß Ministerin Gehrer bei öffentlichen kulturellen Bestellungen in Vorarlberg mitrede, mitunter auch entscheidend mitrede. Verifizieren lasse sich das alles aber nicht.

Wie immer das sei. Wir wollen doch annehmen, daß die Besetzung einer so wichtigen Position ohne jede Mauschelei ablaufen wird. Landesstatthalter Hans-Peter Bischof hat bereits angekündigt, daß es zu einer ordnungsgemäßen Ausschreibung kommen, daß die aussichtsreichsten Bewerber einem Hearing unterzogen werden. Man darf davon ausgehen, daß sich zahlreiche Bewerberinnen und Bewerber einstellen werden. Ein Museum ist schließlich nicht jeden Tag zu besetzen. Noch dazu eines, das in Kürze ausgebaut werden soll. Da sollten wohl auch qualifizierte Menschen dabei sein. Trotzdem wird man gut daran tun, die Auswahl auch öffentlich genau zu verfolgen. Damit nicht nachher noch einmal Rauchzeichen aufsteigen.

* * *

Die Meinung des Gastkommentators muss

nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen. Auf Wunsch des Autors erscheint

sie in der alten Rechtschreibung.

VON WALTER FINK




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