Noch ist der Rauch nicht verzogen, der sich über dem Feuer der
ersten Nachricht gebildet hat, da tauchen schon neue Rauchzeichen
hinter den Bergen auf. Die Mitteilung, daß Helmut Swozilek, Direktor
des Vorarlberger Landesmuseums, mit Ende des Jahres auf eigenen
Wunsch in den Ruhestand tritt, hat für ziemliche Aufregung gesorgt.
Für die meisten kam sein Entschluß völlig überraschend, für manche,
die mehr um die Umstände wußten, nicht gar so sehr. Denn schon lange
war deutlich geworden, daß bei den Abläufen zwischen dem Museum auf
der einen, dem Land und der Kulturhäusergesellschaft auf der anderen
Seite Sand ins Getriebe gekommen war. Diese Reibungsverluste
schienen Swozilek so groß, daß er den Ruhestand, der für ihn -
zumindest auf der wissenschaftlichen Ebene - wohl kaum mit großer
Ruhe verbunden sein wird, diesem Zustand vorzog. Viele gibt es, die
sein Ausscheiden mehr als nur bedauern, hat er sich doch seit seinem
Amtsantritt besondere Verdienste um das "Gedächtnis dieses Landes"
(als das hat er das Museum immer verstanden) erworben. Sicher ist,
daß das Museum mit dem Abgang von Helmut Swozilek seine besondere
Handschrift verlieren wird. Darüber wird noch immer viel gesprochen,
das ist der Rauch, der noch nicht verzogen ist.
Die Ankündigung des Ausscheidens aus einer so wichtigen
öffentlichen Funktion bedeutet aber nicht nur Rückblick, sie bringt
naturgemäß auch Überlegungen für die Zukunft. Was bedeutet das für
das Museum, für die Schwerpunkte, die man da setzen wird? Wird in
Zukunft weiter so zielgerichtet die Aufarbeitung kultureller und
künstlerischer weißer Flecken in unserem Land betrieben werden? Wer
- vor allem das interessiert die Menschen - wird Nachfolgerin oder
Nachfolger im Landesmuseum werden? Das Personalkarussell beginnt
sich zu drehen, den Spekulationen sind keine Grenzen gesetzt. Das
sind die Rauchzeichen, die allenthalben auftauchen. In Vorarlberg
tauchen sie bei manchen Diskussionen auf, manche aber kommen auch
weit über die Berge, aus dem fernen Wien. Denn auch dort hat man
schon davon gehört, daß ein Direktorenposten bei einem Museum ganz
im Westen frei werden wird.
Gerüchte gibt es viele, Kandidatinnen und Kandidaten werden
gehandelt oder melden sich auch freiwillig. Man hört von
Vorarlbergerinnen und Vorarlbergern, die bereits in einschlägigen
oder ähnlichen Positionen, in Museen oder Galerien tätig sind, man
hört von solchen, die sich aufgrund ihrer bisherigen Tätigkeit
geradezu aufdrängen würden. Und man hört auch von solchen, die
aufgedrängt werden sollen. Beispielsweise wird seit einiger Zeit
eine Vorarlbergerin hoch gehandelt, die derzeit in einem Wiener
Museum in gehobener Position tätig sei und vor allem von
Kulturministerin Elisabeth Gehrer besonders forciert werde. Genaues
weiß man natürlich nicht, Bestätigung bekommt man ohnehin keine.
Aber alte Kenner der Vorarlberger Situation geben zu bedenken, daß
es ihren Informationen nach nicht das erste Mal wäre, daß Ministerin
Gehrer bei öffentlichen kulturellen Bestellungen in Vorarlberg
mitrede, mitunter auch entscheidend mitrede. Verifizieren lasse sich
das alles aber nicht.
Wie immer das sei. Wir wollen doch annehmen, daß die Besetzung
einer so wichtigen Position ohne jede Mauschelei ablaufen wird.
Landesstatthalter Hans-Peter Bischof hat bereits angekündigt, daß es
zu einer ordnungsgemäßen Ausschreibung kommen, daß die
aussichtsreichsten Bewerber einem Hearing unterzogen werden. Man
darf davon ausgehen, daß sich zahlreiche Bewerberinnen und Bewerber
einstellen werden. Ein Museum ist schließlich nicht jeden Tag zu
besetzen. Noch dazu eines, das in Kürze ausgebaut werden soll. Da
sollten wohl auch qualifizierte Menschen dabei sein. Trotzdem wird
man gut daran tun, die Auswahl auch öffentlich genau zu verfolgen.
Damit nicht nachher noch einmal Rauchzeichen aufsteigen.
* * *
Die Meinung des Gastkommentators muss
nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen. Auf Wunsch des
Autors erscheint
sie in der alten Rechtschreibung.