| Salzburger Nachrichten am 8. Juni 2006 - Bereich: Kultur
Die Seele dahinter Das Leopold Museum Wien
zeigt 143 Frauenbilder aus mehreren Jahrhunderten. Die Sommerausstellung
"Körper, Gesicht und Seele" reicht von Dürer bis zur Gegenwart.
ERNST P. STROBLWIEN (SN). Die Männer spielen bei der Ausstellung,
welche Elisabeth Leopold, die Gattin des Kunstsammlers, zusammengestellt
hat, naturgemäß nur indirekt eine Rolle: entweder als Geköpfte wie im
Salome-Sujet oder als (unsichtbare) Schweine, in welche sie der Trank der
Circe verwandelt, den diese auf dem Bild von Franz von Stuck mit gemeinem
Blick darbietet. Männer können sich dennoch am Museumsrundgang erfreuen,
auch die Erotik fehlt nicht bei den Frauenbildern vom 16. bis ins 21.
Jahrhundert. Von heute, Donnerstag, bis zum 2. Oktober ist das Untergeschoß des
Museums mit Schönheiten aller Art dicht behängt. Die Hängung ließ sich
Rudolf Leopold nicht aus der Hand nehmen. Von den 143 Arbeiten sind 100
Leihgaben, besonders stolz ist man im Museum darauf, dass 55 Werke noch
nie in Wien zu sehen waren. Als Leihgeber halfen Museen wie das
Kunsthistorische Museum oder das Belvedere, aber auch Tate Modern London,
das Museum der Moderne Salzburg oder Sammlerkollege Batliner aus. Die Vielfalt der Sujets und der Motive ließ keine exakte Ordnung zu,
dennoch versuchte man, mit "Körper" oder "Gesicht" oder auch "Kampf"
thematische Gegenüberstellungen zu finden. Historische Glanzlichter sind
etwa das Selbstbildnis der Künstlerin Sofonoisba Anguissola (1554) neben
Dürers "Junge Venezianerin", weiters Thomas Gainsboroughs "Bildnis Sarah
Siddons", eine selbstbewusste, "coole" Frau aus dem Jahr 1770. Wie die
Gegenüberstellungen gedacht sind, zeigen zum Beispiel "Lukretia und
Tarquinius" von Hans von Aachen (1600), eine bedrohte Frau, in
unmittelbarer Nachbarschaft zum Stoffpuppen-Torso mit Schlachtmesser von
Louise Bourgeois als gruselige Spiegelung. Gezeigt wird auch die Karriere der Eva, die durch die Jahrhunderte von
der Abbildung als "Anhängsel" des Mannes zum eigenständigen - liebsten -
Motiv geworden ist, vom Porträt bis zum Akt. Rollenklischees werden
heutzutage konterkariert, etwa im ultrakalten I.N.R.I.-Zyklus der
Fotografin Bettina Rheims oder im entstellenden Selbstporträt von Elke
Krystufek. Für Elisabeth Leopold war es wichtig, dass die Bilder nicht allein der
Schönheit gewidmet sind, sondern die Seele hinter Gesicht und Körper
spiegeln. Wenn Ferdinand Waldmüller eine unansehnliche Frau auf seinem
Bild lächeln lässt, bekommt sie durchaus sympathische Züge. Notorische
Frauenfreunde wie Gustav Klimt oder Pablo Picasso setzten auf ihre Art der
weiblichen Ausstrahlung meisterliche Denkmäler. Ein Raum gilt dem
Mutterbild, das von der Darstellung der Madonna mit Kind bis zu Egon
Schieles packenden Mutter-Bildern reicht. Zahlreich vertreten ist die "klassische" Moderne aus Expressionismus,
Jugendstil oder Impressionismus. Namen wie Oskar Kokoschka, Herbert
Boeckl, Anton Faistauer, Max Beckmann, Edvard Munch, Käthe Kollwitz oder
Greta Freist bürgen für Qualität. Der Rundgang endet versöhnlich: Egon
Schieles "Liebespaar", ob seines frühen Todes unvollendet, fasziniert mit
seiner Unfertigkeit.Internet: www.leopoldmuseum.org |