

Der Protagonist (hier in einer Hecke verfangen) in Erik Schmidts Video "Bogged Down" erinnert an Büchners Lenz.

Erik Schmidt malt seine Bilder horizontal. Sieht man seine Gemälde, kann man zumindest erahnen, weswegen: Mit dicken Farbwülsten verleiht er seinen Bildern eine Körperlichkeit, die eine aufrechte Leinwand mit noch nicht getrockneter Farbe vermutlich nicht tragen könnte. In der Ausstellung "Bogged Down" zeigt er neben einer neuen Werkserie auch seinen neuesten Film.
Bogged Down heißt übersetzt "festgefahren". Als Werturteil kommt das im Kunstkontext üblicherweise nicht so gut; als Ausstellungsthema macht es aber vielleicht gerade deswegen Sinn: Schließlich eröffnet es Assoziationen mit diversen Gemütszuständen; es gibt aber auch in Bezug auf die Gesellschaft einiges her. Schmidt geht es nicht so sehr um urbanen Raum als um Landschaft, die er inklusive der damit verbundenen Malereitradition als Konstrukt sichtbar macht.
In einem an den Pointillismus erinnernden Stil malt er Szenen, die am ehesten in einem Schlosspark mit Waldstück zu finden sind: Da gibt es Reiterstatuen, erlegte Rehe oder Büsche für Schnelles Verlangen. Dass man sich im Heute befindet, lässt aber nicht nur dieser etwas plakative Bildtitel erahnen, sondern auch gewählte Perspektiven und Bildausschnitte: So wird die Reiterstatue etwa aus so starker Unterperspektive betrachtet, dass man den Reiter selbst gar nicht sieht. Achilles' Heel zeigt ein ins Bild hineinragendes Bein. Von Achilles' Heroik lässt Schmidt nicht viel übrig, und auch in seinem neuesten Film tauchen keine Heroen auf. Vielmehr erinnert der Protagonist - vom Künstler selbst gespielt - an Büchners Lenz, der bekanntlich auch in der Natur die Nerven verliert. Anstelle von Worten versucht Schmidt allerdings mit Bildern von den emotionalen Zuständen zu erzählen, die er auf seinem Weg über Wiesen und Äcker durchläuft.
Schließlich findet er sich in einem Sanatorium wieder, wo er von Zombie-artigen Mitarbeitern erwartungsgemäß auch nicht geheilt, sondern am Ende tot aus dem Moor gezerrt wird. Schauplatz dieses tragischen Abgangs ist ein Kurhotel, das dem Film eine tolle Kulisse gibt. Etwas überflüssig ist dagegen der Filmauftakt, der mit Aufnahmen von einem Fest die folgende Tragik eher platt konterkariert. (cb/ DER STANDARD, Printausgabe, 11.3.2010)
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