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08.05.2002 14:39 MEZ |
"Vorgehaltener Filter" für
NS-Wandbild
Ulrike Lienbacher gewann den Wettbewerb für die
Gemeindebau-Fassade in der Brandmayergasse in Wien-Margareten
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Nazi Mauerschmuck von Rudolf Böttger
aus dem Jahre 1938 mit entferntem Hakenkreuz. |
Wien - Das Wandbild des NS-Malers Rudolf Böttger mit seinem fragwürdigen Familienmotiv an der Fassade eines Gemeindebaus in der Brandmayergasse 27 in Wien-Margareten wird nach einem entsprechenden Wettbewerb nun umgestaltet. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) und Wohnbaustadtrat Werner Faymann (S) präsentierten am Mittwoch das Siegerprojekt von Ulrike Lienbacher. Auf dem Wandbild ist eine Art "Familienidylle" dargestellt. Ein abgebildeter Knabe in der Uniform der Hitler-Jugend hält einen NS-Wimpel in der Hand. 1945 wurde das Hakenkreuz auf diesem Wimpel entfernt, ansonsten blieb das Werk allerdings unverändert. Lienbacher will dem Wandbild nun eine Art Spiegel vorhalten: Eine Glasscheibe mit der spielgelverkehrten Aufschrift "Idylle" soll die Abbildung "durchstreichen", als "vorgehaltener Filter" fungieren und auf den Missbrauch der Sprache durch die Nationalsozialisten hinweisen. Eine Tafel in vier Sprachen soll zudem am Haus angebracht werden, um über die Hintergründe aufzuklären. "Nicht verbergen" Zweck des Wettbewerbes war laut Faymann, das Bild neu zu bewerten, nicht aber einfach zu übermalen oder abzuschlagen. "Nicht verbergen, sondern sich mit dieser Vergangenheit auseinander setzen, heißt unserer Devise", sagte der Wohnbau-Stadtrat. Böttgers Bild zeige die Familie in "Schulbuch-Ästhetik", es sehe beinahe harmlos aus, meinte die Juryvorsitzende Sylvia Eiblmayr. Allerdings verberge das Bild eine ganz klare Ideologie: Das Weltbild der Nationalsozialisten und ihrer Vorstellung von Familie, aber auch die Stellung der Frau. Einhellige Lösung Für Mailath Pokorny ist die Umgestaltung des Wandbildes Böttgers, der während der Nazi-Zeit im Rahmen des "Wiener Gaukulturates" für Malerei zuständig war, "nicht Bewältigung sondern offene Form der Auseinandersetzung". Man habe "nicht zufällig" den 8. Mai - den Jahrestag der Niederlage Mazi-Deutschlands - für die Präsentation gewählt, so Mailath-Pokorny. Besonders glücklich zeigte man sich auch über den Umstand, dass sowohl die Expertenjury, Vertreter des Bezirks, die Gebietsbetreuung und die Mieter des Gemeindebaus zusammengearbeitete hätten und eine Lösung gefunden werden konnte, die alle zufrieden stelle. (APA) |