Eine einmalige Chance

Silvana Schiller über Ausstellungen zu Kupka, Gutfreund, Schiele und Beckmann im südböhmischen Krumau.


Das Egon-Schiele-Zentrum im malerischen Krumau zeigt seit 1992 Ausstellungen der klassischen Moderne: Diesmal stammen alle Werke aus amerikanischem Privatbesitz.

Nur so kann das Egon-Schiele-Zentrum hochwertige Ausstellungen bieten, sagt die organisatorische Leiterin Hana Jirmusova: "Diese zwei Gemälde sind vor einer Woche gekommen, wir sehen sie auch zum ersten Mal. Das ist eine einmalige Chance, weil sie von uns dann wieder in den Privatbesitz nach Amerika zurückgehen."

Krumau oder doch Mödling?

Die beiden Schiele-Bilder "Prozession" und "Wiese, Kirche und Häuser" zählen zu den Hauptattraktionen dieser Ausstellungen des Zentrums, das sich in einem der schönsten historischen Gebäude von Krumau befindet.

Egon Schiele
Egon Schiele

Beide Schiele-Gemälde sind Werke aus kräftigen satten Farben, die sofort den Stil des zu Lebzeiten verfolgten Künstlers erkennen lassen. Das Landschaftsmotiv "Wiese, Kirche und Häuser" ist 1912 entstanden. Die Kirche ist nur ausschnittweise auf diesem Bild zu erkennen. Die Kunsthistoriker sind sich daher bis heute uneinig, ob es sich tatsächlich um ein Motiv der Stadt Krumau handelt, oder ob es eine Ansicht von Mödling sein könnte.

Schiele in Krumau

Schieles Mutter stammte aus Krumau. Er selbst hat in der Stadt an der Moldau, deren Altstadt heute zum Weltkulturerbe zählt, einige Zeit gewohnt und auch viel gearbeitet. Neben diesen beiden Ölbildern sind auch bisher selten gezeigte Aquarelle und Zeichnungen von Egon Schiele zu sehen.

Im Dachgeschoß des weiträumigen Schiele-Zentrums sind die abstrakten Arbeiten des tschechischen Malers, Grafikers und Illustrators Frantisek Kupka zu sehen. Er zählt zu den wichtigsten Begründern der abstrakten Kunst Anfang des 20. Jahrhunderts. Der 1957 verstorbene Kupka wird heute in einem Atemzug mit Kandinsky, Malewitsch und Mondrian genannt. Kupkas großflächige vitale Arbeiten stammen aus der Sammlung der Kunsthistorikerin Meda Mladek.

"Schauen, schauen, schauen"

Mladek hat den Künstler noch gekannt. Beide haben in Paris gearbeitet. Sie erinnert sich an ihre Studienzeit, als sie sich erst der abstrakten Kunst annähern musste: "Ich habe das nicht verstanden. Ich bin immer zu meinem Professor gegangen, habe ihm gesagt, ich würde das nicht verstehen. Können Sie mir helfen? Hat er geantwortet: Ich kann ihnen nicht helfen, Sie müssen schauen, schauen, schauen."

Der fast 80-jährige Künstler war für die damals junge tschechische Kunststudentin prägend. Sie wollte ihn unbedingt kennen lernen. "Ich habe ihn gesucht und gefunden. Er hat am Land gelebt." Der damaligen Studentin habe er gern sein Atelier gezeigt. "Ich war absolut weg, ich bin gelaufen von einem Bild zum anderen, ich war so begeistert, unglaublich."

Erstmals abstrakt

Die heute in Washington lebende Meda Mladek hat zusammen mit ihrem Ehemann Jan Mladek die Arbeiten Kupkas gesammelt. Mladek erfuhr das Credo des Künstlers: "Kupka hat immer gesagt: Die Bäume in der Natur sind eh viel schöner, als ich sie je malen kann. Man muss nicht nur realistisch malen. Er war der erste, der abstrakte Malerei ausgestellt hat. Er hat die Courage gehabt, diese Bilder zu zeigen, und sich der Presse zu stellen, was sehr schwer war."

In einem Raum mit den Arbeiten Frantisek Kupkas werden die Skulpturen des 1927 verstorbenen Tschechen Otto Gutfreund gezeigt. Meda Mladek beabsichtigte eine bewusste Verschmelzung der beiden Künstler.

"Die Hölle"

Die vierte Ausstellung im Schiele-Zentrum zeigt den Grafikzyklus "Die Hölle". Der deutsche Künstler Max Beckmann verarbeitete in zehn Lithografien seine traumatischen Erlebnisse nach dem Ersten Weltkrieg. Das Elend und die Straßenkämpfe Berlins haben Beckmann schwer erschüttert und dieses Erleben ist in jeder seiner Grafiken spürbar.

Frantisek Kupka und Otto Gutfreund sind noch bis 1. September, Schiele und Beckmann bis Ende Oktober zu sehen.

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