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Galerien in Wien: Mütter, Häuser und zersägte Küchentische

20.02.2008 | 18:28 | NICOLE SCHEYERER (Die Presse)

Die Jugendfreundinnen Josephine Pryde und Sarah Staton erinnern sich für uns. Bei Senn und Bleich-Rossi.

Sich gemeinsam erinnern: Das fördert mehr zu Tage, als solitäre Rückblicke. Und so denken die Jugendfreundinnen Josephine Pryde und Sarah Staton in zwei Ausstellungen eben gemeinsam zurück. Nun geht es den Londoner Künstlerinnen aber weniger um persönliche Erlebnisse, als um den Zeitgeist der 70er und 80er Jahre.

„Mother and her house“ lautet der Untertitel zur Schau in der Galerie Bleich-Rossi. Die Kombination von Frau-Sein und Häuslichkeit ist symptomatisch. Auf den Fotos von Pryde exekutieren junge Frauen „Gesten von Mütterlichkeit“. Die Modelle schwanken zwischen Souveränität und Krise, die in bildscharfen und verschwommenen Aufnahmen zum Ausdruck kommen (3000 €).


Ironisierter Feminismus

Der Bildtitel „A Lifetime of Self-Sacrifice Can Be Blown in One Unguarded Moment“ wirkt wie ein Kalenderspruch, mahnt aber auch an eine Frauengeneration, die sich in mütterlicher Hingabe gefährlich selbst vergaß. Die feministische Schlagseite von Pryde, die als Gast an der Akademie der bildenden Künste unterrichtet, bekommt durch Statons Skulpturen eine ironische Wendung: Mit der Stichsäge hat sich die Britin über Küchentische her gemacht, diesem Symbol für Familienglück.

Durch runde Löcher in der rustikalen Tischplatte ragen bei der Skulptur „Seven Dwarfs“ Holztürmchen wie kleine Revoluzzer (15.000 €), auch die Tischplastiken „Bare Bones“ und „Queen of Tarts“ amüsieren köstlich.


Madonnas Sonnenbrille

Raus aus der Bude heißt es dann bei Gabriele Senn, die den adoleszenten Part dieses Entwicklungsromans präsentiert. Verführerisch schimmernde Bällchen rollen über schwarz lackierte Flächen. Confessions on a Dancefloor: Tatsächlich ist hier die Achtzigerqueen Madonna nicht weit, Pryde integriert eine vom Popstar entworfene Sonnenbrille in ihre eigenwilligen Fotos.

Die Einladungskarte zum zweiten Ausstellungsteil zeigt ein Bang&Olufsen-Telefon, ein Designfetisch von vor 20 Jahren. Und wenn man endlos daran hing, entstanden Kritzeleien und Kringeln, wie sie Staton heute auf schwarzes Denim malt. So banal kann Formenfindung durch Rückblick freilich auch sein.

Bis 29.2. Schleifmühlg. 1A, Wien 4; Dominikanerbastei 19, Wien 1.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2008)


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