25. 7. bis 30. 8., Mo bis So 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr
Link: mumok.at

Wien - Einen "lange gehegten Wunsch" erfüllte sich MUMOK-Direktor Edelbert Köb mit der Ausstellung "Mind Expanders", die von Freitag bis zum 30. August auf zwei Ebenen des Hauses zu sehen ist. "Zeitgenosse und Zeitzeuge" sei er gewesen, jener 68er-Rebellen, die in Kunst und Architektur radikale Wege beschritten, neue Medien zu Trägern ihrer Ideen erklärten und damit aus den Museumsmauern in den oft hitzigen öffentlichen Diskurs stürmten. Die Dokumentation ordnet österreichische Phänomene in ihren zeitlichen und internationalen Kontext ein und bietet ein Who is Who des Wiener Aktionismus, der Wiener Gruppe und der Wiener Underground-Filmszene.
Günter Brus, Otto Muehl, Hermann Nitsch, Rudolf Schwarzkogler, VALIE EXPORT, Bruno Gironcoli, Maria Lassnig, Arnulf Rainer müssen sich die Einordnung ihres Werks in einen ungeheuer dichten Überblick über die Neubewertung des menschlichen Körpers gefallen lassen. Yayoi Kusama, Marina Abramovich und Gina Pane lösen den Lokalkolorit daneben spielend auf. Der Körper als "Schnittstelle zwischen Privatem und Öffentlichem", wie Kurator Rainer Fuchs beim Pressegespräch am Donnerstag erörterte, als Medium des Widerstandes gegen die Gesellschaft, wurde nicht nur in Wien neu definiert. Doch hier haben die menschlichen Vierbeiner (Peter Weibel) oder die wandernden Farbteufel (Günter Brus) einen gewissen heimischen Charme.
Funktionsbewusstsein
Die Beweisführung, dass in Österreich etwas in der Luft lag, die Utopie einer neuen geistigen Ordnung, wird auf einer zweiten Ebene des Hauses mit einem Schwerpunkt auf die Architektur um '68 fortgesetzt. Erste Gruppen schlossen sich zusammen, Verbindungen zum Aktionismus öffneten andere Perspektiven, das Interesse an einer skulpturalen Architektur überstülpte traditionelles Formen- und Funktionsbewusstsein. Hundertwasser schrieb ein "Verschimmelungsmanifest", Arnulf Rainer und Markus Prachensky plädierten für eine Architektur des Einzelnen, Hans Hollein und Walter Pichler schufen aufblasbare Gebäude und überschrieben sie mit dem Diktum "Alle sind Architekten. Alles ist Architektur."
Auch hier zeigt die Ausstellung nicht nur Werke, Modelle, Skizzen und Design, sondern dokumentiert die Sozialisation dieser neuen Ideale. Filme wie "Schöner Wohnen" der Gruppe Zünd-Up erwecken nicht nur 70er-Nostalgie, sondern führen vor, wo das Ineinandergreifen der Disziplinen, der Medien und des künstlerischen Interesses mit einem forschen Selbstbewusstsein seinen Anfang nahm, wollen in ihrer Dichte, 40 Jahre später, inhaltliche und formale Kontinuität einer notwendigen historischen Entwicklung zusammenfinden lassen. Ursprünglich hätte es eine Schau ausschließlich aus den eigenen Beständen der Sammlung werden sollen, viele Exponate seien, so Köb, schließlich "seit Urzeiten nicht mehr gezeigt worden". Doch schließlich stockte man um etwa hundert Leihgaben auf, viele davon aus der Generali Foundation. (APA)