

vergrößern 900x600Die Farbe der Liebe ist Rot. Danica Phelps hat die Liebe auch in die Miesen gebracht: "The Cost of Love" (2011).
Wien - Üblicherweise ist der Termin beim Steuerberater eher ein zweifelhaftes Vergnügen. Danica Phelps hat Buchhaltung hingegen zur Basis ihrer künstlerischen Arbeit gemacht: Mit 800 Dollar kam die Künstlerin (geb. 1971) Mitte der 1990er nach New York, wo sie notgedrungen begann, sich über ihre finanzielle Existenz den Kopf zu zerbrechen.
Mit roten, grünen und grauen Strichen hielt sie Ausgaben, Einnahmen und die Kreditkartenbelastungen penibel fest. Zu jeder finanziellen Transaktion notierte sie überdies das Datum und die zugrundeliegende Aktivität (Dinner, Kino etc.). Im Laufe der Zeit entwickelten sich ihre Aufzeichnungen so zu einer Art Tagebuch in Form von Strichcodes, das mit einigen Mythen des künstlerischen Alltags aufräumte: Anstelle des genialischen Künstlers, der in seinem Atelier keinen Gedanken an die monetäre Seite seiner Kunstproduktion verschwendet, stellt sie ihre Arbeit als eine notwendigerweise vom Verkauf abhängige vor.
Daneben ging es der Künstlerin aber immer auch darum, mit den Ausgaben die Gewöhnlichkeit ihres Alltags zu dokumentieren, zu dem irgendwann auch ihre Lebensgefährtin Debi, ihr Sohn Orion und ein Haus in Brooklyn gehörte. Wegen der Trennung von Debi im Jahr 2009 steht nun Letzteres im Zentrum ihrer Präsentation in der Galerie Winter: Mit ausschließlich roten Strichen hält sie in der 25-teiligen Serie The Cost of Love den buchstäblichen Wert jener 25 zivilrechtlichen Paragrafen fest, die das Haus nach unzähligen Briefen letzten Endes Debi Ray-Chaudhuri zusprachen.
In der Ausstellung mutet die Übertragung des Verlusts von 350.000 Dollar auf jeden einzelnen Buchstaben der zivilgerichtlichen Entscheidung zunächst relativ nüchtern an. Gleichzeitig vermittelt die Absurdität dieser manischen "Rechnung" aber auch ein treffendes Bild der persönlichen Krise, die durch Hilflosigkeit, Trauer und Ärger gekennzeichnet ist.
Phelps steht jedoch nicht nur mit dieser intimen Arbeit in einer eindeutig feministischen Tradition: Auch die fragilen Zeichnungen ihres Sohnes erinnern an Mary Kelly, die mit ihrem Post-Partum Dokument das Thema Mutterschaft erstmals in die Kunst eingebracht hat.
Auf sogenannten Stripebooks hält Phelps den Verkauf der Zeichnungen fest, während zwei Videos weg von den monetären, hin zu ganz anderen Kreisläufen und Bedingtheiten führen: Zu sehen ist die Künstlerin selbst, deren Bauch in der Aneinanderreihung von hunderten Standbildern wächst, während aus ihrem Arbeitsplatz im Bildhintergrund nach und nach ein Wohnzimmer wird. (Christa Benzer / DER STANDARD, Printausgabe, 14.7.2011)
Bis 10. 9., Sommerpause 24. 7. - 22. 8., Galerie Hubert Winter, Breite Gasse 17, 1070 Wien
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