Kritische Stimmen

Das Urteil der österreichischen Kritiker zur Ära Hegyi fällt überwiegend negativ aus.
Von Matthias Osiecki.


"Es gab viel weniger Kritik, als notwendig gewesen wäre. Denn man muss schon sehen, dass die letzten zehn Jahre für die zeitgenössische Kunst verloren sind. Seit Lorand Hegyi angetreten ist, war nichts mehr zu sehen, was Relevanz im zeitgenössischen Bereich hat. Es waren zehn Jahre absoluter, tödlicher Belanglosigkeit", urteilt Brigitte Huck, Kuratorin und Kunstkritikerin über den scheidenden Museumschef.

Vor allem Belanglosigkeit

Lorand Hegyi / ©Bild: APA
Lorand Hegyi / ©Bild: APA

Hucks Kritik umfasst vier Punkte: Erstens die "absolute Belanglosigkeit des Ausstellungs-Programms. Zweitens die Sammlungstätigkeit: "Es war eine Meisterleistung, wie man mit einer doch ausreichenden Summe Geldes, eine Ansammlung von Belanglosigkeiten angekauft hat. Ich will nicht sagen, dass es in der Sammlung keine guten Stücke gibt. Aber auffallend ist, dass wichtige Bereiche der Gegenwartskunst ausgeklammert sind. So z.B. Medienkunst." Dritter Punkt: "Sehr gute Kuratoren waren kaltgestellt und durften keine Ausstellung machen." Punkt vier: "Das Handling des neuen Hauses. Hegyi sollte ja mitplanen und überlegen, wie das Museum werden soll. Er hat sich aus dieser Situation absentiert und in keiner Weise darum gekümmert. So gibt es z.B. keinen adäquaten großen Ausstellungsraum für Wechsel-Ausstellungen."

Besetzungsmodalitäten

Als Ursache für solche Entwicklungen sieht Huck die heimischen
Modalitäten: "Es liegt letztendlich an der Besetzungspolitik der zuständigen Ministerien. Das ist eine klassische Vorgangsweise in Österreich: man macht etwas aus und schiebt dann eine Pseudo-Ausschreibung nach. Es ist ja jetzt wieder so gelaufen. Es gab zwar eine internationale Ausschreibung, aber die ist in einer einzigen Zeitung, in der "Frankfurter Algemeinen", veröffentlicht worden. Diese seltsame Zurückhaltung hat dazu geführt, dass sich nur zehn Leute für diese Funktion beworben haben. Das war ein Glück für den Edelbert Köb und ich bin sehr froh, dass er es geworden ist. Aber das heißt noch lange nicht, dass diese Modalitäten gut sind", meint Huck.

"Hegyi hat verschiedene Schwerpunkte gesetzt, deren Sinn manchmal schwer einzusehen war. Es hat sich wenig bewegt. An besondere Ereignisse kann ich mich nicht erinnern. Was mir aufgefallen ist, war seine Doppelgleisigkeit. Er hat versucht, uns die sogenannte Ost-Kunst plausibel zu machen. Wobei er übersehen hat, dass es diese Verbindung in den Osten ja auch schon vorher gegeben hat. Jedenfalls hat er das Museum mit gewaltigen Brocken gefüllt und uns Dinge vorgestellt, die wir dann bald wieder vergessen haben. Und ich bin neugierig, was von diesem Arsenal, das zum Teil erworben wurde, übrigbleiben und im neuen Museum zu sehen sein wird", meint Kristian Sotriffer, Kulturpublizist und Mitarbeiter der "Presse" und des "Wiener Journals".

Reisefreudiger Direktor

"Ein Vorwurf, den man ihm machen muss, war seine Reisefreudigkeit. Sein sich Nicht-Kümmern um die internen Abläufe, das Delegieren an seine Mitarbeiter. Es hat keine Struktur gegeben, das Museum hat kein Gesicht erhalten bzw. sein altes Gesicht behalten", so Sotriffer.

Hegyi hat Position bezogen

"Ich meine, dass es eines seiner größten Verdienste war, eine Position bezogen und diese auch konsequent durchgehalten zu haben. Er hat sich ganz stark als Historiker gesehen und zum Begriff der Szene immer einen Abstand gehabt", beurteilt Markus Mittringer vom "Standard" den scheidenden Museumschef positiv.

Sammlungslücken geschlossen

Als wesentlichen Punkt der Tätigkeit Hegyis sieht Mittringer die Tatsache, dass der Museumschef Sammlungslücken geschlossen hat. "Allein schon aus der geografischen Lage Österreichs und aus seiner Geschichte heraus war es sinnvoll, sich mit der Kunst Ost-Europas auseinander zu setzen. Ich kenne keine vergleichbare Sammlung, wo die Kunst aus diesem Raum in solchem Zusammenhang dargestellt ist", meint der Kritiker.

"Bedaure Abgang Hegyis"

"Ich bedauere es, dass Hegyi so knapp nach der Eröffnung des neuen Hauses geht. Denn zum ersten Mal wird man sehen können, was in seiner Ära entstanden ist. Der neue Leiter wird sich natürlich profilieren müssen", meint Mittringer. Und befürchtet, dass so dadurch dem Museum wertvolle Zeit von drei bis vier Jahren verloren geht.

Zu den Fehlern Hegyis zähle, dass er trotz bester nationaler und internationaler Kontakte kein Lobbying betrieben habe. "Es ist ihm nicht gelungen, für seine Anliegen eine Öffentlichkeit zu schaffen. Er hat ausschließlich auf die Kraft der Kunst gesetzt", resümiert Mittringer.

Radio &sterreich 1