"Es gab viel weniger Kritik, als
notwendig gewesen wäre. Denn man muss schon sehen, dass die letzten zehn
Jahre für die zeitgenössische Kunst verloren sind. Seit Lorand Hegyi
angetreten ist, war nichts mehr zu sehen, was Relevanz im zeitgenössischen
Bereich hat. Es waren zehn Jahre absoluter, tödlicher Belanglosigkeit",
urteilt Brigitte Huck, Kuratorin und Kunstkritikerin über den scheidenden
Museumschef.
Vor allem Belanglosigkeit
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| Lorand Hegyi / ©Bild:
APA |
Hucks Kritik umfasst vier Punkte: Erstens die "absolute Belanglosigkeit
des Ausstellungs-Programms. Zweitens die Sammlungstätigkeit: "Es war eine
Meisterleistung, wie man mit einer doch ausreichenden Summe Geldes, eine
Ansammlung von Belanglosigkeiten angekauft hat. Ich will nicht sagen, dass
es in der Sammlung keine guten Stücke gibt. Aber auffallend ist, dass
wichtige Bereiche der Gegenwartskunst ausgeklammert sind. So z.B.
Medienkunst." Dritter Punkt: "Sehr gute Kuratoren waren kaltgestellt und
durften keine Ausstellung machen." Punkt vier: "Das Handling des neuen
Hauses. Hegyi sollte ja mitplanen und überlegen, wie das Museum werden
soll. Er hat sich aus dieser Situation absentiert und in keiner Weise
darum gekümmert. So gibt es z.B. keinen adäquaten großen Ausstellungsraum
für Wechsel-Ausstellungen."
Besetzungsmodalitäten
Als Ursache für solche Entwicklungen sieht Huck die
heimischen
Modalitäten: "Es liegt letztendlich an der Besetzungspolitik
der zuständigen Ministerien. Das ist eine klassische Vorgangsweise in
Österreich: man macht etwas aus und schiebt dann eine Pseudo-Ausschreibung
nach. Es ist ja jetzt wieder so gelaufen. Es gab zwar eine internationale
Ausschreibung, aber die ist in einer einzigen Zeitung, in der "Frankfurter
Algemeinen", veröffentlicht worden. Diese seltsame Zurückhaltung hat dazu
geführt, dass sich nur zehn Leute für diese Funktion beworben haben. Das
war ein Glück für den Edelbert Köb und ich bin sehr froh, dass er es
geworden ist. Aber das heißt noch lange nicht, dass diese Modalitäten gut
sind", meint Huck.
"Hegyi hat verschiedene Schwerpunkte gesetzt, deren Sinn manchmal
schwer einzusehen war. Es hat sich wenig bewegt. An besondere Ereignisse
kann ich mich nicht erinnern. Was mir aufgefallen ist, war seine
Doppelgleisigkeit. Er hat versucht, uns die sogenannte Ost-Kunst plausibel
zu machen. Wobei er übersehen hat, dass es diese Verbindung in den Osten
ja auch schon vorher gegeben hat. Jedenfalls hat er das Museum mit
gewaltigen Brocken gefüllt und uns Dinge vorgestellt, die wir dann bald
wieder vergessen haben. Und ich bin neugierig, was von diesem Arsenal, das
zum Teil erworben wurde, übrigbleiben und im neuen Museum zu sehen sein
wird", meint Kristian Sotriffer, Kulturpublizist und Mitarbeiter der
"Presse" und des "Wiener Journals".
Reisefreudiger Direktor
"Ein Vorwurf, den man ihm machen muss, war seine Reisefreudigkeit. Sein
sich Nicht-Kümmern um die internen Abläufe, das Delegieren an seine
Mitarbeiter. Es hat keine Struktur gegeben, das Museum hat kein Gesicht
erhalten bzw. sein altes Gesicht behalten", so Sotriffer.
Hegyi hat Position bezogen
"Ich meine, dass es eines seiner größten Verdienste war, eine Position
bezogen und diese auch konsequent durchgehalten zu haben. Er hat sich ganz
stark als Historiker gesehen und zum Begriff der Szene immer einen Abstand
gehabt", beurteilt Markus Mittringer vom "Standard" den scheidenden
Museumschef positiv.
Sammlungslücken geschlossen
Als wesentlichen Punkt der Tätigkeit Hegyis sieht Mittringer die
Tatsache, dass der Museumschef Sammlungslücken geschlossen hat. "Allein
schon aus der geografischen Lage Österreichs und aus seiner Geschichte
heraus war es sinnvoll, sich mit der Kunst Ost-Europas auseinander zu
setzen. Ich kenne keine vergleichbare Sammlung, wo die Kunst aus diesem
Raum in solchem Zusammenhang dargestellt ist", meint der Kritiker.
"Bedaure Abgang Hegyis"
"Ich bedauere es, dass Hegyi so knapp nach der Eröffnung des neuen
Hauses geht. Denn zum ersten Mal wird man sehen können, was in seiner Ära
entstanden ist. Der neue Leiter wird sich natürlich profilieren müssen",
meint Mittringer. Und befürchtet, dass so dadurch dem Museum wertvolle
Zeit von drei bis vier Jahren verloren geht.
Zu den Fehlern Hegyis zähle, dass er trotz bester nationaler und
internationaler Kontakte kein Lobbying betrieben habe. "Es ist ihm nicht
gelungen, für seine Anliegen eine Öffentlichkeit zu schaffen. Er hat
ausschließlich auf die Kraft der Kunst gesetzt", resümiert
Mittringer.