Der Kellner stolpert, verschüttet fast den Kaffee auf das
Kleid der hübschen brünetten Dame. Zdenka Badovinac schenkt ihm ein
irritiertes Lächeln. Die 44jährige Slowenin sitzt gelassen im Sofa der
Hotel-Lobby. Zu Gast in Wien, aber längst keine Fremde mehr. Innerhalb
eines Jahres wurde die Direktorin der Moderna Galerija Ljubljana in
Österreichs Kunstszene zu einem mächtigen Namen.
Im Frühjahr wählte sie Österreichs Beitrag zur Biennale
in São Paolo aus, die Wanderausstellung ihrer Laibacher Sammlung
zeitgenössischer osteuropäischer Kunst war ein Mittelpunkt der von
Staatssekretär Franz Morak im November 2001 einberufenen
Kulturminister-Konferenz in Innsbruck. Zur Zeit ist ihre Schau
"(un)gemalt" in der Sammlung Essl zu sehen und im Herbst wird sie - noch
auf Einladung des ehemaligen Rektors Boris Groys - die Diplom-Ausstellung
der Akademie der bildenden Künste im Semperdepot erarbeiten.
"Das letzte Jahr war mein Österreich-Jahr", strahlt
Badovinac. An Zufälle ist bei einer solchen Häufung der Einladungen fast
nicht zu glauben. Hatte sie gute Verbindungen zur österreichischen
Politik? "Nach Innsbruck wurde ich von Peter Weibel eingeladen. Bis dahin
habe ich - zugegeben - den Namen Morak überhaupt noch nie gehört!" Doch
das Kennenlernen verlief erfolgreich, Morak machte Badovinac zur
Kommissärin für die Biennale in São Paolo. Sie wählte mutig die
anarchischen Netz-Jongleure "Monochrom".
"Ich bin wie ein Vampir. Ich habe hier alle Möglichkeiten
wahrgenommen und viel für mich selbst gelernt - ich war ein Gastarbeiter,
habe gelernt, was möglich war, um es in mein Land zu bringen". Doch was
waren die Erwartungen an die slowenische Kuratorin? Der "Blick von außen"?
"Mit diesem Wort habe ich Probleme. Sicher gibt es eine Distanz, aber man
lernt - allerdings durch einen Filter - viele Leute kennen. Ich würde
sagen, es ist ein anderer Blick - und meiner war sicher kein
unschuldiger."
Viermal war Badovinac Kommissärin für den slowenischen
Beitrag der Biennale in Venedig. Gab es einen Gewissenskonflikt bei ihrer
Arbeit für Österreich? "Sicher war das ein Problem. Aber vielleicht ist
das meine slawische Mentalität: Je komplizierter die Situation, desto mehr
Spaß macht es mir. Aber darin unterscheidet sich Österreich vielleicht gar
nicht so."
Emotionale Falle
"Wir alle denken, wir sind ja so international und stehen
über der Landeszugehörigkeit. Aber dann ging ich nach São Paolo und sehe
auch die slowenischen Präsentation - das war wie eine Falle: Wie weit kann
ich mich von meiner Identität emotional entfernen? Ich glaube, daß die
Kunst der letzten Jahre uns viel über die Grenzen zwischen Kunst und Leben
gelernt hat."
Mit ihrer Arbeit reagiert Badovinac immer auf die
vorgefundene Situation. "Bei Essl waren die Startpunkte: ein Museum, das
vor allem klassische Malerei beherbergt, es ist privat und es gibt einen
einzigen Sammler, der in Kunst investiert". Um die Abschlußpräsentation
einer Kunstuniversität zu analysieren, wird Badovinac mit den Studenten
der Wiener Akademie im Herbst eine "Parasiten"-Klasse gründen, die das
System unterwandern, "dekonstruieren" soll. "Aber ich bin eine freundliche
Person, ich mache das sehr nett, nicht aggressiv."
Als Spezialistin für österreichische Kunst will sich
Badovinac nach diesem Jahr aber nicht sehen. Doch wie sieht sie den
Unterschied zwischen der Kunst aus dem Osten und dem Westen? "Auch wenn
das System schon vor zehn Jahren kollabierte, gibt es immer noch zwei
Europas. In Laibach, wo wir noch die besten Bedingungen haben, konnte
bisher keine Infrastruktur aufgebaut werden. Wir haben nur zwei, drei
Galerien für zeitgenössische Kunst! Doch vor allem nimmt Osteuropa nicht
am westlichen Kunstmarkt teil."
Liegt das auch in der Qualität begründet? "Das Problem
ist, daß immer die typische osteuropäische Kunst gesucht wird. Da der
westliche Markt die Qualität definiert, wir aber außerhalb dieses Systems
stehen, wird uns auch keine zugestanden - bei der Documenta etwa sind
lediglich vier oder fünf Künstler aus dem Osten vertreten."
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