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17.07.2002 - Kultur News
Aus dem zweiten Europa: "Ich bin wie ein Vampir"
Zdenka Badovinac, Direktorin der Moderna Galerija in Laibach, hat 2002 zu ihrem "österreichischen Jahr" erkoren. Ein Gespräch über ihre Rolle als "Vampir" und "Gastarbeiterin".
VON ALMUTH SPIEGLER


Der Kellner stolpert, verschüttet fast den Kaffee auf das Kleid der hübschen brünetten Dame. Zdenka Badovinac schenkt ihm ein irritiertes Lächeln. Die 44jährige Slowenin sitzt gelassen im Sofa der Hotel-Lobby. Zu Gast in Wien, aber längst keine Fremde mehr. Innerhalb eines Jahres wurde die Direktorin der Moderna Galerija Ljubljana in Österreichs Kunstszene zu einem mächtigen Namen.

Im Frühjahr wählte sie Österreichs Beitrag zur Biennale in São Paolo aus, die Wanderausstellung ihrer Laibacher Sammlung zeitgenössischer osteuropäischer Kunst war ein Mittelpunkt der von Staatssekretär Franz Morak im November 2001 einberufenen Kulturminister-Konferenz in Innsbruck. Zur Zeit ist ihre Schau "(un)gemalt" in der Sammlung Essl zu sehen und im Herbst wird sie - noch auf Einladung des ehemaligen Rektors Boris Groys - die Diplom-Ausstellung der Akademie der bildenden Künste im Semperdepot erarbeiten.

"Das letzte Jahr war mein Österreich-Jahr", strahlt Badovinac. An Zufälle ist bei einer solchen Häufung der Einladungen fast nicht zu glauben. Hatte sie gute Verbindungen zur österreichischen Politik? "Nach Innsbruck wurde ich von Peter Weibel eingeladen. Bis dahin habe ich - zugegeben - den Namen Morak überhaupt noch nie gehört!" Doch das Kennenlernen verlief erfolgreich, Morak machte Badovinac zur Kommissärin für die Biennale in São Paolo. Sie wählte mutig die anarchischen Netz-Jongleure "Monochrom".

"Ich bin wie ein Vampir. Ich habe hier alle Möglichkeiten wahrgenommen und viel für mich selbst gelernt - ich war ein Gastarbeiter, habe gelernt, was möglich war, um es in mein Land zu bringen". Doch was waren die Erwartungen an die slowenische Kuratorin? Der "Blick von außen"? "Mit diesem Wort habe ich Probleme. Sicher gibt es eine Distanz, aber man lernt - allerdings durch einen Filter - viele Leute kennen. Ich würde sagen, es ist ein anderer Blick - und meiner war sicher kein unschuldiger."

Viermal war Badovinac Kommissärin für den slowenischen Beitrag der Biennale in Venedig. Gab es einen Gewissenskonflikt bei ihrer Arbeit für Österreich? "Sicher war das ein Problem. Aber vielleicht ist das meine slawische Mentalität: Je komplizierter die Situation, desto mehr Spaß macht es mir. Aber darin unterscheidet sich Österreich vielleicht gar nicht so."

Emotionale Falle

"Wir alle denken, wir sind ja so international und stehen über der Landeszugehörigkeit. Aber dann ging ich nach São Paolo und sehe auch die slowenischen Präsentation - das war wie eine Falle: Wie weit kann ich mich von meiner Identität emotional entfernen? Ich glaube, daß die Kunst der letzten Jahre uns viel über die Grenzen zwischen Kunst und Leben gelernt hat."

Mit ihrer Arbeit reagiert Badovinac immer auf die vorgefundene Situation. "Bei Essl waren die Startpunkte: ein Museum, das vor allem klassische Malerei beherbergt, es ist privat und es gibt einen einzigen Sammler, der in Kunst investiert". Um die Abschlußpräsentation einer Kunstuniversität zu analysieren, wird Badovinac mit den Studenten der Wiener Akademie im Herbst eine "Parasiten"-Klasse gründen, die das System unterwandern, "dekonstruieren" soll. "Aber ich bin eine freundliche Person, ich mache das sehr nett, nicht aggressiv."

Als Spezialistin für österreichische Kunst will sich Badovinac nach diesem Jahr aber nicht sehen. Doch wie sieht sie den Unterschied zwischen der Kunst aus dem Osten und dem Westen? "Auch wenn das System schon vor zehn Jahren kollabierte, gibt es immer noch zwei Europas. In Laibach, wo wir noch die besten Bedingungen haben, konnte bisher keine Infrastruktur aufgebaut werden. Wir haben nur zwei, drei Galerien für zeitgenössische Kunst! Doch vor allem nimmt Osteuropa nicht am westlichen Kunstmarkt teil."

Liegt das auch in der Qualität begründet? "Das Problem ist, daß immer die typische osteuropäische Kunst gesucht wird. Da der westliche Markt die Qualität definiert, wir aber außerhalb dieses Systems stehen, wird uns auch keine zugestanden - bei der Documenta etwa sind lediglich vier oder fünf Künstler aus dem Osten vertreten."



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