30.12.2002 19:26
"Graz 2003" kämpft mit Finanzproblemen
Die EU fördert die Kulturhauptstadt nur mit der Hälfte der erwarteten
Summe
Graz - Zuletzt waren der EU die Kulturhauptstadtjahre
jeweils eine Million Euro wert. Auch die Graz-2003-Macher rechneten fix mit
diesem Betrag. Doch just einen Tag vor Weihnachten - mit dem Eingangsstempel 23.
Dezember - gab Brüssel bekannt, sich das Grazer Programm nur 500.000 Euro kosten
lassen zu wollen. Schließlich hätten auch die anderen Städte nicht mehr Geld
bekommen. Denn 2000 und 2001 gab es je zwei Kulturhauptstädte, Rotterdam und
Porto beziehungsweise Brügge und Salamanca.
Für Eberhard Schrempf und
Manfred Gaulhofer, die beiden Geschäftsführer der
Graz-2003-Betriebsgesellschaft, ein herber Schlag. Und nicht der erste: Der Bund
steuerte statt der einst schriftlich zugesagten 18,17 Millionen Euro nur deren
14,53 bei, ein Handelsunternehmen, das sich mit rund 200.000 Euro beteiligen
wollte, zog sich ob wirtschaftlicher Probleme als Hauptsponsor zurück. Laut
Helmut Strobl, dem Exkulturstadtrat (VP), drohe daher ein Defizit.
Beziehungsweise, weil es sich um eine GmbH handelt, ein Verlust. "Wir haben
finanzielle Probleme. Wahrscheinlich müssen wir noch unter dem Jahr Projekte
kürzen."
Manfred Gaulhofer hingegen versucht zu beschwichtigen. Der
Wirtschaftsplan - er sieht allein für das Jahr 2003 ein "angespanntes Budget"
von rund 26 Millionen Euro vor - sei bereits nach unten revidiert und vom
Aufsichtsrat akzeptiert worden. Die vorgenommenen Kürzungen im Programm würden
nicht auffallen, es sei kein einziges Projekt gestrichen worden, auch die
Gespiegelte Stadt, eine Intervention von Klaus und Alexander Kada, werde
im vollen Umfang realisiert. Zudem sei man in der Schätzung der Einnahmen
"konservativ" vorgegangen. Einen Verlust werde man zu verhindern wissen, man
könne sich einen solchen auch gar nicht leisten. Schließlich haften er,
Gaulhofer, und Schrempf persönlich.
Laut Strobl drohe aber sehr wohl ein
Defizit, auch wenn sich seit der Veröffentlichung des zweibändigen
Programmbuches sehr viele Unternehmen gemeldet hätten, die als Sponsoren
einsteigen wollen. Er hofft daher auf ein paar weitere Millionen (Schilling) vom
Bund - beziehungsweise vom Kanzler: "Der Wolfi Schüssel haltet gewöhnlich sein
Wort."
In Graz herrscht zehn Tage vor der Eröffnung (9. bis 11. Jänner)
zwar ziemliche Hektik. Für Freude aber sorgte am Montag der Blick in den
Spiegel: Das Magazin brachte einen doppelseitigen, sehr positiven
Vorbericht über das Kulturstadt-Programm des "taktisch versierten
Gremien-Fuchses" Wolfgang Lorenz.
(DER STANDARD, Printausgabe,
31.12.2002/1.1.2003)