| Salzburger Nachrichten am 21. März 2003 - Bereich: kultur
Ziel ist die wahrhafte Form
Galerie Seywald: Blick auf das grafische Werk von Trude Engelsberger
Mit ihrer introvertierten Malweise hat Trude Engelsberger (1920 bis 1986) der naiven gegenständlichen Abbildung eine zweite Ebene untergeschoben. Auf diese Weise hat sie doppelbödige Idyllen inszeniert und zwiespältige Dimensionen beschworen. Die Galerie Seywald betreut den Nachlass der Salzburger Künstlerin und lenkt zum ersten Mal die Aufmerksamkeit auf das grafische Werk. Bisher kannte man vorwiegend die Ölbilder mit ihrem herben Kolorit und der sparsamen Figuration. Nun gibt es Gelegenheit, über die Zeichnung intimere Zugänge zum Werk zu finden; eine Begegnung, die sich (auch von den Preisen her) lohnt und die man sich nicht entgehen lassen sollte. Von rasch fixierten Notizen über durchgearbeitete Ideen bis zu Studien und Entwürfen für die Malerei erhält man Einblicke in die Arbeitsweise von Engelsberger. Auf diese Weise erschließt sich auch ihr künstlerischer Blick. Zu den bekannten Themen von Isolation und Einsamkeit (in vielen Ölbildern) gesellen sich heiter anmutende Szenen und poetische Landschaften aus dem Süden. Ponza war als Salzburger Malerkolonie (Muthspiel, Toledo, Breiter, Peiffer-Watenphul) eine wichtige Quelle der Inspiration. Neben Salzburg zählen Rom und Venedig zu ihren bevorzugten Motiven. Die grafischen Motive mit einer Fülle liebevoll formulierter Details sind präzise Beobachtungszeichen. Aus Feder, Bleistift und Pinselzeichnung wählt sie die passende Stimmlage und breitet sich im Erzählen aus. Wo (bei den Pastellen) Farbe ins Spiel kommt, wird sie bedächtiger, bündelt ihre Eindrücke in atmosphärischen Schilderungen. Die Essenz von allem schließlich, gewissermaßen als konzentriertes Destillat mit vollem Aroma, machen die klaren, einfachen Ölbilder aus. Diese Stadien des Reifungsprozesses kann man in der Ausstellung studieren. Das Einfache resultiert schließlich aus dem Ringen um die wahrhafte Form.
WOLFGANG RICHTER
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