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| 15.07.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Der Hütte das Dach wegblasen | ||
| VON JOHANNA HOFLEITNER | ||
| Das OK-Centrum Linz zeigt eine Personale des explosiven Bildhauers Roman Signer. | ||
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B Signer ist einfach Bildhauer, einer, der die Faktoren
Zeit und Ereignis mit einbezieht. Als solcher gibt der 67-Jährige, der
durch Teilnahmen an der Biennale Venedig, der "documenta 8" oder dem
"Skulpturenprojekt Münster" hinreichend geadelt ist und mit Ausstellungen
in Museen eher geizt, in Linz ein prächtiges Gastspiel. Die von
(Klassen-)Zimmerfluchten bestimmte Architektur des ehemaligen
Schulgebäudes aus den 30er Jahren spielt ihm dabei stimmig zu. Signer mischt in der Schau Installationen und hermetische
Einzelarbeiten und bittet gleich zum Einstieg in eine Art Ferienlager der
Skulpturen, in dem die Besucher sich austoben können. Noch statisch: das
Ensemble aus Plastik-Kajak und Regenfass, wobei Ersteres nicht nur
auseinander geschnitten, sondern auch noch mit Sand befüllt ist - auf dass
es nie und nimmer auf den Flüssen treiben wird. Ein verdächtiges Kabel
führt über den Boden zu einer Metallhütte. Der Trittschalter schreit
geradezu danach, betätigt zu werden, wodurch sich unvermutet Gebläse
einschalten, die das Hüttendach in die Luft zu jagen scheinen. Mitten im
Raum, vor einem schwarzen Hut auf einem Tisch, hängt eine weitere
Gebläsevorrichtung von der Decke. Schon keck geworden, lässt man sich
hinreißen, den Hut mit der Maschine anzublasen. Der Hut spielt mit - und
landet auf dem Boden. Dann plötzlich Stille. Hier ein Paar Langlaufski in
Aluminiumrinnen, die in ihrer Energetik an Joseph Beuys und seine
legendäre Installation "Nasse Wäsche" erinnern. Dort ein Sandsack,
aufgeschlitzt durch einen - in Ausstellungsrichtung - umgefallenen
Wegweiser. Was ist geschehen? Die fünfteilige Intrada ist wichtig. Mit ihr gibt Signer
die Rhythmik der Schau vor, tariert das Verhältnis zwischen Ereignis und
Geschehen, Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit aus, belegt Wertigkeiten
neu. Da zieht etwa ein Modellhubschrauber, der sich in einer Holzbox die
Flügel abstößt und daran elendiglich zu Grunde geht, das ganze Mitleid der
Zuschauer auf sich, als wär' er ein Tier. In einem Windkanal spielen
Lampione Fangen wie die Kinder. Im Kreis gewirbelte Telefonhörer flößen
Angst ein, sie könnten einen erschlagen. Auf einer Luftsäule tanzt ein
Küchentisch. - Und es wäre nicht Roman Signer, der einst durch Sprengungen
berühmt wurde, fehlte es in der Ausstellung an Einschusslöchern und
Feuerwerkskörpern. Fotoserien und Videos von anderen "Ereignissen" runden
die Personale ab. Wie bei den realen Skulpturen geht es darin um
Experimente, die bisweilen schrullig, immer aber eindrucksvoll um Fragen
von Macht, Gewalt, Energie kreisen. Samt den entsprechenden Emotionen.
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