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| 23.12.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||||
| Kunstlicht: Liebe Maler, malt mehr Blümchen! | ||||
| ALMUTH SPIEGLER | ||||
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D Sämtliche High-Edge-Messen zwischen Basel und Miami samt
ihren grassierenden parasitären Alternativmessen quellen derzeit über von
dieser grell-dunklen Malerei, von einsamen Wanderern, nackten Feen-Mädchen
mit Schmetterlingsflügeln, süßlichen Angorakätzchen, seltsamen
Zusammenkünften seltsamer Personen in seltsamen Umgebungen. Je vager und
verrätselter die Geschichten, die hier in Öl und Acryl konstruiert werden,
desto begehrenswerter scheinen sie zu werden. Wenn man jetzt von Kunstsammlern auf den Rest der
Menschheit schließen dürfte, müsste man ihr einen nachgerade märchenhaften
Eskapismus konstatieren. Nur ist dieser Rückschluss kein zulässiger.
Schließlich geht es hier, bedingt durch die verrückt-rasante
Preisentwicklung, auch verstärkt um Spekulationen. Trotzdem. Der Markt
kann als eine Art Zerrspiegel für den immer gültigen Sezessions-Spruch
("Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit.") benutzt werden. Und so
neigt heute eben auch abseits der Rekordpreis-Scheinwelt eine junge
Künstler-Generation zur Entpolitisierung, zum Unverfänglichen, zum
Gefälligen. Blättert man etwa durch die neue Sammelmappe "Malerei in
Österreich zu Beginn des 3. Jahrtausends", geht man zu
Studenten-Ausstellungen oder besucht in der Kremser Kunsthalle die
Ausstellung "Real" - überall findet man sie, die Schnappschuss-Malerei:
schnell fotografiert, schnell aus Lifestyle-Heften gerissen, schnell
abgepinselt. Technisch mal besser, mal schlechter. Egal. Es ist unendlich
langweilig. Ohne Inhalt. Ohne Utopie. Und ohne logischen Grund, warum
nicht gleich die Fotovorlage ausgestellt wird. Dagegen wirkt sogar die
ähnlich harmlose Neoromantik inspiriert. Sie entspringt immerhin zum Teil
der Fantasie und öffnet so andere, ungewohnte Dimensionen. Nur so könnte irgendwann wieder ein neuer Aufbruch in der
Kunst geschehen. Könnte ein Aufbegehren gegen das Etablierte überhaupt
erst wieder die Kraft und die Aufmerksamkeit bekommen, die es verdient.
Und gezielt Provokatives könnte so vielleicht auch wieder etwas
vorantreiben - und würde nicht mehr zum berechenbaren Party-Schreck
verniedlicht werden. Also, liebe Maler und Malerinnen, malt mir mehr Tauben,
Blümchen und Modefotos ab. Damit ich sie irgendwann in meinem Leben nicht
auch noch im Museum sehen muss.
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