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23.12.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung
Kunstlicht: Liebe Maler, malt mehr Blümchen!
ALMUTH SPIEGLER

D
ie "Wiederkunft von Pathos", die "Sehnsucht nach Schön heit", die "Neoromantik". Das wurde heuer in den Kunsthallen und am Kunstmarkt mit schier unglaublichen finanziellen Einsätzen gefeiert. Und frei nach dem Motto "work hard, party hard", wurde dem exzessiven Treiben von Hochglanz-Magazinen auch noch ganz triebhaft der nötige Groove unterlegt: "Fucking beautiful" wurde da getitelt oder erklärt, "Warum Kunst jetzt so sexy ist". Nach dem Fotografie-Boom der 90er war endlich wieder einmal ein neuer starker Trend gefunden, der Reich und Schön zum Hyperventilieren bringt.

Sämtliche High-Edge-Messen zwischen Basel und Miami samt ihren grassierenden parasitären Alternativmessen quellen derzeit über von dieser grell-dunklen Malerei, von einsamen Wanderern, nackten Feen-Mädchen mit Schmetterlingsflügeln, süßlichen Angorakätzchen, seltsamen Zusammenkünften seltsamer Personen in seltsamen Umgebungen. Je vager und verrätselter die Geschichten, die hier in Öl und Acryl konstruiert werden, desto begehrenswerter scheinen sie zu werden.

Wenn man jetzt von Kunstsammlern auf den Rest der Menschheit schließen dürfte, müsste man ihr einen nachgerade märchenhaften Eskapismus konstatieren. Nur ist dieser Rückschluss kein zulässiger. Schließlich geht es hier, bedingt durch die verrückt-rasante Preisentwicklung, auch verstärkt um Spekulationen. Trotzdem. Der Markt kann als eine Art Zerrspiegel für den immer gültigen Sezessions-Spruch ("Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit.") benutzt werden. Und so neigt heute eben auch abseits der Rekordpreis-Scheinwelt eine junge Künstler-Generation zur Entpolitisierung, zum Unverfänglichen, zum Gefälligen.

Blättert man etwa durch die neue Sammelmappe "Malerei in Österreich zu Beginn des 3. Jahrtausends", geht man zu Studenten-Ausstellungen oder besucht in der Kremser Kunsthalle die Ausstellung "Real" - überall findet man sie, die Schnappschuss-Malerei: schnell fotografiert, schnell aus Lifestyle-Heften gerissen, schnell abgepinselt. Technisch mal besser, mal schlechter. Egal. Es ist unendlich langweilig. Ohne Inhalt. Ohne Utopie. Und ohne logischen Grund, warum nicht gleich die Fotovorlage ausgestellt wird. Dagegen wirkt sogar die ähnlich harmlose Neoromantik inspiriert. Sie entspringt immerhin zum Teil der Fantasie und öffnet so andere, ungewohnte Dimensionen.

K
lingt bitter? Sollte es aber nicht. Fast wäre zu hoffen, dass sich diese konservative Tendenz hin zum Dekorativen noch verstärkt, ja, dass sie sich sogar durchsetzt in diesem vorherrschenden Alles-ist-möglich und Nichts-regt-mehr-auf der Post-Post-Post-Moderne.

Nur so könnte irgendwann wieder ein neuer Aufbruch in der Kunst geschehen. Könnte ein Aufbegehren gegen das Etablierte überhaupt erst wieder die Kraft und die Aufmerksamkeit bekommen, die es verdient. Und gezielt Provokatives könnte so vielleicht auch wieder etwas vorantreiben - und würde nicht mehr zum berechenbaren Party-Schreck verniedlicht werden.

Also, liebe Maler und Malerinnen, malt mir mehr Tauben, Blümchen und Modefotos ab. Damit ich sie irgendwann in meinem Leben nicht auch noch im Museum sehen muss.

almuth.spiegler@diepresse.com

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