12. April 2006

Glückliche Gesichter bei der zweiten Viennafair

Rundum glückliche Gesichter bei der zweiten Viennafair: Das Publikum schaut nicht nur, sondern es kauft auch.

Artikeltext: Besonders gefragt ist im Moment Gemaltes. Und je pastoser, großformatiger und opulenter, desto besser. Ein Berliner Galerist hatte bereits zwei Stunden vor der offiziellen Eröffnung der Viennafair am Mittwoch vier der fröhlich realistischen Riesenbilder des jungen deutschen Senkrechtstarters Norbert Bisky verkauft. Und auch beim Reither Galeristen Gottfried Schmidt stritten sich Interessenten fast um seine drei Damischs, genauso wie die zwei hyperrealistischen Malereien von Martin Schnur bereits am Vernissageabend verkauft waren.

Grund zum Nachdenken für den Wiener Galeristen Peter Lindner, der nicht viel davon hat, dass sein Stand von vielen Besuchern als sehr schön gelobt, aber nichts gekauft wird. Er ist einer der wenigen, die auf der Viennafair konkrete Kunst u.a. von Heinz Gappmayr, Antonio Calderara, Inge Dick und Franz Türtscher zeigen.

Ein Gang durch die dicht mit Kojen gefüllte Halle A der neuen Wiener Messe zeigt, dass in Sachen Kunst heute alles möglich ist. Auch wenn die Malerei boomt, ist viel klassisch Gezeichnetes zu sehen und auch die Fotografie ist nach wie vor in. Wenig zu finden ist dagegen Installatives und Medienkünstlerisches, was aber primär mit der schweren Verkäuflichkeit solcher Arbeiten zu tun haben mag.

Mit 106 Galerien, die die Arbeiten von rund 1000 Künstlern präsentieren, ist die Viennafair die größte Kunstmesse Österreichs. Um sich gegen die massive internationale Konkurrenz zu behaupten, setzt die erst im vergangenen Jahr gegründete Wiener Messe ganz auf die Öffnung zu den osteuropäischen Ländern.

Nicht nur viele der renommierten heimischen Galerien zeigen Künstler aus dem Osten, 25 Galerien aus Osteuropa - die Warschauer Galerie lokal_30 wurde am Mittwoch mit dem mit 5000 Euro dotierten Preis für die beste Standpräsentation ausgezeichnet - umschließen wie ein massiver Ring die Ausstellungslandschaft. Zwölf von ihnen wird von der Erste Bank, fünf von der Messe Wien die Standmiete gesponsert. Viel frischer Kunstwind weht aus dem Osten, die Lust zum Experiment, zu unkonventionellen Formen der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und sämtlichen Spielarten der Kunst ist für den Kunstfühligen da und dort aufspürbar.

Um sich im internationalen Reigen der Kunstmessen zu positionieren, wird sich die Viennafair aber noch anstrengen müssen. Einige der renommierten internationalen Galerien, die bei der Premiere im vergangenen Jahr mit dabei waren, sind heuer ferngeblieben. Geschlossen vertreten ist allerdings die Crème der österreichischen Szene. Sie zeigen größtenteils Querschnitte durch ihre Galerieprogramme, meist einen Mix aus großen Namen und Jungem. Einige setzen auf Personalen: etwa die Galerie Kargl, die sich an Franz Graf erinnert, oder die Galerie Meyer Krainer, die ihre Koje allein für die fabelhafte junge Südtirolerin Martina Steckholzer reserviert.

MessezentrumWienNeu, Messeplatz 1, Wien; bis 9. April, Freitag 12 bis 19 Uhr, Samstag 11 bis 19 Uhr, Sonntag 11 bis 18 Uhr <
Autor: Von E. Schlocker
Quelle: TT
 
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