Rundum glückliche Gesichter bei der zweiten
Viennafair: Das Publikum schaut nicht nur, sondern
es kauft auch.
Artikeltext: Besonders gefragt ist im Moment
Gemaltes. Und je pastoser, großformatiger und
opulenter, desto besser. Ein Berliner Galerist
hatte bereits zwei Stunden vor der offiziellen
Eröffnung der Viennafair am Mittwoch vier der
fröhlich realistischen Riesenbilder des jungen
deutschen Senkrechtstarters Norbert Bisky
verkauft. Und auch beim Reither Galeristen
Gottfried Schmidt stritten sich Interessenten fast
um seine drei Damischs, genauso wie die zwei
hyperrealistischen Malereien von Martin Schnur
bereits am Vernissageabend verkauft
waren.
Grund zum Nachdenken für den Wiener
Galeristen Peter Lindner, der nicht viel davon
hat, dass sein Stand von vielen Besuchern als sehr
schön gelobt, aber nichts gekauft wird. Er ist
einer der wenigen, die auf der Viennafair konkrete
Kunst u.a. von Heinz Gappmayr, Antonio Calderara,
Inge Dick und Franz Türtscher zeigen.
Ein
Gang durch die dicht mit Kojen gefüllte Halle A
der neuen Wiener Messe zeigt, dass in Sachen Kunst
heute alles möglich ist. Auch wenn die Malerei
boomt, ist viel klassisch Gezeichnetes zu sehen
und auch die Fotografie ist nach wie vor in. Wenig
zu finden ist dagegen Installatives und
Medienkünstlerisches, was aber primär mit der
schweren Verkäuflichkeit solcher Arbeiten zu tun
haben mag.
Mit 106 Galerien, die die
Arbeiten von rund 1000 Künstlern präsentieren, ist
die Viennafair die größte Kunstmesse Österreichs.
Um sich gegen die massive internationale
Konkurrenz zu behaupten, setzt die erst im
vergangenen Jahr gegründete Wiener Messe ganz auf
die Öffnung zu den osteuropäischen Ländern.
Nicht nur viele der renommierten
heimischen Galerien zeigen Künstler aus dem Osten,
25 Galerien aus Osteuropa - die Warschauer Galerie
lokal_30 wurde am Mittwoch mit dem mit 5000 Euro
dotierten Preis für die beste Standpräsentation
ausgezeichnet - umschließen wie ein massiver Ring
die Ausstellungslandschaft. Zwölf von ihnen wird
von der Erste Bank, fünf von der Messe Wien die
Standmiete gesponsert. Viel frischer Kunstwind
weht aus dem Osten, die Lust zum Experiment, zu
unkonventionellen Formen der Auseinandersetzung
mit der eigenen Vergangenheit und sämtlichen
Spielarten der Kunst ist für den Kunstfühligen da
und dort aufspürbar.
Um sich im
internationalen Reigen der Kunstmessen zu
positionieren, wird sich die Viennafair aber noch
anstrengen müssen. Einige der renommierten
internationalen Galerien, die bei der Premiere im
vergangenen Jahr mit dabei waren, sind heuer
ferngeblieben. Geschlossen vertreten ist
allerdings die Crème der österreichischen Szene.
Sie zeigen größtenteils Querschnitte durch ihre
Galerieprogramme, meist einen Mix aus großen Namen
und Jungem. Einige setzen auf Personalen: etwa die
Galerie Kargl, die sich an Franz Graf erinnert,
oder die Galerie Meyer Krainer, die ihre Koje
allein für die fabelhafte junge Südtirolerin
Martina Steckholzer
reserviert.
MessezentrumWienNeu, Messeplatz
1, Wien; bis 9. April, Freitag 12 bis 19 Uhr,
Samstag 11 bis 19 Uhr, Sonntag 11 bis 18 Uhr <
Autor: Von E.
Schlocker Quelle:
TT