Salzburger Nachrichten am 28. Juni 2006 - Bereich: Kultur
Ein Grenzgänger

Baukunst: Ausstellung über Josef Plecnik in Wien

Anne IsoppWien (SN). Wer Laibach besucht hat, wird sich an die Drei Brücken erinnern. Über das schmale Flüsschen Ljubljanica führen mitten in der Stadt nebeneinander drei Brücken über das Wasser: eine für den Autoverkehr, und einrahmend zwei schmälere für Fußgänger. Josef Plecnik (1882-1957), der Architekt der Drei Brücken, gab ihnen den Charakter von Plätzen über dem Fluss. Damit schuf er einen Bau, der bis heute Vorbildwirkung hat.

Josef Plecnik hat nicht nur seine Heimatstadt Laibach maßgeblich mitgestaltet, er hat auch Spuren in Prag und in Wien hinterlassen. Im Wiener Ringturm sind ab heute, Mittwoch, seine Werke zu sehen.

In Laibach bekam Plecnik nach seinem Architekturstudium in Wien die Möglichkeit, seine Geburtsstadt "aus ihrer Verschlafenheit zur Hauptstadt des slowenischen Volkes zu erheben", wie er es sich erträumt hatte. Als "Goldene Zeiten des Städtebaus" bezeichnet Kurator Damjan Prelovsek die Umstände, die Plecnik nach seiner Rückkehr in Laibach vorfand.

Wäre nicht Franz Ferdinand gewesen, hätte Plecnik die Stadtgestalt von Wien mitgeprägt. Drei Mal war er Erstgereihter für die Nachfolge von Otto Wagner. Doch hatte er mit einem seiner früheren Projekte das Missfallen des Thronfolgers auf sich gezogen: Franz Ferdinand hatte eines seiner Frühwerke, die Heilig-Geist-Kirche in Wien-Ottakring, als "eine Mischung aus Pferdestall und Basilika" bezeichnet.

Zu seinen Lebzeiten war Plecnik nie wirklich in Mode. Sein Werk war immer schwer zugänglich. "Während er den avantgardistischen Schulen in seiner Beharrung auf Traditionen als hoffnungslos veraltet erscheinen musste, blieb er den konservativen Strömungen als Nonkonformist, Abweichler und Eigenbrötler suspekt", schreibt Friedrich Achleitner in dem zur Ausstellung erschienenen Katalog.