Es blubbert. Es gurgelt. Es knattert. Es rauscht. Es offenbart sich in expressiv hingefetzten Kohlestrichen ebenso wie in sanften Lichtinseln, in ätherischen Farblawinen, in Trick- und anderen Filmen.
Hereinspaziert in eine Wunderkammer aus Bild und Ton, die das Linzer Kunstmuseum Lentos nun bis 10. Jänner zu ebener Erde und im ersten Stock anbietet. Sie ist der erste Teil des umfassenden „See This Sound“-Projekts, das für Linz09 in Zusammenarbeit mit dem Linzer Boltzmann-Institut Medien.Kunst.Geschichte erarbeitet wurde. Es gliedert sich dreigeteilt in die gestern Abend eröffnete Ausstellung, in den grandiosen Informationspool „Webarchiv“ (www.see-this-sound.at) und in ein hochkarätig besetztes Symposium (Start-Performance am 2. September, 19.30 Uhr, Lentos).
„Einer der ganz, ganz großen Brocken von Linz09“, ist 09-Intendant Martin Heller überzeugt: „Es ist auch die Chance, ein zentrales Thema der Stadt, die Ars Electronica, aufzunehmen.“
Und eingefleischte Fans dieses seit exakt dreißig Jahren von Linz in die Welt ausstrahlenden Festivals für Kunst, Technologie und Gesellschaft werden beim animierenden Spaziergang durch die in sich reich facettierte Wunderkammer sicher einige bereits bekannte Namen entdecken:
Laurie Anderson, John Cage, Einstürzende Neubauten, Peter Weibel, Peter Kubelka, La Monte Young, Nam June Paik, Derek Jarman, Granular Synthesis, um nur einige aus dem reichhaltigen Kunstpool der aktuellen Präsentation hier im Lentos herauszugreifen.
Kuratorin Cosima Rainer hat die vielschichtige Schau ausgehend von historischen Backflashes in die 1920er Jahre anhand exzellenter Beispiele (Hans Richter, Viking Eggeling) spannungsreich aufgebaut. Wesentliche Eckpfeiler (Cage, Paik) dieser vielen Duette von Bild und Ton fehlen dabei ebenso wenig wie neuere Kuriosa (etwa Gottfried Bechtolds „Medienkoffer“).
Hervorragend gelöst wurde auch die Problematik der zumeist unbefriedigenden akustischen Gegebenheiten in Museen: Ausstellungsarchitektin Nicole David hat mit ihren in die Ausstellungsräume gesetzten hohen Kammern und fließenden Wällen aus Vorhängen mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen.
Kino-Landschaft
Sie schuf hier sowohl eine extravagante Kino- und Installationslandschaft als auch perfekt abgeschottete Klanginseln, subtile Geräusch-Nischen, großzügige Bildwerk-Präsentationsflächen. Diverse Sitzmöglichkeiten inklusive.
Labor-Situationen reihen sich an kühle Designs, an anarchische Installationen. Als besonders lustvolles Beispiel steht für mich der „zgodlocator“ des Tiroler Paik-Preisträgers Herwig Weiser: ein selbstgebauter Klanggenerator aus teilweise kleinst geshreddertem Computerschrott. Späne aus Leiterplatten formieren sich zur vibrierenden Wüstenlandschaft, die auf den Sound reagiert, der wiederum auf die Bewegung reagiert: ein wildgewordener Tanz ausgeflippter, psychopathischer Seeigel.
Da werden die Augen Ohren und die Ohren Augen machen.