Die Liste der Vorwürfe gegen Kunsthallen-Direktor Gerald Matt ist lang: Sie reicht von zu Unrecht bezahlten und nur unter eigenem Namen veröffentlichten Nebentätigkeiten, zu hohen Reisespesen, frisierten Besucherzahlen und dem Ansinnen, für potenzielle Sponsoren eine Staatsbürgerschaft zu erwirken. Grüne und in der Folge ÖVP brachten Anzeigen gegen Matt ein. Auf Antrag der Wiener Rathausparteien ermittelt das Kontrollamt. Nun hat der Museumsdirektor in mehreren Medien erstmals ausführlich Stellung zu den Anschuldigungen bezogen.
"Die Anzeige ist unberechtigt", sagte Matt im Ö1-Morgenjournal. Er selbst habe den Grünen Kultursprecher Wolfgang Zinggl Zinggl wegen Verleumdung angezeigt. Ob er das in seinem Dienstvertrag erlaubte Maß an Nebentätigkeiten für angemessen halte, will er nicht eindeutig beantworten: "Das ist eine Frage, die Sie an meinen Vorstand richten müssen."
Zinggl soll "vor eigener Haustüre klären"
Gegenüber den "Vorarlberger Nachrichten" verweist Matt auf die beiden Untersuchungsergebnisse einer von der Kunsthalle beauftragten Wirtschaftskanzlei, die alle Vorwürfe für nichtig erklärt: "Wir haben die Prüfungsergebnisse einer unabhängigen Kanzlei, die ich vorher gar nicht kannte, vorliegen. Die Vorwürfe sind eindeutig unhaltbar. Wir haben uns korrekt verhalten." Matt attackiert seinen Kritiker von den Grünen: "Wenn Zinggl Nebentätigkeiten kritisiert, dann muss er vor der eigenen Haustüre kehren, er ist Vorsitzender des Mumok, des Museums moderner Kunst, und duldet dort die Nebentätigkeit von Direktoren."
Gegen eine Einzahlung von je 1,4 Millionen Euro in eine Kunsthalle Wien Privatstiftung soll Matt versucht haben, für vier Ausländer Staatsbürgerschaften zu erwirken. Der Fall sei anders gelagert als ähnliche Vorwürfe gegen FPK-Chef Uwe Scheuch, meint Matt in einem "Standard"-Interview: "Der Unterschied ist klar: Bei mir - und anderen Kollegen aus dem Kunstbereich, die das Gleiche versucht haben - handelt es sich nicht um Politiker. Die können entscheiden."
Schlechtes Betriebsklima? "Neid"
Die vom entlassenen Kunsthallen-Kurator Thomas Mießgang erhobenen Anschuldigungen bezüglich eines schlechten Betriebsklimas weist Matt ebenfalls von sich. Er betont die "hohe Mitarbeiterkontinuität" seines Hauses. In diesem Zusammenhang sei auch falsch, dass er für von ihm kuratierte Projekte selbst nur wenig geleistet habe: "Da ist viel Neid im Spiel; je mehr man macht - und viele der Ausstellungen sind ja sehr erfolgreich -, umso mehr wird man kritisiert."
Ebenso könne er die Vorhaltungen bezüglich seiner angeblich zu ausgiebigen Reisetätigkeit nicht stehenlassen: "Die Kunsthalle ist kein Heimatmuseum, sondern ein Haus für internationale zeitgenössische Kunst."
Allgemein müsse er zu den Vorgängen sagen: "Ich glaube, hier wird ein Stellvertreterkrieg geführt: Freiheit der Kunst versus Politisierung; das Außergewöhnliche und Individuelle versus basisdemokratische Vorstellungen und sozialpolitische Auflagen; Pluralismus versus besserwisserische Kunstbegriffe." Es gelte jedenfalls der Satz, so Matt im Morgenjournal: "Zeitgenössische Kunst an sich ist eine Herausforderung - damit ist, glaube ich, alles gesagt."
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