Für Walter Smerling ist gestern, Samstag, gleichsam ein Traum in Erfüllung gegangen: Der deutsche Kunstexperte hat in Salzburg über zehn Jahre für die Salzburg Foundation einen Skulpturenpark entstehen lassen. Die letzten Werke – Arbeiten von Brigitte Kowanz, Manfred Wakolbinger und Erwin Wurm – wurden am Samstag enthüllt. Es ist also vollbracht.
Zum Abschied des auf zehn Jahre angelegten Kunstprojektes mutet
Smerling den Salzburgern, die auf die Kunstwerke im öffentlichen Raum
teils begeistert, teils wütend reagiert haben, noch einmal einiges zu:
Im Festspielbezirk trifft man neuerdings auf Erwin Wurms grüne Gurken
in Menschengröße. „Weg mit dem Krempel“, lautet die reflexartige
Reaktion aus dem Gemeinderatsklub der FPÖ auf die Skulpturen.
Bewohner wurden offener.
„Niemand hat gedacht, dass das wirklich zehn Jahre geht“, erzählt
Smerling, künstlerischer Leiter der Salzburg Foundation und Gründer der
Stiftung für Kunst und Kultur in Bonn, im Gespräch mit der „Presse“
nicht ohne Stolz. Es gebe in keiner anderen Stadt ein vergleichbares
Projekt, bei dem so kontinuierlich und ausschließlich mit privaten
Mitteln Kunst im öffentlichen Raum entstanden sei: ein über die
Innenstadt verteilter Parcours zu Werken von den Größen der
internationalen Kunstszene. Der Museumsmacher lobt die Zusammenarbeit
mit der Verwaltung der Stadt Salzburg. Trotz aller Kontroversen über
die Projekte selbst und auch deren Standorte habe es immer eine
konstruktive Zusammenarbeit gegeben, sagt er.
Vor zehn Jahren war Kunst im öffentlichen Raum in der Stadt Salzburg kein Thema. Heute gibt es mit dem „Walk of Modern Art“ sogar einen beliebten Stadtrundgang zu den Kunstwerken, der internationale Gäste anlockt. „Die Haltung der Salzburger gegenüber moderner Kunst ist in den zehn Jahren offener geworden“, konstatiert Smerling. Und auch die Salzburg Foundation hat dazugelernt. Sie lässt die Kunstwerke nicht mehr einfach so ohne Kommentar in der Stadt landen, sondern setzt auf Dialog und bietet Führungen an.
Zu den heftigsten Aufregern der Kunstreihe gehörte der Kiefer-Pavillon. Der 2002 von Anselm Kiefer geschaffene Kubus im Furtwänglerpark störte ob seiner Dimensionen die Hüter des barocken Stadtbilds ebenso sehr wie die Goldene Kugel von Stephan Balkenhol, die 2007 samt einer männlichen Figur in weißem Hemd und schwarzer Hose auf dem Kapitelplatz aufgestellt wurde.
Der kürzlich verstorbene als „Pornojäger“ bekannte Martin Humer – damals immerhin schon 80 Jahre alt – ärgerte sich über die Mozartfigur von Markus Lüpertz auf dem Ursulinenplatz so sehr, dass er die Statue mit rot-grünem Lack beschmierte und mit weißen Daunenfedern zum „Papageno“ umgestaltete. Er hatte in der nackten Mozartfigur Pornografie gesehen.
Nach anhaltenden Protesten gegen den Standort des Kiefer-Pavillons wurde das Bauwerk bei der Neugestaltung des Parks übrigens um 50 Meter versetzt. „Dass ich dem damals zugestimmt habe, ärgert mich heute noch“, erzählt Smerling. Damals sei er zu kompromissbereit gewesen. Der Standort war nämlich von Anselm Kiefer aufgrund von Sichtachsen zum Salzburger Festspielhaus exakt gewählt worden.
Auch wenn er sich manchmal über eine Welle der Ablehnung und herabwürdigende Leserbriefe in Zeitungen geärgert habe, ans Aufgeben des Kunstprojektes habe er keine Sekunde gedacht, sagte der Deutsche. Die Auseinandersetzung mit Kunst im öffentlichen Raum gehöre dazu. Heute gebe es viele positive Reaktionen auf die einst umstrittenen Kunstwerke. Die riesige Skulptur von Tony Cragg aus dem Jahr 2008 für den Makartplatz werde heute beispielsweise als Bereicherung für den Platz empfunden.
Die Gurken werden in den nächsten Wochen jedenfalls noch ein wenig für Aufregung unter den (selbsternannten) Altstadtschützern sorgen, bevor sie wohl – wie die Balkenhol-Kugel– zu einem der meistfotografierten Motive in Salzburg aufsteigen dürften.
Millionenwert. Auf zehn Jahre war das Kunstprojekt der Salzburg Foundation angelegt.
Es wurde von Sponsoren wie Reinhold Würth und Erich Schumann sowie der Credit Suisse finanziert. Geht alles nach Plan, dann wird die Stadt Salzburg die Kunstwerke als Geschenk von der Salzburg Foundation übernehmen und für die Erhaltung der Skulpturen an den jeweiligen Standorten aufkommen. Als Marktwert für die Kunstwerke schätzt Smerling „einen unteren zweistelligen Millionenbetrag“.
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