DER ONLINE DIENST DER TIROLER TAGESZEITUNG
http://www.tirol.com/
Erich Sokol - Gab dem ORF Gesicht und "Auge"

Dem ORF hat Erich Sokol lange Zeit als Chef-Grafiker und Art-Director sein Gesicht gegeben, noch heute ist das von ihm entworfene ORF-"Auge" in Verwendung.

Wien (APA) - International reüssierte der Karikaturist mit Veröffentlichungen in Magazinen und Zeitungen wie dem "Playboy", dem "Harper's Magazine", der "Süddeutschen Zeitung" und dem "Sunday Telegraph". In der Nacht auf heute, Donnerstag, ist Sokol, der seine Kunst einmal als "Kampfsportart" bezeichnete, in seinem Haus in Mödling im Alter von 69 Jahren gestorben.

Sokol wurde am 31. März 1933 in Wien geboren. Nach der Matura studierte er zunächst an der Hochschule für Welthandel, bevor er von 1957 bis 1960 das Institute of Design in Chicago besuchte. Bereits zu dieser Zeit begann Sokol als Karikaturist und Illustrator bei diversen in- und ausländischen Zeitungen und Magazinen zu arbeiten. Seine in den Anfängen vor allem die Tagespolitik karikierenden Zeichnungen erschienen unter anderem in der "Arbeiter-Zeitung", dem "Lyons's Magazin" und der britischen Zeitschrift "Punch".

Durch seine Mitarbeit am "Playboy" und Veröffentlichungen in "Harper's Magazine" und dem "Sunday Telegraph" erreichte der Wiener bald internationale Bekanntheit. Im Jahr 1960 wurde Sokol als "editorial cartoonist" bei der "AZ" eingestellt, von der er 1967 zum ORF wechselte, wo er zunächst als Chefgrafiker und später als Art-Director für den gesamten Design-Bereich verantwortlich zeichnete. In dieser Funktion blieb er bis zu seiner Pensionierung am 31. März 1993. Nebenbei gestaltete Sokol Titelseiten für die Theaterzeitschrift "Bühne" und die "Neue Kronen Zeitung", arbeitete für "trend" und "profil" und entwarf das Cover für die Schallplattenaufnahme der literarischen Satire "Der Herr Karl" von Helmut Qualtinger und Carl Merz. Auch das Logo von Do&Co stammt aus der Feder von Sokol.

Neben der großen Anzahl von politischen Illustrationen widmete sich der Künstler in den 90er Jahren vermehrt seiner "satirischen Porträtgalerie", in der sich historische Persönlichkeiten und Zeitgenossen, Politiker und Künstler, Dichter und Maler, Schauspieler und Intendanten wiederfinden.

Für sein künstlerisches Schaffen wurde Erich Sokol im Laufe der Jahre unter anderem mit dem Nestroy-Ring, dem Preis der "Artist's Guild of Chicago", dem Preis der Stadt Wien für angewandte Kunst, dem Ehrenzeichen der Stadt Wien in Gold und dem Gulbransson-Preis ausgezeichnet. Zuletzt legte er im November des Vorjahres den Bildband "Fern-Sehen. Karikaturen" vor, in dem er die Geschichte des ORF und seiner Protagonisten von Gerd Bacher über Helmut Zilk und Heinz Conrads bis zu Ingrid Thurnher im wahrsten Sinne des Wortes nachzeichnete. Bei der Präsentation des Buchs bezeichnete er seine Arbeit als "kreativen Kreuzzug. Ich bin mehr als ein Vierteljahrhundert im ORF gewesen und kann nicht von mir behaupten, auch nur einen einzigen Tag gearbeitet zu haben".
2003-02-20 13:38:56