| Alter Meister wiederentdeckt | |
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Eine Reise durch die El-Greco-Ausstellung in Wien.
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Es ist die erste monografische
Ausstellung der Werke El Grecos, die in Mitteleuropa dieser herausragenden
Malerpersönlichkeit gewidmet ist und die erste im deutschsprachigen Raum.
Das ist bemerkenswert für einen "Alten Meister", der, gemessen an der Zahl
seiner Ausstellungen und dem Rang der Institutionen, die ihn
präsentierten, in den letzten zwei Jahrzehnten eindeutig in Führung
liegt.
Ein banaler Grund für dieses Versäumnis, das nun im KHM nachgeholt wird, liegt
darin, dass die Ausstellungspolitik der Museen meist dahin tendierte, die
eigenen Bestände zu erhellen, und da finden sich im mitteleuropäischen
Raum - mit Ausnahme von Budapest - keine Schlüsselwerke des Meisters. Das KHM besitzt überhaupt keinen El Greco, wie Thomas Bernhard in
seinem Prosawerk "Alte Meister" (Zitat: "Das Kunsthistorische Museum hat
nicht einmal einen Goya, nicht einmal einen Greco hat es.") geätzt hat.
Bernhards Spitze ist nun im Vorfeld der Ausstellung schon zum Pflichtzitat
für alle Artikel und für die Katalogbeiträge geworden. Keine Hofmaler-Ehren Die Hoffnung des griechischen Ikonenmalers, - der mit 27 Jahren (1568)
nach Venedig ging, wo er von Tizian und Tintoretto geprägt wurde, dann ab
1730 in Rom von den Künstlern der römischen Hochrenaissance, allen voran
Michelangelo, beeinflusst wurde, - in Spanien Hofmaler Philipps II. zu
werden, erfüllte sich nicht. Philipp II. lehnte diesen Maler ab, dessen
Rezeption sich stets zwischen leidenschaftlicher Bewunderung und heftiger
Ablehnung bewegte. Im 18. Jahrhundert wurde seine eigenwillige Malweise, sein
individueller Stil mit der übernatürlichen Längung der Personen, der
Auflösung des Pinselstrichs gar als Ausdruck vermeintlichen Wahnsinns
interpretiert und erst nach Jahrhunderten der Vergessenheit wurde er in
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Malern wie Delacroix, Millett
und Manet wiederentdeckt und dann von den spanischen Symbolisten als
Vorläufer von Velazquez (der hatte bei seinem Tod drei El Grecos im
Atelier) gefeiert und als Vorläufer des modernen Expressionismus
gerühmt. Wirkstätte Toledo
In der alten Hauptstadt Toledo jedoch konnte sich der Grieche als
führender Maler etablieren und damit auch in Spanien der Malerei (sie
zählte bis dahin zum niederen Handwerk) den Rang einer freien Kunst, wie
sie der Poesie zukam und wie ihn die Künstler in Italien bereits erobert
hatten, verschaffen. 1589 wurde er Bürger der Stadt Toledo, ein
wohlhabender Mann, der ein großes Haus führte, in dem sich die
intellektuelle Elite traf. Er fertigte viele Altarbilder für die Kirchen
Toledos und mit zunehmendem Ruhm auch außerhalb der Stadt an. Als Architekt, Bildhauer und Maler produzierte El Greco kostbare
Altarausstattungen; Gesamtkunstwerke, von denen heute die meisten zerstört
sind, während deren Bildtafeln über die ganze Welt verstreut sind. Am
7.4.1614 starb El Greco in Toledo, wo er in der Kirche Santo Domingo el
Antiguo begraben wurde. Milliarden-Versicherung Eine umfassende Retrospektive ist heute kaum mehr möglich. Für die
Wiener Ausstellung wurde eine gezielte Wahl von rund 40 Meisterwerken
getroffen, mit der die Entwicklung El Grecos vom Ikonenmaler über seine
Ausbildung in Venedig und Rom bis zu seiner Etablierung in Spanien, wo er
seinen spezifischen Stil herausbildete und perfektionierte,
nachvollziehbar gemacht werden soll. Eine "mengenmäßig" kleinere Schau also, die allerdings sechs Milliarden
Schilling Versicherungswert repräsentiert. Die Leihgaben stammen aus den
renommiertesten Sammlungen, allen voran das Museo Nacional del Prado
(mit dem gemeinsam die Idee zu der vom spanischen Kulturministerium
unterstützten Ausstellung geboren wurde), die Sammlung Thyssen-Bornemisza oder die Case de Alba Madrid, das Museo de El
Greco Toledo, das J.-Paul-Getty-Museum Los Angeles, die National Gallery
London oder das Museum der schönen Künste Budapest.
Aus dem Museo di Capodimonte Neapel ist der viel kopierte "Knabe, der
eine Kerze entzündet" angereist. Das Metropolitan Museum New York stellte das Porträt eines
älteren Mannes zur Verfügung, das als Selbstporträt gilt, sowie das
einzige Landschaftsbild El Grecos, eine Ansicht von Toledo. Gewählt wurden nur eigenhändige Gemälde des Meisters, der in seiner
Wahlheimat Toledo eine rege, später von seinem natürlichen Sohn gemanagte,
Kunstwerkstatt betrieben hat. Laokoon Einen "genialen Lichtregisseur des religiösen Theaters" nennt
Ausstellungskuratorin Sylvia Ferino den Künstler. Der Höhepunkt der
Ausstellung und ein Höhepunkt der theatralischen Inszenierungen ist jedoch
ein profanes Werk, der Laokoon. Das um 1610/14 entstandene Bild ist die einzige
erhaltene mythologische Darstellung El Grecos und gilt als künstlerisches
Vermächtnis des Meisters, das nach seinem Tod in seiner Werkstatt
verblieben war - als eine von drei Versionen, von denen jedoch nur dieses
Bild erhalten ist. Es befindet sich nun in Besitz der National Gallery
Washington.
Das Bild - es zeigt einen trojanischen Priester und seine Söhne, denen
Poseidon die Schlangen an den Hals geschickt hat - war zwischen 1910 und
1913 in München ausgestellt, ein Umstand, der El Greco zu einem
vorbildhaften Maler des deutschen Expressionismus gemacht hat. Die Ausstellung will auch neue Ergebnisse der El-Greco-Forschung ins
Blickfeld rücken, der intensive Studien unter Zuhilfenahme neuester
naturwissenschaftlich-technischer Untersuchungsmethoden zu Grunde gelegt
werden. Tipp "El Greco (1541-
1614)". Sonderausstellung des Kunsthistorischen Museums vom 4. Mai bis 2.
September. Täglich 10.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag bis 22.00 Uhr geöffnet.
Eintrittspreis ATS 120,- / Euro 8,72 (für Museum, Sonderausstellung und
Audioguide). Katalog ca. 240 Seiten mit über 100 Abbildungen ATS 490,- /
Euro 35,61. Und "El Grecos Geheimnis" können Sie als 4-teilige Sendereihe im Ö1-Radiokolleg vom 7. - 10.5. jeweils um 9.30 Uhr hören | ||||||||||