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| 29.10.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Kritik Ausstellung: Begegnung im Hasenfell | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Entdeckungsreise ohne Risiko: Kunst aus den zehn neuen EU-Ländern macht im Wiener Künstlerhaus Station. | ||
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Nach dem grassierenden Balkan-Fever im vergangenen Jahr wur den heuer
in Europas Kulturzentren die zehn neuen EU-Länder kulturell abgefeiert.
Die Schweizer Pro Helvetia setzte sofort einen derartigen Schwerpunkt, in
Leipzig wird von 9. bis 14. November die Theaterszene der "Neuen" bei
"euro-scene" vorgestellt und die österreichische Bundesregierung setzte
etwas unglücklich auf Beitritts-Kunst am Bahnhof. Es war eine denkwürdige erste Begegnung am Wiener Ostbahnhof, am Abstellgleis, in einem ausrangierten Wagon. Hier prangten Ivan Kafkas mit Künstler-Odem gefüllte "Böhmische Tüten" noch in den tschechischen Nationalfarben. Im Wiener Künstlerhaus darf man die "Tüten" endlich Plastiksackerln nennen - sie reihen sich, lustig lasch aufgeblasen, zum rotweißroten Flaggen-Muster. Flexible Konzeptkunst eines Prager Konzeptmeisters. Versatzstück einer neuen Version der Dutzenden Beitritts-Ausstellungen, diesmal unter dem durchsichtigen Decknamen "The new Ten". Eine der üblichen wilden Mischungen von Ländern,
Kunstrichtungen, von jung und arriviert, aber immerhin, bis auf zwei
Malerei-Ausrutscher, ästhetisch fast durchwegs genießbar, ja sogar richtig
zu genießen. Schließlich stehen für diese Wanderausstellung in Kooperation
mit der Kunsthalle Mannheim, dem Museum Küppersmühle und dem
Moderne-Museum Oostende auch ganze drei Kuratoren gerade: der in Wien
wohlbekannte Ex-Mumok-Chef Lóránd Hegyi, Evelyn Weiss, einst
Stellvertretende Direktorin der Sammlung Ludwig Köln und die Leiterin des
Soros-Centers in Vilnius, Raminta Jurenaite. 20 Künstler hat dieses Trio
aus zehn Ländern ausgewählt, wobei jeder, der hier auf spezifisch
regionale oder traditionelle Wurzeln hofft, enttäuscht werden wird.
Derartiges scheint heute endgültig ins Reich der Folklore verbannt oder
wird gerade noch vom ostdeutschen Maler Neo Rauch kalkuliert eingesetzt.
Die Strategien von international arbeitenden Künstlern müssen
international eben auch lesbar sein. Und vielleicht wird gerade in den
geografischen Randgebieten der Kunstwelt besonders darauf geachtet.
So könnten die statischen Partygesellschaften der
ungarischen Malerin Ágnes Szépfalvi in Pest wie in Manhattan tagen, die
überdimensionalen Plastik-Schlaf-Taschen mit aufgeklebten Fliegen von
Katerina Vincourová in Prag wie auf der Art Basel abgestellt werden. Und
auf die geniale pseudo-wissenschaftliche Idee, Pflanzen mit Menschen
symbiotisch verschmelzen zu lassen, hätte der Ungar Antal Lakner auch in
Tokio kommen können. Also lassen wir die Nationalitäten beiseite - und das
werden in Zukunft hoffentlich auch wieder die Ausstellungsmacher tun. Sie
sollten ihre Wahrnehmung endlich im Allgemeinen erweitern, nicht nur für
spezifische Veranstaltungen. Die estnische Videokünstlerin Ene-Liis Semper mischt
sowieso schon im internationalen Kunstbetrieb mit. Ihr wundervolles,
tragikkomisches Video ist Höhepunkt der Ausstellung: Im drolligen
Hasenkostüm strampelnd, um sich schlagend, schatten-kämpfend und
resignierend, verarbeitet sie die Kränkung durch ihren Mann, der ihr
gerade den Ehebruch gebeichtet hat. Bis 2. Jänner, Di.-So. 10-18 h, Do. 10-21 h. |
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