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| 15.07.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Die verwunschene Welt hinter Carmens hohlen Windmühlen | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Bildhauer Karl Prantl kämpft sanft um die Erhaltung der Skulpturenlandschaft am Plateau über dem Steinbruch St. Margarethen. | ||
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Die Umfrage, die Katharina Prantl bei einem Heurigen im
burgenländischen St. Margarethen startete, ging überraschend tragikomisch
aus: "Von wem stammen denn die Skulpturen auf dem Plateau hinter dem
Steinbruch?", fragte die Tochter von Bildhauer Karl Prantl. "Na, von den
Römern", lautete die Antwort. In diesem Fall wären sie ihrer Zeit doch
etwas sehr weit voraus gewesen. Historisch bedeutend aber ist das mehrere
Hektar große Gebiet allemal. Ein Freiluftmuseum der abstrakten Bildhauerei
wittert hier verwunschen vor sich hin. Die rund 60 Steinskulpturen sind
die monumentalen Relikte des internationalen Künstlersymposiums, das Karl
Prantl hier zwischen 1959 und 1977 organisierte. Eine Initiative, die
Bildhauer aus dem damaligen Ostblock, aus den USA und Japan nach
Österreich brachte. Übrig blieb eine einzigartige Skulpturen-Landschaft,
die laut Prantls Verein "Symposion Europäischer Bildhauer" jährlich
100.000 Besucher anzieht. Dass diese nicht unbedingt wissen, worauf sie ihre
Kletterkünste ausprobieren, beziehungsweise über wessen Werk sie staunen,
ist Teil einer bedauerlichen Geschichte, die nun um ein offenes Ende
reicher geworden ist. Dem Verein fehlt notorisch das Geld, um seine
Schützlinge wenigstens durch ausreichende Information - Beschriftungen
wären dringend nötig - schützen zu können, wie auch die Gewissheit, dass
der Grundbesitzer, die Esterhazy-Privatstiftung, den Pachtvertrag nicht
kündigt. Zuletzt gab es immer nur Verlängerungen um ein Jahr. Um diesmal ein deutlicheres Protest-Zeichen zu setzen, ließ der Verein heuer zu Beginn der benachbarten Opernfestspiele einen Teil der Skulpturen mit schwarzer Folie verhüllen. Eine Aktion, die Erfolg zu haben scheint. Schon im Vorfeld, berichtet der Geschäftsführer des Vereins, Armin Ziegler, erhielt er eine mündliche Zusage der Esterhazy-Stiftung, dass sie wieder an einem längerfristigen Pachtvertrag interessiert wären. Ein grundlegender Schritt, damit die Finanzierung von Beschriftung und Restaurierung der Skulpturen sowie die Adaptierung des von Johannes Gsteu gebauten Bildhauer-Hauses als Info-Zentrum und Vereinssitz in Angriff genommen werden kann. Um 240.000 € Förderung hat man dafür wieder beim Land Burgenland, das dem Verein als einziger Subventionsgeber jährlich 5900 € zuschießt, angesucht. Einen Tag nach Beginn der Verhüllungsaktion gab es auch bereits ein Gespräch, erfährt die "Presse" aus dem Büro des Kulturreferenten Helmut Bieler. Die gesamte Summe sei für das Budget zwar nicht tragbar, es wurde aber vorgeschlagen, einen Maßnahmenkatalog zu erstellen und das nötige Zusatzgeld auf mehrere Jahre aufzuteilen. In einem Punkt scheinen sich jedenfalls alle einig: Die Skulpturenlandschaft soll weiterhin öffentlich zugänglich bleiben. Dafür muss die Öffentlichkeit aber auch in die Pflicht genommen werden. Sonst, so Katharina Prantl, habe man schon die ersten vier Skulpturen ausgewählt, die versteigert werden müssen. Man hofft auch auf den Bund, der 2004 zumindest die Publikation "Gehen über den Hügel von St. Margarethen von Stein zu Stein" (Passagen Verlag) förderte - dem prompt der Staatspreis des "Schönsten Buches des Jahres" zuerkannt wurde. |
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