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| 23.12.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Türkische Uniformen für Linz | ||
| VON SABINE B. VOGEL | ||
| Ausstellung. Die junge türkische Künstlerin Esra Ersen im "OK Centrum". | ||
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W "Brothers & Sisters" ist eines von sieben Videos, die Esra Ersen in ihrer großartigen Ausstellung im OK Centrum in Linz präsentiert. Ersen, die 1970 in Ankara geboren wurde und heute in Istanbul lebt, wählte für vier Videos Istanbul als Schauplatz. In Linz sind diese jetzt in der kongenialen Ausstellungsarchitektur Peter Sommerauers räumlich gebündelt. Der Linzer entwarf eine Holzkonstruktion, die verschieden große Boxen ineinander verschachtelt - so entstehen intime Situationen, in denen wir etwa in "Hello, where is it?" wie Mitfahrer auf der Rückbank Gesprächen während einer Autofahrt zuhören können. Es sind Fahrten über Istanbuls Bosporus-Brücke, die Asien und Europa verbindet - ein überzeugendes Sinnbild für Ersens zentrale Thematik rund um kulturelle Unterschiede, um Immigration, um Versuche, sich wieder oder endlich in die Gesellschaft einzugliedern. Dazu greift Ersen konkrete Situationen auf, in dem wohl
eindringlichsten Video "This is Disney World" etwa eine Gruppe von
Straßenkindern in Istanbul. Die Kleinen erzählen von ihrem Rausschmiss
zuhause, von ihren Träumen, von ihrem Leben - dabei immer wieder an ihren
mit Lösungsmitteln getränkten Lappen schnüffelnd. Irgendwann antworten die
Kinder auf die Frage, was sie einmal werden wollen: Arzt, Lehrer, Friseur,
aber auch Mafia - eine derartig intensive Sequenz, dass man am liebsten
antworten, eingreifen, helfen möchte. Aber Ersen taucht nicht nur in türkische Situationen ein. In Stockholm lässt sie Mitglieder einer moslemischen Gemeinschaft in die Kamera sprechen, filmt Immigranten beim schwedischen Sprachunterricht oder spricht mit zwei jungen Japanerinnen in türkischer Sprache über die Besonderheiten einer japanischen Frauenzeitschrift. Für ihre Ausstellung im OK Centrum zog Ersen einer Linzer
Schulklasse eine Woche lang türkische Schuluniformen an, filmte die Kinder
und ließ abschließend ihre Tagebucheintragungen auf die Kleidungsstücke
nähen. Manche waren mehr und mehr begeistert von den Uniformen, andere
schwitzten arg und ärgerten sich über den engen Kragen - eine einprägsame
Rauminstallation, die Ersen hier in einem der ehemaligen Klassenzimmer
aufbaut - schließlich war das OK Centrum einst eine Schule. Es ist Ersens erste Einzelausstellung in einer
Kunstinstitution. Zwar nahm sie an der "Manifesta" in Frankfurt und an der
8. Istanbul Biennale teil, stellte im ZKM Karlsruhe und im Casino
Luxembourg aus. Aber erst jetzt in Linz wird die Qualität ihres Werkes
deutlich. In den neun Video- und Rauminstallaionen, in den Fotografien und
ortsspezifischen Projekten beweist die Künstlerin, dass die angesagten
Themen der aktuellen Kunst rund um Migration und kulturelle Identität
nicht im Einerlei des Täter-Opfer-Schemas begraben werden müssen. Nahezu
ohne Schwenk auf den Umraum konzentriert sich Ersen auf Individuen, die
nicht jammern oder anklagen, sondern, wie Eric, ihre Situation
analysieren. Es sind oft fröhliche oder auch kämpferische Menschen, die
ihren Platz im Leben suchen. Und damit schafft es Ersen, die Hierarchie
aus der aktuellen Migrations/ |
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