Wasserschaden in Albertina: Direktor Klaus Albrecht Schröder zunehmend unter Beschuss
Keiner trägt die Verantwortung
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Schröder mit der Kopie des Feldhasen. Der echte hätte zerstört werden können. Foto: apa
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Von Christian Mayr

Albertina-Depot: Zufällig installiertes Blechdach verhinderte Kunst-Katastrophe.

Wasser-Sicherheit war nicht garantiert.

Schon 120.000 Kunstwerke betroffen.
Wien.
Wortreich versuchte Klaus Albrecht Schröder, die große
Beinahe-Katastrophe in der Albertina zu umschiffen. Der
Museums-Direktor sprach von einem "kleinen Wunder" und einem "modernen
Gottesbeweis", da gleichsam eine höhere Macht in der Vorwoche die
Zerstörung tausender Meisterwerke durch eintretendes Wasser in das
angeblich sicherste Depot der Welt verhindert habe.
Doch zunehmend musste sich Schröder bei der Pressekonferenz am
Mittwoch von in- und ausländischen Journalisten harte Fragen über seine
Rolle in der Causa gefallen lassen.
Auf die Frage der "Wiener Zeitung", ob er als Direktor die volle
Verantwortung übernehme, schließlich genieße er auch den Erfolg bei
vielen Ausstellungen, meinte Schröder trocken: "Grundsätzlich
verantworte ich sehr vieles, naturgemäß kann ich aber nur Verantwortung
für Bereiche übernehmen, die im Rahmen meiner Zuständigkeit liegen."
Errichtung und Ausstattung eines Bauwerks fielen da sicher nicht
darunter. "Wir bestellten ein staubfreies, wasserdichtes und
brandsicheres Gebäude", so Schröder, der einige der bedeutendsten
Kunstschätze der Republik mit normalen Mietern verglich. "Das ist wie
wenn jemand in ein Wohnhaus einzieht und es dann hereinregnet. Niemand
käme auf die Idee, den Nutzer verantwortlich zu machen."
Faktum ist, dass der Tiefspeicher erst 2006 bezogen und unter
Führung von Direktor Schröder auch mit 950.000 Kunstwerken bestückt
worden ist. Dass damals offenbar niemand für die 100-prozentige
Sicherheit der Meisterwerke garantieren wollte oder konnte, wurde am
Mittwoch eingestanden. "Ganz klar: So etwas wie eine schriftliche
Garantie gibt es nicht", erklärte Burghauptmann Wolfgang Beer, der als
Bauherr für das Gebäude zuständig ist. Der Zentralspeicher sei jedoch
allen gängigen Richtlinien entsprechend errichtet worden – es sollte
eigentlich kein Wasser eintreten. Dass es doch je passiert, hätte
Schröder nicht für möglich gehalten. Doch warum wurde dann eine
Alarmanlage für Wasserschäden installiert, die prompt in der Vorwoche
anschlug? "Das habe ich mich auch gefragt", sagte Schröder zerknirscht.
Gewährleistung möglich
Bezeichnend ist auch die Tatsache, dass die Kunst-Katastrophe nur
durch bloßen Zufall verhindert wurde: Nachträglich von
Albertina-Technikern eingebaute Blechdächer über den Regalreihen haben
das schwallartig eindringende Wasser abgelenkt; so wurden von den mehr
als 2000 Litern nicht die oberen Werke durchtränkt und damit zerstört,
sondern es kam lediglich zu einer gleichmäßigen Durchfeuchtung im
unteren Bereich. Und da seien auch nur die Schutzhüllen betroffen
gewesen. Diese "seltsamen Blechdächer" (Schröder) seien freilich zur
Staub-Abwehr installiert worden, denn an Wasser habe ja niemand gedacht.
Auch Burghauptmann Beer wehrte Fragen nach einer Verantwortung ab:
"Solange wir die Ursache nicht kennen, gibt es dazu keine Aussage." Das
Wasser sei von oben an drei Stellen eingedrungen, derzeit suche man mit
Akribie nach undichten Stellen in der aus Beton, Wärmedämmung und
Bitumen bestehenden Decke. Für einen Bereich könnte die damals
zuständige Baufirma sogar noch haftbar gemacht werden, verrät Beer der
"Wiener Zeitung": "Für die Abdichtung jener Öffnung, wo die Kunstwerke
eingebracht wurden, gibt es noch eine Gewährleistung." Schröder
wiederum betonte, dass die damals zuständigen Architekten wie Baufirmen
(Porr sowie Leyrer+Graf) voll kooperieren würden und bereits ihre
Versicherungen eingeschaltet hätten. Von etwaigen Klagen, wie im
Boulevard kolportiert, hält der Direktor nichts: "Wen sollte man denn
klagen, wenn noch nicht einmal die Ursache feststeht?"
Unsicherer Roboter
Derweil läuft auch die Räumung des Depots auf Hochtouren, mit Stand
Mittwoch war rund die Hälfte evakuiert. Und wie bereits in der Vorwoche
berichtet, ist der Schaden weitaus größer als ursprünglich angenommen:
Rund 120.000 Kunstwerke sind vom Wasser betroffen, wobei weiterhin
betont wurde, dass bis dato kein einziges effektiv Schaden genommen
habe; einzig "Verwellungen" wurden eingestanden. Auch den weltberühmten
Ausnahme-Stücken wie Dürers "Feldhase", "Das große Rasenstück" und "Die
betenden Hände", die aufgrund eines Kurzschlusses erst nach sechs
Stunden aus dem Depot gebracht werden konnten, gehe es gut. Laut
Schröder werde es hier jedenfalls zu Änderungen kommen, weil die
Auslieferung der Kunstwerke bloß über einen Strom-abhängigen Roboter
bei Notfällen zu unsicher sei.
Derzeit werden die Kunstwerke in den Räumen der Albertina gehortet –
während dauerhafte Ersatzflächen sondiert werden. Nationalbibliothek
und -bank hätten sich schon angeboten, berichtete Schröder. Am Ende
sollen die Werke jedoch wieder nach unten gebracht werden: "Der
Speicher wird von uns nicht in Frage gestellt", sagte Schröder.
Printausgabe vom Donnerstag, 02. Juli 2009
Kommentare zum Artikel:
01.07.2009 Schlauberger
Jetzt wird klar, warum
Direktor Schröder so massiv für die Ausleihe der Kunstwerke an
ausländische Aussteller eintritt - da sind sie offenbar sicherer.
Hofmann Helmut
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