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Lentos Linz

Matriarchat ist Fiktion, aber dennoch kein Märchen

von Anne Katrin Feßler   |  07. Februar 2011, 17:56
  • Artikelbild: Mathilde ter Heijne (vorne ein Puppen-Alter-Ego) bewahrt Biografien 
unbekannter Frauen des 19. Jahrhunderts im Medium Bild.  - Foto: maschekS
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    Mathilde ter Heijne (vorne ein Puppen-Alter-Ego) bewahrt Biografien unbekannter Frauen des 19. Jahrhunderts im Medium Bild.


Mathilde ter Heijne beschäftigt sich aus feministischer Perspektive mit Rollenbildern der Frau

Das Lentos in Linz widmet der in Berlin lebenden Künstlerin ihre erste Einzelausstellung in Österreich.

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Linz - Eine Arbeit zum Thema Matriarchat? Bloß nicht. Als die niederländische Künstlerin Mathilde ter Heijne sagte, sie wolle eine Arbeit zum Matriarchat machen, riet man ihr entschieden ab: viel zu abgedroschen, geradezu lächerlich sei der Begriff inzwischen. Ter Heijne (geb. 1969) entschied sich für ein "Und trotzdem" und reiste in den Südwesten Chinas, zur Minderheit der Mosuo.

"Bei den Mosuo nimmt das Haus die Position des Mannes in der patriarchalen Gesellschaft ein", erzählt die seit einigen Jahren in Berlin lebende Künstlerin. Das traditionelle Zumu-Holzhaus ist Symbol gelebter Gleichberechtigung, die beiden tragenden Stützen des Hauses wurden nur aus einem Stamm geschnitten. Privaten Besitz und das Prinzip Ehe kennen sie nicht. Man lebt freie Sexualität; die Kinder bleiben im Mehrgenerationen-Haushalt der Mutter, dessen wirtschaftlicher Vorstand diese auch ist.

Die Rekonstruktion eines solchen 200 Jahre alten Hauses ist das zentrale oder vielmehr raumbestimmende Objekt in ter Heijnes Ausstellung Any Day Now im Lentos. Ein volkskundliches Setting mit moralisch-feministischem Fingerzeig? Das begleitende Video (Constructing Matriarchy, 2007), das den Hausbau als Kooperation beider Geschlechter dokumentiert, und das Comic The Empire of Women. Not a Fairy Tale rücken die Installation tatsächlich in diese Nähe.

Es ist ein Hörspiel, das dem Setting jedoch seine erzieherische Note nimmt, sie zu einem Gedankenangebot macht und humorvolle, ironische Distanz herstellt: Further Than We've Gone (2009) montiert vier Romane der relativ unbekannten Gattung feministischer Science-Fiction. Hauptfigur ist Mathilde (ter Heijn), die als Zeitreisende von einer männerlosen Welt in die nächste stolpert.

Asexuelle Gesellschaft

Von The Shore of Women (Pamela Sargent, 1986), wo Männer nur noch wegen ihrer Spermien geduldet werden, bis ins Herland (Charlotte Perkins Gilman, 1915), einer sich asexuell fortpflanzenden Frauengesellschaft, führt ihre Reise: "Wir wachsen gemeinsam, aber nicht durch Wettbewerb." Ein vergnügliches und professionell gemachtes Hörabenteuer.

Das ter Heijnes Alter Ego in verschiedene Rollen schlüpft, konnte man bereits in vielen Arbeiten beobachten: Begonnen hat es 2000 mit dem psychologisch aufgeladenen Video Mathilde, Mathilde ..., das von filmischen Frauenfiguren mit diesem Namen, etwa aus François Truffauts Die Frau nebenan oder Noce Blanche von Jean-Claude Brisseau, inspiriert ist. Jede der "Mathildes" begeht Selbstmord, ob aus Liebe, politischen oder religiösen Motiven; ein Akt freiwilliger Selbstauslöschung gegen den die Künstlerin revoltiert. Ein Motiv, das auch die in der Schau gezeigte Videoinstallation zur literarischen Figur Gesine Cresspahls und der Frage kollektiver Schuld fortführt.

Bekannt wurde ter Heijne jedoch durch lebensgroßen Puppen, denen sie Gesicht und Stimme leiht: Im Lentos zeigt sie sieben aus der Werkgruppe F. F. A. L. (Fake Female Artist Life), die fiktive Künstlerinnen-Charaktere aus literarischen Werken, etwa Guillaume Apollinaires La femme assise (1920), darstellen. Als Verstärker funktioniert die Installation Unknown Woman, eine Installation von Fotografien unbekannter Frauen des 19. Jahrhunderts, die sie für eine Postkartenserie bereits einmal mit aufwändig recherchierten Biografien anderer Frauen der Zeit kombiniert hat. "Eine Frau hilft der anderen, um sich aus Unsichtbarkeit zu befreien."

Das inszenatorische Dunkel verleiht der tatsächlich im Untergeschoss stattfindenden Präsentation allzu sehr den Charakter von Keller. Ter Heijnes feministischen Ansätzen kommt das Angestaubte nicht gerade entgegen. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD - Printausgabe, 8. Februar 2011)

Bis 27. 3.

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19 Postings
Martin Bartonitz
08.02.2011 20:25
Es gibt noch viele matriarchale Völker

Wer sich ein wenig mehr in die Thematik einlesen mag, dem empfehle ich die Website matriarchat.info
Warum sollte ein Volk, das matriarchalisch lebt, keine Kultur und keinen Fortschritt kennen?
Wer die hohe Kunst des Entscheidens im Konsens beherrscht, was ein typisches Merkmal dieser Kultur ist, hat einen riesigen Vorteil: hier leben alle selbstbestimmt und keiner fremdbestimmt. Und weil das so ist, gibt es in diesen Gesellschaften keine Konkurrenz, daher keinen Neid, keinen Diebstahl, keinen Mord. Es braucht daher auch keine Polizei, keine Richter (Schlichter schon), keine Anwälte.
Meine Intuition sagt mir, dass dies ein wesentlich angenehmeres Leben sein muss, als wir dies in unserer patriachal-kapitalistischen Kultur kennen.

08.02.2011 09:52
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bin für das ausgeglichene = verhältnis, aber entschieden gegen das patriarchat.
das patriarchat begründet sich zum wesentlichen teil auf der frauenfeindlichkeit der drei männlich- monotheistischen weltreligionen. daher ist es für die gleichberechtigung der frau unerlässlich, die macht der religionen durch eine laizistische verfassung bzw.ein säkulares staatswesen in die schranken zu weisen.

08.02.2011 13:06
Die drei monotheistischen Weltreligionen sind das Resultat des Patriarchats...

...und nicht seine Pfeiler. Die Pfeiler entstanden wesentlich früher.

08.02.2011 14:42

eh klar. es ergänzt bzw. bedingt sich gegenseitig. bei den aktuellen demonstrationen in ägypten hätte ich mir deshalb auch viele unverschleierte teilnehmerinnen gewünscht. das gegenteil ist der fall. das lässt nichts gutes erahnen. es scheint ein patriachaler protest gegen den oberpatriarchen mubarak, möglicherweise von der domnieirenden moslembrüderschaft, zu sein und kein von der gesamtbevölkerung ausgehender protest gegen ein zutiefst undemokratisches, die frauen unterdrückendes system.

Waun koilma d´Kia im Muiviertl?
08.02.2011 02:22
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Matriarchat = Patriarchat ...

... bei dem die Machtpositionen durch Frauen besetzt sind! ;-)

Matriarchalische Denksysteme neigen zu Stillstand, zum Imkreisdenken, zum Nichtagieren und propagieren eher innovationsfeindliche Entscheidungsfindungen.

Patriarchalische Denksysteme neigen zu Übertreibung, zu ungesundem Hierarchiedenken und zu hyper-motivistischen Entscheidungsfindungen.

Abgesehen davon, sind sowohl Matriarchat als auch Patriarchat vorwiegend theoretische Gedankenkonstrukte, inzwischen ohne besondere Bedeutung im täglichen Leben.

Die Idee, dass matriarchale Systeme auf friedvollerer und gerechterer Basis funktionieren, ist ein Mythos.

Aggressionen und Gewalt sind zu gleichen Teilen in beiden Systemen vorhanden, im Matriarchat lediglich besser verpackt.

08.02.2011 12:35
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Matriarchate gab es noch nie...

...Matriarchat bedeutet Frauenherrschaft und solche Gesellschaften gab es noch nie. Es gab akephale, egalitäre Gesellschaften ohne Hierarchien und Oberhäupter, d.h. gelebte Anarchie, machmal mit starkem Fokus auf Frauen (bei Vorliegen von Matrilinearität und Matrilokalität), oft genug aber auch mit frauenunterdrückenden Mechanismen (allerdings selten so stark wie das phasenweise in patriarchalen Gesellschaften der Fall war). Das symbolisch Weibliche beruht auf Solidarität, Kollektivismus, Gleichheit, Unbewusstheit und Ruhe und das symbolisch Männliche steht für Wettkampf, Individualismus, rationales Bewusstsein und Dynamik. Das "Matriarchat" ist ein Mythos.

08.02.2011 15:32
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Es gibt und gab durchaus einige matrinlineare Gesellschaften, in denen Männer kaum was zu sagen hatten. Männer haben teilweise weder größeren Einfluss auf den Besitz, noch wird irgendetwas über den Vater vererbt. Das sind aber ganz klar Ausnamen. Die überwiegende Mehrheit der Stammeskulturen sind Männerbestimmt, wenn auch teilweise matrilinear.

Von einer allgemeinen Matriarchatsphase in der Frühgeschichte kann man nicht ausgehen, dafür ist die Suppe einfach zu dünn.

08.02.2011 12:09
Und Sie neigen

zu Geschwafel!

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Johannes Benn
 
07.02.2011 19:49
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immerhin sind sie ehrlich bezüglich des matriarchats...ein paar kleine ausnahmen existieren, aber ansonsten galt dich immer und überall das patriarchat

politisch verfolgt
07.02.2011 19:04
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befremdlich

daß manche sich von der zivilisation abwenden und sich vorbilder bei primitiven stämmen suchen.

08.02.2011 13:05
Befremdlich für den Zivilisationsmenschen......ebenso befremdlich wie die Zivilisation auf den "primitiven" Stammesbruder wirken muss.

Dass sie Kultur und Zivilisation aufwerten, liegt daran, dass sie in einer solchen groß geworden sind. Kultur und Zivilisation sind dynamische Systeme, die von der Substanz der Ausbeutung leben und in sich selbst enden, wenn die eigen Lebensgrundlage zerstört wurde, daneben aber unglaubliche Erfahrungen bieten (man denke an all die technologischen Errungenschaften). Alles hat seine dualen Seiten - gute wie schlechte. Stämme dagegen leben relativ dazu in Ruhe und im Jetzt...es gibt dort keine Entwicklung, dafür aber Nachhaltigkeit. Zu glauben es gäbe eine Art "Fortschritt" ist typisch partriachal-kulturelles Denken. Es gibt nie Fortschritt, nur Lebenswelten und Weltanschauungen, die sich unterscheiden.

politisch verfolgt
08.02.2011 16:11
naja

"Dass sie Kultur und Zivilisation aufwerten, liegt daran, dass sie in einer solchen groß geworden sind."
stimmt.
aber daß es keinen fortschritt gebe, stimmt nicht. in unserer lebenswelt gibt es ihn ohne zweifel. und in dieser leben wir und sind in ihr ja - wie sie richtig schreiben - großgeworden.

08.02.2011 20:24
Fortschritt......archaische Völker wehrten jeglichen Zeitbegriff ab und sagen die Wiederkehr der ewig gleichen Zyklen. Ein linearer Zeitbegriff bzw. Fortschritt war ihnen gänzlich unbekannt. Empfehle hierzu Mircea Eliade

"Kosmos und Geschichte". Der lineare Zeitbegriff, die Dynamik, Hierarchie, der Wettkampf und die Konkurrenz kamen erst mit dem Patriarchat bzw. genauer - mit dem Staat auf. Was die meisten allerdings übersehen ist, dass es sich auch dieses Mal nur um einen riesigen partiarchalen Zyklus handelt. Der Kulturzyklus lebt (ebenso wie der Geldzyklus im Kleinen) auf Kosten der Zukunft. Empfehle diesen 20-teiligen Crash-Kurs:
www.chrismartenson.com/crashcourse
v.a. gegen Ende hin (und hier noch verharmlosend, weil viel Fakten ausgespart bleiben). Wir haben nicht nur "Peak Öl" oder "Peak Kredit". Wir haben "Peak Alles", v.a. "Peak Mensch" - Die Folge kann nur der totale Zusammenbruch der Welt-Zivilisation sein und back to the roots.

08.02.2011 09:57
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politisch verfolgt meint: Patriarchat = Zivilisation?
Das wäre zu hinterfragen, bzw. wird diese sehr interessante Ausstellung das sicher tun. Meine Fahrt nach Linz ist geplant.

08.02.2011 12:57
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Kultur und Zivilisation sind reine Produkte des Patriarchats...

...Kultur gedeiht ausschließlich auf dem Boden der Gewalt und Hierarchie...ohne Zwangssysteme (=Staat) keine Kultur. Die volle Ausreifung des Patriarchats, dass seine Ursprünge im Neolithikum hat, begann erst mit der Staatsentstehung, als Hirtenstämme Bauernstämme unterwarfen und ein Zwangssystem zur systematischen Ausbeutung installierten. Hier beginnt plötzlich der rasend schnelle Kulturzyklus mit immensen technologischen Fortschritt, Bevölkerungsexplosion, Kriegen, Errungenschaften, Ausbeutung, Dynamik, etc, während zuvor jahrtausendelang eher Ruhe herrschte in egalitären Stammesgesellschaften.

08.02.2011 14:31
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Ich kann keinen logischen Zusammenhang von Kulturentwicklung und Patriarchat erkennen. Nach ihrer Diktion hat sich Kulur erst mit dem Partriarchat entwickelt, aber Kreta und die minoische Kultur wird in der Wissenschaft als Hochblüte des Matriarchats angenommen.http://de.wikipedia.org/wiki/Matriarchat

Egal wie: Der Titel lautet Matriarchat ist Fiktion. Für mich ergänze ich: auch nicht erwünscht. Aber in der Post-Aufklärung wäre langsam ein egalitärer Zustand der Gesellschaft (inklusive Kinder) wünschenswert, wie er in den Menschenrechtscharta vordefiniert ist, in der Praxis aber in weiter Ferne lliegt.

politisch verfolgt
08.02.2011 12:43
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ich glaube nur nicht

daß die aktuellen probleme von den mosuo gelöst werden können. genau so wie ich nicht glaube, daß menschen, die der katholischen kirche kritisch gegenüberstehen, ihr heil bei schmanismusseminaren im waldviertel finden werden. für mich ist das kindischer eskapismus.
aber bitte, wer sich davon etwas erhofft, solls machen.

FreiherrWastl
07.02.2011 19:25
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befremdlicher...

..finde ich es, dass sich unsere zivilisation von der menschlichkeit abwendet, um mit vollgas auf die barbarei zuzusteuern.

08.02.2011 11:13
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glaube nicht

dass die "zivilisation" als besonders menschlich bezeichnet werden kann. die schlachtereien die in regelmässigen abständen stattfinden, finden eben momentan in anderen regionen dieser welt statt. lediglich die vertuschungsmethoden dieser "konflikte" haben sich verfeinert.
schauen wir mal wielange europa frei von barberei bleibt...

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