Museum auf Abruf: Blick auf Wien
Architektur und neue Medien
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Die Vedute ist ein antikes Thema, das aber als künstlerische
Frage an die Metropolen von heute seine Aktualität nie verloren hat. Im 3.
Teil eines Zyklus zeigt das Museum auf Abruf (Kunstsammlung der Stadt
Wien) nach den Fotoausstellungen "Bilder von Wienern" und "Wiener Bilder"
den "Blick auf Wien. Topografie und Wahrnehmung" bis 12. Oktober mit
Skulpturen, Collagen, Grafik und Malerei. Mancher Geheimtipp hat sich
da seit den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts durch die Initiative
von Wolfgang Hilger und Vorgängern angesammelt: heute fast Vergessene wie
die großartige Zeichnerin Christine Heuer und der auch das Soziologische
grafisch untersuchende Realist Hans Escher sind darunter. Bekannt unter
den verstorbenen Künstlern sind Moldovan und Absolon. Auch die Bezirke
mit Industriealisierung wie Simmering, die schon in der Fotografie wichtig
waren, interessieren die Maler und Grafiker wie Herwig Zens; die Flaktürme
sind ein weiterer Anziehungspunkt geworden - zum einen als formale
Herausforderung: so bei Gerhard Gutruf, zum anderen ist glücklicherweise
die Skizze zu Lawrence Weiners Schriftgestaltung ("In the still of the
night") am "Haus des Meeres" integriert worden. Ein weiterer
internationaler Aktzent ist durch Richard Tuttles Widmung an eine Birgit
Jürgenssen-Schau in einer Collage mit Stephansdom vorhanden. Thomas
Reinhold verbindet Geschichte - den Ringtheaterbrand - mit neuesten
Tendenzen der Untersuchungen an den Oberflächen im malerischen Konzept;
auch die Fotografie ist wie in vielen anderen Beispielen der Jungen in
seine sehr intellektuellen Auseinandersetzungen eingebunden. Querschnitte
und Frottagen, Kartografie und Abguss interessieren nach Topografien
Lettners und Menches' auch die jüngere Generation mit Stockbauer, der
ironischen Anna Meyer, Kaltner, Riegelnik, Klopf u. a. Neben den
abgeriebenen Kanaldeckeln von Fabio Zolly sind aber auch die trompe
l'oeil-haften Fassaden mit Plakaten, alten Geschäftsschildern und
bröselnder Mauer vom Altmeister Zadrazil nach wie vor spannend.
Architektur und neue Medien bringen das Künstlerteam Sabine
Bitter/Helmut Weber mit ihrer subtilen Computerfotografie auf die große
Leinwand: der Wohnpark Alt-Erlaa, aus der Luft betrachtet, wird zum Signet
der neuen Metropole Wien.
Erschienen am: 07.10.2002 |
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