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21.02.2006 - / Ausstellung
Volle Vitrinen, leeres Palais
VON NICOLE SCHEYERER
EU-Präsidentschaft. Das MAK zeigt in Brüssel mit viel Aufwand Wiener Werkstätte.

N
un funkeln und glänzen sie wieder mit vereinten Kräften, die luxuriö sen Schmuckschatullen und Bon bontassen, Blumenkörbchen und Teekannen, die die Wiener Werkstätte (WW) zwischen 1903 und 1932 produziert hat. Die vom MAK konzipierte Ausstellung "Der Preis der Schönheit" dient in ihrer zweiten Auflage als kulturelles Export-Highlight der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft.

Es war ein enormer Aufwand, die Jubiläumsschau von 2002 nach Belgien zu bringen: An die 1500 Exponate mussten überführt werden; neun MAK-Mitarbeiter arbeiteten am Aufbau im Palais des Beaux Arts (BOZAR) mit. Österreich zahlte aus seinem Ratsbudget stattliche 800.000 €, von Belgien kam noch einmal so viel. Auch ist die Schau nicht dieselbe wie jene, die zum 100. WW-Geburtstag zu sehen war. Da sich manche Leihgeber nicht mehr beteiligten, mussten über 20 Prozent der Objekte ersetzt werden.

Brüssel ist ein prädestinierter Ort für diese Ausstellung. Schließlich suchte hier Victor Horta den Historismus zugunsten eines dynamisch geschwungenen Jugendstils zu überwinden und Henry van der Velde kämpfte gegen die Verflachung des Kunstgewerbes durch Massenfertigung. Und nicht zuletzt steht in Brüssel mit dem Palais Stoclet das einzige WW-Gesamtkunstwerk, dessen Klimt-Fries weltberühmt wurde.

Die Ausstellungsgestaltung besorgte wieder Künstler Heimo Zobernig mit Baugerüsten und Stoffnetzen. Wo aber in Wien hohe Vitrinen in Form des WW-Logos dominierten, zerfielen die Buchstaben nun auf sechs Hallen. Am Beginn werden die Stempel der WW-Künstler gezeigt: Die Monogramme stehen für die Heterogenität, die in der Fülle an Möbeln, Schmuck, Glasobjekten, Keramik nicht immer positiv auffällt. Es gehört jedoch zu den Verdiensten dieser Schau, nicht nur Spitzenleistungen, sondern auch die umfassende WW-Produktion samt ihren Tendenzen ins Biedere zu präsentieren.

Ziemlich enttäuschend fällt die Abteilung zum Palais Stoclet aus. Das Architekturmodell, die Originalpläne und die alten S/W-Fotos verleihen dem Baujuwel nicht wirklich Plastizität. Man sehnt sich nach einer Kamerafahrt durch die prunkvoll gestalteten Räume, deren Preis laut der Vorgabe des Unternehmer- und Kunstsammlerpaars Adolphe und Suzanne Stoclet von 1905 keine Rolle spielte. Josef Hoffmann wählte dementsprechend nur edelste Materialien, etwa Marmor für Innen- und Außenwände, und die WW konnte bis 1912 von dem Brüssler Auftrag leben.

Es ist schon grotesk: Während "Der Preis der Schönheit" dem leer stehenden Palais einen Schwerpunkt widmet, kann es in echt nur als Zaungucker besichtigt werden. Seit Annie Stoclet, die Schwiegertochter der Bauherrn, 2002 verschieden ist, herrscht unter den vier Erbinnen Uneinigkeit über die Zukunft des Hauses. Dabei spricht es nicht gerade für die Enkel so wichtiger Mäzene, dass nicht einmal Wissenschaftlern Zutritt gewährt wird.

Einige Zeit kursierten falsche Gerüchte, dass Österreich Interesse am Erwerb des auf über 80 Mio. Euro geschätzten Baudenkmals hätte. Wie vom österreichischen Kulturforum in Brüssel jetzt zu erfahren war, streben die belgischen Behörden gerade ein Prozedere an, um auch die Inneneinrichtung des Baus schützen zu lassen. BOZAR-Direktor Paul Dujardin lobte das Engagement des MAK für die Erhaltung der Gebäude von Rudolf Schindler in Los Angeles. Er hoffe, dass auch für das Palais Stoclet eine Lösung gefunden werden kann, die Hoffmanns Meisterwerk wieder mit der Gegenwartskultur in Beziehung bringt.

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