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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
18. Oktober 2007
14:29 MESZ
"Das Wien-Projekt" des Harry Weber
Museum auf Abruf zeigt 200 Bilder des Doyens der heimischen Fotoszene

Wien - Ein fotografischer Essay Wiens in 30.000 Bildern: Dieses enorme Werk hat der im Frühjahr verstorbene Doyen der heimischen Fotografie, Harry Weber, den Kuratoren der Ausstellung "Das Wien-Projekt" hinterlassen. Diese haben für die Schau im Museum auf Abruf 200 der Bilder ausgewählt, mit denen Weber in rund fünf Jahren ein anekdotisches Bilderwerk der Bundeshauptstadt erstellt hat, das sowohl künstlerische als auch sozialhistorische Qualitäten besitzt.

Als Weiterentwicklung des Jahrhundertwendeflaneurs hat Weber seit 2003 Wien durchstreift, erstmals in seiner langen Karriere mit einer Digitalkamera. Aus dem ursprünglich anvisierten einen Jahr wurden fünf Jahre, wobei der Kern der Bilder im Jahr 2005 entstanden ist.

Diese zeigen, teils symbolisch aufgeladen, teils banal, ein stimmiges Mosaikbild Wiens und der Wiener. Weber fokussiert dabei meist auf scheinbare Nebensächlichkeiten, auf den Hintergrund. Zu sehen sind weniger klassische Sehenswürdigkeiten, denn Passanten, Menschen.

So findet sich in der Ausstellung ein Lamborghini Diablo mit AKH-Kennzeichen neben einer Fronleichnamsprozession, wie überhaupt Motive mit Gläubigen verschiedenster Konfessionen stark vertreten sind. Auch Prominente hat der Menschenfotograf Weber in seinem Wienporträt aufgenommen, allerdings auch diese meist bewusst beiläufig.

Da bleibt von Kardinal Christoph Schönborn hinter einem Messbuch lediglich ein Haarbüschel, von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer nur ein Ohr, während die 1. Mai-Demonstration im Zentrum steht. Wenn Gebäude die Aufmerksamkeit Webers gefesselt haben, sind dies meist Spiegelungen in Auslagen, Durchblicke und untersichtige Ansichten, welche die Bauten optisch schrumpfen lassen.

Der Auftrag zum letzten Werk Webers, den dieser im Alter von 82 Jahren antrat, kam von der Wiener Kulturabteilung. Deren Leiter Bernhard Denscher erinnerte sich am Donnerstag bei der Eröffnung der Ausstellung an die Initialzündung: "Mir ist Anfang der 90er Jahre aufgefallen, dem Harry Weber fehlt eine Aufgabe."

Der greise einstige Stern-Fotograf lebte in der neuen Aufgabe nochmals voll auf und machte sich eigens mit der für ihn neuen Technik einer Digitalkamera vertraut. "Er hat für diese Arbeit noch einmal voll durchgestartet", so Berthold Ecker, der die Schau gemeinsam mit Timm Starl kuratierte.

Diese hat zwischen dem 18. Oktober 2007 und dem 12. Jänner 2008 bei freiem Eintritt im Museum auf Abruf in der Felderstraße 6-8 gegenüber dem Rathaus geöffnet. Zur Ausstellung ist auch ein umfangreicher Katalog erschienen, in dem sich neben den Fotografien auch eine Autobiografie Harry Webers findet. (APA)


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