Bis 26. 7.

Wien - Mit dem Titel der Ausstellung hat sich der Kunstraum Niederösterreich diesmal keinen Gefallen getan: Love Design Delirium. - Sex, Drugs and Rock'n'Roll assoziiert der Schelm, findet sich aber nicht im Summer of Love, sondern in unsanfteren Zeiten wieder: Mittendrin in der Anything-goes-Selbstausbeutungs-Schlinge des kapitalen Globalisierungsgefüges, wo Künstler auf Design machen, um Butter, Brot und Bewusstseinserweiterndes zu besorgen. Und wo sich im Delirium des Frustes dann alles umstülpt - flmp! - und Kunst anschließend auch aussieht wie Design. Design auf Webseiten, CD-Hüllen, Bobo-Magazinen und Billy-Bücherregalen.
Die Künstler, die die heurige Austauschinstitution MAMA (Media and Moving Art) aus Rotterdam mitgebracht hat, sind zum großen Teil tatsächlich Designer. Oder Grafiker. Diesem mit einem Ausrufezeichen verstärkten Aha-Effekt folgen allerdings auf dem Fuße ein Dutzend Fragezeichen. - Warum?
"Unmittelbar spürbar ist in allen Arbeiten eine oft absurde und gleichzeitig feinfühlige, leidenschaftliche Liebe zum Leben, eine Lust, die Dinge ins rechte Licht zu rücken, ein Lebenselixier, das uns in Atem hält", schreibt die MAMA-Direktorin. Eingelullt mit depressiver Lebensfreude und leidenschaftlicher Trübseligkeit ist es besser, die Last der Fragezeichen einmal nach Hause zu tragen.
Wochen später - viel Staub ist inzwischen durch Sebastian Straatsmas gar nicht mal so üble, löchrig-bunte, die griechische Mythologie bis zur Barbapapa-Familie verlängernde Staubfänger gerieselt: Beim Wiedersehen mit den zwischenzeitlich ganz vergessenen Arbeiten ploppen die Fragezeichen wieder auf. Die mit roter Schminke verschmierte Glasscheibe erinnert an die ansonsten folgenlos gebliebene Performance der Humobisten. Die humorigen Mind-your-Own-Business-Clowns haben auch Bollywood-Tanzszenen mit Elektro der Gruppe Kraftwerk unterlegt. Lustig?
Wenig Auswirkung auf die Mundwinkel üben auch die selbstmitleidigen Pinup-Porno-Schnabeltiere von Parra aus. Die in Endlosschleife wabernde, neblige Autoreise des Grafik-Design-Trios Körner Union wirkt genauso wenig stimmungsaufhellend wie Oliver Larics Warhol-Interview mit einem spirituellen Internet-Medium. Die Endlosspirale immergleicher Entwurfsprozesse im Grafikbusiness spiegelt die Gruppe 75b mit "Is dit niks?". Nein, das ist nichts, möchte man entgegnen und tröstet sich mit Jaap Scheerens und Anouk Kruithofs "Black Hole". Es steht für das Leben nach der Galerie. Amen. (Anne Katrin Feßler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.7.2008)