Kultur/Medien | 25.07.01 | www.DiePresse.at
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Mailands Wettrüsten junger Kunst

"Anteprima Bovisa" und "Milano Europa 2000" - mit diesen Ausstellungstiteln versucht sich Mailand für Gegenwartskunst und Kunst-Zukunft zu rüsten. Der Anlaß: Ein neues Museumsprojekt der Stadt will gefüllt sein.

Alte Industrieruinen, konkreter, Gasometer, scheinen eine besondere Anziehungskraft zu haben. Das weiß man aus Wien, wo man die nutzlos gewordenen Industriedenkmale in Simmering mit vielen Wohnungen verbaut hat. Mailand geht hier einen anderen Weg und hat sich für eine moderne Kunstfüllung entschieden.
Die Objekte, die dafür ausgewählt wurden, sind zwei alte Gasspeicher im vernachlässigten Mailänder Außenbezirk Bovisa - dem somit Belebung und Erhebung widerfahren soll. Keine gemauerten, sondern eiserne Industrierelikte sind es, in deren kuppelförmig wölbendem Inneren Platz für ein "Museo del Presente" geschaffen werden soll - bzw. sollte.
Denn der Baufortschritt ist in Verzug geraten, womit nicht nur die "Anteprima Bovisa", also die Premiere in Bovisa, nicht vor Ort stattfinden kann, sondern sich auch die dafür geplante Ausstellung "Milano Europa 2000" gar um ein Jahr verspätet hat.
Der Triennale-Palast und der recht baufällige Padiglione d'Arte Contemporanea bilden somit die Ausweichstellen der bis 16. September gezeigten Rundschau durch die zeitgenössische Kunst Europas - ein Vorlauf und Orientierungslauf für die Bestückung des zukünftigen Ausstellungsareals von 4700 Quadratmeter. Und damit es auch wirklich europäisch zugeht, wurden aus 24 Ländern - von Island bis Griechenland, von Spanien bis Rußland - Kuratoren gebeten, Künstler zu präsentieren.
Für Österreich fiel die Wahl auf den neuen Direktor des Wiener Museums für moderne Kunst, Edelbert Köb, der sich für Wohlbekanntes entschied und Elke Krystufeks Selbstentblößungen, Peter Koglers schmucken Geometrien, einem Hausmodell Lois Renners Platz schaffte. Rainer Ganahl ist mit einem Ausschnitt seiner in Wien gezeigten "Sprache der Emigranten", "Art Protects You" und Edgar Honetschläger mit Videoarbeiten, Siegrun Appelt mit einer Photoserie sehr stimmungsvoller nächtlicher Wienbilder in Mailand angereist.
Und Platz gab es nicht nur für die Österreicher reichlich. Die Orientierung fällt jedenfalls vorerst wohl nicht nur den neuen Museumsherren, sondern auch den Besuchern schwer. Ein Hauch von Klein-Biennale-Venedig weht aus der reichen Ansammlung der einzelnen Länderbeiträge, erfrischt aber dennoch nicht die schon ein wenig abgestandene Luft in den vielen Videokabinen und Installationsecken.
Also klopft man lächelnd und auch gelangweilt, Bekanntes und manchmal auch Ansprechendes sehend, von manch witzigem Kunstobjekt angeregt, die Positionen auf dieser europäischen Kunstlandkarte ab. Für alle, die gerne Namen hören: Jaume Plensa, Richard Billingham, Sylvie Fleury und das wohl unvermeidliche Atelier Van Lieshout sind auch dabei. Bleibt nur zu hoffen, daß die Sichtung für den zukünftigen Museumsbestand in Bovisa zwingender ausfällt.
Bis 16. September



www.milano.artecontemporanea.com

© Die Presse | Wien
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