Was ist Sammeln? Und was ist zu sammeln? Das sind die Fragen, die Agnes
und Karlheinz Essl heuer ins Zentrum der Ausstellungen in ihrem Museum
gestellt haben. Eilte dem Sammlerpaar bislang der Ruf voraus, lange nahezu
ausschließlich österreichische Malerei gesammelt zu haben, so gibt
„Augenblick – Foto\Kunst“ ganz überraschende Einblicke.
Anhand einer großteils hochkarätigen Auswahl zeitgenössischer
Photographie aus eigenen wie auch geliehenen Beständen bekennen die Essls
erstmals in großem Maßstab ihre noch junge Liebe zur Photographie. Wobei
die Auswahl von den konzeptuellen Serien der Bechers über die
malerisch-photographischen Gratwanderung Marie-Jo Lafontaines, Gerhard
Richters oder Sean Scullys bis zu den visuellen Poesien Manfred Willmanns
schon spüren läßt, daß die Grenzen so einfach nicht zu ziehen sind. Das
Herz schlägt stets wenigstens ein bißchen für die Malerei – und so ist für
Agnes und Karlheinz Essl eine der Motivationen, sich verstärkt mit
Photographie zu beschäftigen, immer auch ihr Zusammenhang mit der
Malerei.
Ein Ansatz, der seit über zehn Jahren auch im Mittelpunkt der
künstlerischen Arbeit des Gerhard-Richter-Schülers Lois Renner steht.
Waren es bislang Ansichten seines en miniature nachgebauten Malerateliers,
die er minutiös mit seiner Großbildkamera auslotete, so zoomt Renner sich
neuerdings auf den Begriff des Einzelbildes ein und läßt in extrem
vergrößerten Reproduktionen eigener Gemälde Malerei und Photographie in
eins fallen.
Renners „Intervention“ (so der Titel seines Beitrags im Rahmen der
„Augenblick“-Ausstellung) darf als perfekte Überleitung zur
Sommerausstellung „[un]gemalt“ aufgefaßt werden. Unter Federführung von
Zdenka Badovinac, die u. a. den Österreichbeitrag der diesjährigen
Sao-Paulo-Biennale ausgerichtet hatte, werden sieben internationale
Künstler/-Gruppen (IRWIN, Johanna Kandl, Olaf Nicolai, Michelangelo
Pistoletto, Eliezer Sonnenschein, Valery Koshlyakov und „Anonymous“) mit
den Malereibeständen der Sammlung Essl arbeiten und diese nicht nur auf
sehr persönliche Weise interpretieren, sondern auch in eigene Arbeiten
integrieren.
Sammlung Essl, Klosterneuburg: „[un]gemalt“, 17.
07.–27. 10.; Lois Renner: Eine Intervention in „Augenblick
Foto\Kunst“, bis 30. 6. Info: 0800 232 800
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