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10.05.2002 - Ausstellung
Grenzen ausloten
Malerei und Photographie sind die beiden Momente, um die sich das Ausstellungsprogramm der Sammlung Essl derzeit intensiv dreht – wobei eins nicht ohne das andere gedacht wird.
von Johanna Hofleitner


Was ist Sammeln? Und was ist zu sammeln? Das sind die Fragen, die Agnes und Karlheinz Essl heuer ins Zentrum der Ausstellungen in ihrem Museum gestellt haben. Eilte dem Sammlerpaar bislang der Ruf voraus, lange nahezu ausschließlich österreichische Malerei gesammelt zu haben, so gibt „Augenblick – Foto\Kunst“ ganz überraschende Einblicke.

Anhand einer großteils hochkarätigen Auswahl zeitgenössischer Photographie aus eigenen wie auch geliehenen Beständen bekennen die Essls erstmals in großem Maßstab ihre noch junge Liebe zur Photographie. Wobei die Auswahl von den konzeptuellen Serien der Bechers über die malerisch-photographischen Gratwanderung Marie-Jo Lafontaines, Gerhard Richters oder Sean Scullys bis zu den visuellen Poesien Manfred Willmanns schon spüren läßt, daß die Grenzen so einfach nicht zu ziehen sind. Das Herz schlägt stets wenigstens ein bißchen für die Malerei – und so ist für Agnes und Karlheinz Essl eine der Motivationen, sich verstärkt mit Photographie zu beschäftigen, immer auch ihr Zusammenhang mit der Malerei.

Eliezer Sonnenschein 'Baby Demo Test Space, 1999' |(c) Courtesy Sommer Contemporary Art

Ein Ansatz, der seit über zehn Jahren auch im Mittelpunkt der künstlerischen Arbeit des Gerhard-Richter-Schülers Lois Renner steht. Waren es bislang Ansichten seines en miniature nachgebauten Malerateliers, die er minutiös mit seiner Großbildkamera auslotete, so zoomt Renner sich neuerdings auf den Begriff des Einzelbildes ein und läßt in extrem vergrößerten Reproduktionen eigener Gemälde Malerei und Photographie in eins fallen.

Renners „Intervention“ (so der Titel seines Beitrags im Rahmen der „Augenblick“-Ausstellung) darf als perfekte Überleitung zur Sommerausstellung „[un]gemalt“ aufgefaßt werden. Unter Federführung von Zdenka Badovinac, die u. a. den Österreichbeitrag der diesjährigen Sao-Paulo-Biennale ausgerichtet hatte, werden sieben internationale Künstler/-Gruppen (IRWIN, Johanna Kandl, Olaf Nicolai, Michelangelo Pistoletto, Eliezer Sonnenschein, Valery Koshlyakov und „Anonymous“) mit den Malereibeständen der Sammlung Essl arbeiten und diese nicht nur auf sehr persönliche Weise interpretieren, sondern auch in eigene Arbeiten integrieren.

Sammlung Essl, Klosterneuburg: „[un]gemalt“, 17. 07.–27. 10.; Lois Renner: Eine Intervention in „Augenblick  Foto\Kunst“, bis 30. 6. Info: 0800 232 800



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