Raumschiff Gironcoli

Neben der internationalen Präsentation des Kärntner Bildhauers Bruno Gironcoli im Österreich-Pavillon, sind noch einige andere ÖsterreicherInnen in Venedig vertreten.


Bei der Biennale 2001 (Kuratorin: Elisabeth Schweeger) hatten die als Österreich-Beitrag entsandten Gruppen Granular Synthesis und Gelatin bei den Besuchern mit rätselhaften und lautstarken Installationen häufig für Verwirrung gesorgt. Heuer bietet Österreich im und um seinen Pavillon Schwergewichtiges: Kommissär Kasper König zeigt eine Auswahl der gewaltigen Skulpturen des Bildhauers Bruno Gironcoli (66).

Österreich-Pavillion / ©Bild: Christian Wachter
Österreich-Pavillion / ©Bild: Christian Wachter

Erratisches Werk

Der von einer Krankheit schwer gezeichnete gebürtige Kärntner, der 1977 die Leitung der Wotruba-Klasse der Akademie der Bildenden Künste übernahm, hat in den vergangenen Jahrzehnten ein erratisches und komplexes Werk voller surrealer und symbolhafter Elemente geschaffen. Ausstellungen seiner Großskulpturen, die an organische Maschinen denken lassen, an rituelle Streitwagen oder an Altäre fremder Kulte, sind technische Herausforderungen, und nach Jahren unergiebiger Diskussionen scheint erst jüngst mit Projekten in Wien und im steirischen Herberstein eine Lösung für die dauerhafte Präsentation seiner Skulpturen gefunden worden zu sein.

Platzmangel

Der Österreich-Pavillon in den Giardini ist streng genommen natürlich arg unterdimensioniert für ein Werk dieser Größenordnung (weswegen Gironcoli den Hoffmann-Bau auch lapidar als "wunderschönen Kiosk" bezeichnet haben soll). "In den venezianischen Giardini wäre es theoretisch denkbar, alle verfügbaren Pavillons mit diversen Aspekten des bildhauerischen wie auch grafischen Werks zu bestücken, eine reizvolle, wenn auch groteske Vorstellung, aber garantiert überraschend", schreibt Kasper König, der sich schließlich doch mit einer konventionelleren Präsentationsform zufrieden gab.

"Die Eltern mit zwei Tischaufsätzen" / ©Bild: Christian Wachter

"Wir entschieden uns nach Überprüfung der logistischen Möglichkeiten, ohne den zu Recht unter Denkmalschutz gestellten Pavillon zu gefährden, für die 'Stahl-Eisen-Skulptur' von 1985 bis 1990 sowie für die 'Eltern mit zwei Tischaufsätzen', ab 1989; in den Seitenkabinetten zeigen wir wichtige Arbeiten aus den siebziger und achtziger Jahren: 'o.T.', 'Maria', 1975/76, sowie die ägyptisch anmutende 'Vitrine' aus den achtziger Jahren sowie den 'Tisch mit Tischaufsätzen' von 1979."

Österreicher in Venedig

König hofft, durch die Präsentation Gironcoli jene Aufmerksamkeit zu verschaffen, "die einem der international wichtigsten Bildhauer seiner Generation zusteht". "Wir wollen dieses Raumschiff Gironcoli international landen lassen", formuliert es Kunststaatssekretär Franz Morak (V). International längst gelandet ist die 83-jährige Malerin Maria Lassnig, die als einzige Österreicherin in der großen Malerei-Retrospektive im Museo Correr vertreten ist.

Weitere vier Österreicher finden sich im Arsenale in zwei Sektionen des großen Ausstellungsparcours: Bei "Individuelle Systeme" sind der Kärntner Josef Dabernig (Jahrgang 1956) und der Wiener Florian Pumhösl (Jahrgang 1971) vertreten. Pumhösl und Markus Schinwald (Jahrgang 1973) beteiligen sich an dem Plakat-Projekt der Ausstellung "Haltestelle Utopie", an der auch der zeitweise in Österreich lebende Grafiker Ecke Bonk und der Wiener Bildhauer Franz West teilnehmen - Letzterer in Zusammenarbeit mit der römischen Kunstgesellschaft Zerynthia.

Dependence am Markusplatz

Nicht im offiziellen Biennale-Programnm, aber an einem prominenten Schauplatz in Venedig verwirklicht die österreichische Künstlerin Irene Andessner ihr neuestes Projekt: "Donne illustri" lässt den "Saal der berühmten Männer" im Caffè Florian am Markusplatz von zehn prominenten Venezianerinnen besetzen. Den Ölgemälden von Giulio Carlini stellt Andessner ihre nach historischen Bildreferenzen komponierten Fotoporträts gegenüber.

Das internationale Kunstparkett nützt auch das neue Salzburger "Museum der Moderne", das im Sommer 2004 eröffnen soll: Auf der Dachterrasse des Hotel Gabrielli Sandwirth (12. Juni, 17.30 Uhr) stellt Direktorin Agnes Husslein der internationalen Presse das Projekt vor.

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