| Salzburger Nachrichten am 8. Februar 2006 - Bereich:
Österreich
Erhöhte Alarmbereitschaft Der massive Konflikt um
die Mohammed-Karikaturen ebbt nicht ab. Mittlerweile werden auch in Wien
einige Botschaften stärker bewacht - allen voran die dänische.
wien (SN-zim, mrev). Nach den Attacken auf europäische Botschaften in
muslimischen Ländern - darunter auch die österreichische im Iran - wegen
der Mohammed-Karikaturen herrscht auch in Österreich erhöhte
Alarmbereitschaft: Seit Sonntag werden mehrere Botschaften in Wien - allen
voran die dänische - stärker bewacht. Wie der Schutz im Detail aussieht,
wurde am Dienstag nicht preisgegeben. Die Spezialeinheit der Wiener
Polizei, die WEGA, ist aber jedenfalls im Einsatz. Unmittelbaren Personenschutz für Botschaftspersonal gebe es nicht,
sagte Rudolf Gollia vom Innenministerium. Seit Sonntag finden zudem
regelmäßig Sitzungen von Vertretern des Innen- und Außenministeriums
statt, um die Lage, die sich ständig ändert, neu zu bewerten. "Es gibt
aber derzeit keine Erkenntnisse, dass die Lage in Österreich eskalieren
könnte. Wir suchen ja auch ständig den Dialog mit der islamischen
Glaubensgemeinschaft", betonte Gollia. Vergangenen Sonntag - einen Tag nachdem in Syrien die dänische und die
norwegische Botschaft in Flammen aufgegangen waren - hat es auch in Wien
eine Kundgebung von rund 500 österreichischen Muslimen gegeben, um gegen
die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen zu protestieren. Die Demo
war aber friedlich verlaufen. In der österreichischen Botschaft in Teheran herrschte am Dienstag
wieder normaler Betrieb. Das Außenamt hat bisher auch keine Reisewarnungen
für islamische Länder ausgesprochen. Allerdings gibt es für etliche Länder
den Hinweis auf erhöhte oder hohe Sicherheitsgefährdung. Reisenden werde
zu großer Vorsicht geraten, sagte Außenministerin Ursula Plassnik (ÖVP).
Reise-Informationen finden sich auf der Homepage des Außenministeriums
(www.bmaa.gv.at). Österreichs Muslime: Appell an Islam-Staaten Die Islamische
Glaubensgemeinschaft hat nach dem Anschlag auf Österreichs Botschaft in
Teheran erneut jegliche Gewaltanwendung verurteilt sowie zu Mäßigung und
Besonnenheit aufgerufen. Muslime in Österreich seien tief besorgt über
ständig neue Höhepunkte der Eskalation nach der Veröffentlichung der
Karikaturen des Propheten in westlichen Medien, hieß es. Österreich habe einen guten Ruf in der islamischen Welt. Auch die
Glaubensgemeinschaft bemühe sich um Deeskalation und richte daher einen
Appell zu Besonnenheit an die Botschaften und die Presse islamischer
Staaten, wurde betont. Unterdessen nahmen die rund 50 Zeitungszusteller der "Kleinen Zeitung"
ihre Arbeit wieder auf. Die gläubigen Muslime hatten am Wochenende ihre
Arbeit niedergelegt, um gegen die Veröffentlichung der Karikaturen in dem
Blatt zu protestieren. Der Streik sei ein Warnsignal gewesen, sagte der
Präsident der Ägyptischen Gemeinde Österreichs Soleiman Ali zu den SN. Er
forderte "Respekt vor religiösen Gefühlen anderer". Die Aktion könne "bei
Bedarf" wiederholt werden. Karikaturist Gerhard Haderer bezeichnete die Veröffentlichung der
Karikaturen übrigens als "Schnapsidee". Er würde Mohammed wegen des
Darstellungsverbots des Propheten im Islam nie zeichnen. Haderer, der mit
umstrittenen Jesus-Karikaturen vor Jahren Empörung ausgelöst hatte: "Die
Grenze der Kunst ist der Anstand." |