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Kunstberichte

Heim für "Weltallendeteufelgötter"

Im Museum Gugging – Art / Brut Center in Maria Gugging beginnt am 30. Juni die Ausstellung "Blug"
Illustration
- Ein Blick nach oben – auf die Zimmerdecke einer Wohneinheit im „Haus der Künstler“ in Gugging.  Foto: apa/Pfarrhofer

Ein Blick nach oben – auf die Zimmerdecke einer Wohneinheit im „Haus der Künstler“ in Gugging. Foto: apa/Pfarrhofer

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Der Beatles-Song vom "Fool on the hill", der das Drehen der ganzen Welt beobachtet, ist mit dem fast vollendeten Museumsbau über dem Ort Maria Gugging wahr geworden. Hier, auf dem Areal der einstigen Psychiatrie, geht es allein um den künstlerischen Aspekt der Werke, und das schon seit Johann Feilacher die Nachfolge von Leo Navratil antrat. Was Navratil in den Sechziger-Jahren als Beschäftigungstherapie voll Interesse begonnen hatte, wurde in den letzten drei Jahrzehnten weltbekannt.

Bilder des verstorbenen Johann Hauser erzielten auf Auktionen Spitzenpreise und wurden bis Japan in namhaften Museen gezeigt. Die 1994 eröffnete Galerie im Kellergeschoß des "Hauses der Künstler" fand vor sieben Jahren Platz in der Nachbarschaft. Dieser 3500 Quadratmeter umfassende ehemalige Pavillon der Krankenanstalt bietet nun Platz für Ateliers als Ort öffentlicher Diskussion, in dem die Gugginger Künstler arbeiten und Kontakte pflegen können, aber auch Symposien stattfinden. Ein Café ist geplant und im ersten Stock ist mit immer noch 1300 Quadratmetern das Museum untergebracht.

Pflug am Kunstacker

Im Jahr 2000 wurde Gugging zur einzigen selbstständigen Sozialhilfeeinrichtung des Landes, die sich problemlos selbst erhält. Die Idee einer Stiftungssammlung und eines Museums war die logische Folge. Anders als in der "Collection de l’Art brut" in Lausanne, ist hier die Öffnung nach außen und die Kontaktnahme mit Künstlern aller Welt Strategie.

Zur Eröffnung wird die Ausstellung "Blug–vier Jahrzehnte Kunst aus Gugging" präsentiert, Planungen gehen in Richtung Art Brut, wie sie der Franzose Jean Dubuffet verstand: Als eine Kunst, die sich ursprünglichen Phänomenen widmet, die unangepasst und persönlich geprägt ist und nicht den gängigen Moden folgt. Neben dem hauseigenen Bestand haben bekannte Privatsammler wie Helmut Zambo Werke für diese Schau gegeben – der Titel wurde von einem Werk Franz Kernbeis’ übernommen: Blug ist ein Neologismus und meint den Pflug, der für dieses Haus den Acker bereitet hat.

Neben den Stars, wie Hauser, August Walla, Oswald Tschirtner und den heute immer noch arbeitenden Johann Garber oder Johann Korec, sind erstaunliche Blätter aus den Siebzigerjahren zu sehen. Dabei die seltsam romantischen Bleistiftzeichnungen von Otto Prinz, Philipp Schöpkes grimmige Figuren mit Herz, die geschriebenen Landschaften von Johann Fischer oder die Übermalungen von Erich Zittra und Rudolf Limberger. Hier und in einem Katalogbuch mit Texten, etwa von Jane Kallir über die Gugginger und Amerika, gibt es noch einiges zu entdecken.

Aufzählung Guggings Weg zur Art Brut:

Als Johann Feilacher vor 23 Jahren als Arzt in die Landesnervenklinik kam, lebten in dem von Leo Navratil gegründeten Zentrum für Kunst-Psychotherapie 18 Personen. Als Nachfolger Navratils benannte er die Einrichtung in "Haus der Künstler" um. Seit den Siebziger-Jahren sind die "Künstler aus Gugging" als wesentliche Vertreter der Art Brut weltweit bekannt. Art Brut steht für "ursprüngliche und unbeeinflusste" Kunst, die von persönlicher und unangepasster Formensprache zeugt.

Aufzählung Museum Gugging – Art / Brut Center

Ausstellung "Blug": 30. Juni bis 14. Jänner 2007

3400 Maria Gugging/Klosterneuburg, Hauptstraße 2 http://www.gugging.org/

Gelungene Vision.

Donnerstag, 29. Juni 2006


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