Der Beatles-Song vom "Fool on the hill", der das
Drehen der ganzen Welt beobachtet, ist mit dem fast vollendeten Museumsbau
über dem Ort Maria Gugging wahr geworden. Hier, auf dem Areal der
einstigen Psychiatrie, geht es allein um den künstlerischen Aspekt der
Werke, und das schon seit Johann Feilacher die Nachfolge von Leo Navratil
antrat. Was Navratil in den Sechziger-Jahren als Beschäftigungstherapie
voll Interesse begonnen hatte, wurde in den letzten drei Jahrzehnten
weltbekannt.
Bilder des verstorbenen Johann Hauser erzielten auf Auktionen
Spitzenpreise und wurden bis Japan in namhaften Museen gezeigt. Die 1994
eröffnete Galerie im Kellergeschoß des "Hauses der Künstler" fand vor
sieben Jahren Platz in der Nachbarschaft. Dieser 3500 Quadratmeter
umfassende ehemalige Pavillon der Krankenanstalt bietet nun Platz für
Ateliers als Ort öffentlicher Diskussion, in dem die Gugginger Künstler
arbeiten und Kontakte pflegen können, aber auch Symposien stattfinden. Ein
Café ist geplant und im ersten Stock ist mit immer noch 1300 Quadratmetern
das Museum untergebracht.
Pflug am Kunstacker
Im Jahr 2000 wurde Gugging zur einzigen selbstständigen
Sozialhilfeeinrichtung des Landes, die sich problemlos selbst erhält. Die
Idee einer Stiftungssammlung und eines Museums war die logische Folge.
Anders als in der "Collection de l’Art brut" in Lausanne, ist hier die
Öffnung nach außen und die Kontaktnahme mit Künstlern aller Welt
Strategie.
Zur Eröffnung wird die Ausstellung "Blug–vier Jahrzehnte Kunst aus
Gugging" präsentiert, Planungen gehen in Richtung Art Brut, wie sie der
Franzose Jean Dubuffet verstand: Als eine Kunst, die sich ursprünglichen
Phänomenen widmet, die unangepasst und persönlich geprägt ist und nicht
den gängigen Moden folgt. Neben dem hauseigenen Bestand haben bekannte
Privatsammler wie Helmut Zambo Werke für diese Schau gegeben – der Titel
wurde von einem Werk Franz Kernbeis’ übernommen: Blug ist ein Neologismus
und meint den Pflug, der für dieses Haus den Acker bereitet hat.
Neben den Stars, wie Hauser, August Walla, Oswald Tschirtner und den
heute immer noch arbeitenden Johann Garber oder Johann Korec, sind
erstaunliche Blätter aus den Siebzigerjahren zu sehen. Dabei die seltsam
romantischen Bleistiftzeichnungen von Otto Prinz, Philipp Schöpkes
grimmige Figuren mit Herz, die geschriebenen Landschaften von Johann
Fischer oder die Übermalungen von Erich Zittra und Rudolf Limberger. Hier
und in einem Katalogbuch mit Texten, etwa von Jane Kallir über die
Gugginger und Amerika, gibt es noch einiges zu entdecken.
Guggings Weg zur Art Brut:
Als Johann Feilacher vor 23 Jahren als Arzt in die Landesnervenklinik
kam, lebten in dem von Leo Navratil gegründeten Zentrum für
Kunst-Psychotherapie 18 Personen. Als Nachfolger Navratils benannte er die
Einrichtung in "Haus der Künstler" um. Seit den Siebziger-Jahren sind die
"Künstler aus Gugging" als wesentliche Vertreter der Art Brut weltweit
bekannt. Art Brut steht für "ursprüngliche und unbeeinflusste" Kunst, die
von persönlicher und unangepasster Formensprache zeugt.
Museum Gugging – Art / Brut
Center
Ausstellung "Blug": 30. Juni bis 14. Jänner 2007
3400 Maria Gugging/Klosterneuburg, Hauptstraße 2 http://www.gugging.org/
Gelungene Vision.
Donnerstag, 29. Juni
2006