| Zähflüssige Zeit | |
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Die "Manifesta 4" dauert bis 25. August. |
Als die Manifesta vor zwei Jahren in
Ljubljana stattfand, war damit ein Ort gewählt worden, der die Politizität
der Ausstellung geradezu erzwang: Die Hauptstadt eines aus der
Konkursmasse des zerfallenen Jugoslawien entstandenen Staates, der, nach
Westen orientiert, bis heute außerhalb der Festung Europa liegt. Seit Freitag hat sich die Manifesta in Frankfurt verankert. Zu sehen
sind Arbeiten von mehr als 80 Künstlern aus rund 30 Ländern. Die Schau,
die alle zwei Jahre in einer anderen Stadt organisiert wird, verteilt sich
auf viele Orte im Stadtgebiet. Frankfurt als finanzielles Zentrum der Festung Europa steht in einem
Gegensatz zum vorigen Veranstalter Ljubljana. Daraus hätten sich Funken
schlagen lassen. Davon war wenig zu sehen. Vorrang des Ökonomischen Die Pressekonferenz am Morgen vor der Eröffnung gab darauf einen
Vorgeschmack: Erst nachdem mehr als eine halbe Stunde lang Sponsoren und
Veranstalter mit Selbstlob und Danksagungen nicht gegeizt hatten, kamen
die drei Kuratorinnen zu Wort. Wurde solcher Art der Vorrang des Ökonomischen vor dem Künstlerischen
inszeniert, setzten Iara Boubnova, Nuria Enguita Mayo und Stéphanie
Moisdon Trembley dem auch inhaltlich wenig entgegen. Keine übergreifende Thematik Die Kuratorinnen erklärten das Fehlen einer übergreifenden Thematik
etwas tautologisch damit, dass sie die Arbeit der Künstlerinnen und
Künstler nicht hätten einengen wollen. Auf die Frage, ob sie ihre kuratorische Arbeit dennoch als politische
Kritik an der gegenwärtig in Bildung begiffenen europäischen Identität
verstanden wissen wollten, war ihre Antwort kaum präziser: Was Europa sei,
würde schließlich subjektiv und sehr verschieden definiert.
Mangel an inhaltlicher Bestimmung Die mit diesem Mangel an inhaltlicher Bestimmung einhergehende
Diffusität der Ausstellung vermochten auch starke künstlerische Positionen
nicht wettzumachen. Davon gab es allerdings einige. So etwa "Installation ohne Titel" der Polin Monika Sosnowskas aus neun
kleinen quadratischen Zimmern, die miteinander durch Türen verbunden sind
und die das Raumgefühl binnen kurzer Zeit verwirren, die so
zurückhaltenden wie intelligenten autobiografischen Videos des in Wien
aufgewachsenen Chinesen Jun Yang und das ebenfalls beeindruckende Video
"Trembling Time" der Israelin Yael Bartana: Von der Brücke über eine
Autostraße am Gedenktag für die israelischen Soldaten aufgenommen,
verlangsamen sich für die Schweigeminute nicht nur die Autos, sondern mehr
und mehr auch der Film - das Dokumentarische erstarrt langsam in der immer
zähflüssiger werdenden Zeit.
Nächste Manifesta in San Sebastian Die Manifesta des Jahres 2004 wird übrigens in San Sebastian
stattfinden; das kuratorische Team ist noch nicht benannt. Zu wünschen wäre, dass sich das inhaltliche Profil der Manifesta an
Ausstellungsort und -zeitpunkt schärft: Die Stadt steht als eines der
Zentren der baskischen Autonomiebewegung stellvertretend für die
ungelösten regionalen Probleme innerhalb der EU, deren Osterweiterung in
zwei Jahren neben anderen Ländern auch Slowenien umfassen könnte. Link: Manifesta 4 | ||||||