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| 23.02.2006 - / Ausstellung | ||
| Das Beste aller möglichen Schauen | ||
| VON SABINE B. VOGEL | ||
| Ausstellung. Einmal um die ganze Welt - der Biennale-Cuvée im OK Centrum Linz. | ||
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A
Dort sieht man jetzt eine Mischung, die eine eigenartige Stimmung erzeugt: in allen Stiegenhäusern und auf allen Ebenen der ehemaligen Schule verschiedenste Stimmen und Klänge. Das dominierende Medium ist Video, meist mit dokumentarischen Elementen. Besonders trickreich ist Karl-Heinz Klopf. Als ortsspezifische Installation ließ er in Istanbul einige Stufen mit Spotlights anleuchten. Im Video unterlegt er diese mäßig interessanten, statischen Bilder mit dem suggestiven Stimmengewirr der euro-asiatischen Metropole. Dieser Sound legt sich dann wieder über Donna Conlons Video der Hochhauslandschaften aus weggeworfenen Dingen - und konkurriert mit Juan Manuel Echavarrias Videos, in denen Männer in Sprechgesang vom Tod und Leid in ihrer Heimat Bogotá singen.
Erstaunlicherweise stören diese Überlagerungen keineswegs. Denn dieser Cuvée hat den Beigeschmack eines Bazars, auf dem sich fernöstliche und westliche Themen und Ästhetiken treffen. So geht in Calin Dans Installation ein Mann mit einer Tür auf dem Rücken durch Bukarest, projiziert auf vier Leinwänden, untermalt von rumänischer Volksmusik und einheimischem Hiphop. In der Installation der Kirgisen Muratbek Djoumaliev & Gulnara Kasmalievas singen Frauen volkstümliche Balladen - das war in Venedig im zentralasiatischen Pavillon ausgestellt und handelt vom Phänomen der "Kofferhändler" der Post-Sowjetunion. Im Erdgeschoß agieren Hollywood-Stars in Candice Breitzs Zusammenschnitt in klischeegeprägten Mütter- und Väterszenen, und Deimantas Narkevicius lässt ein Doku-Video der laut bejubelten Demontage eines Lenin-Denkmals rückwärts laufen.
Auf den Schildern nennen die Kuratoren die jeweilige Biennale-Zuordnung, die allerdings durcheinander gemischt sind. Nur der installative Teil "Black Market Worlds" mit 15 Beiträgen ist als kompakte Neuinszenierung der baltischen Triennale in Vilnius zusammengefasst. Dank dieser Zusatzinformationen ist es durchaus interessant zu sehen, wo man welches Werk übersehen hat - etwa in Prag sowohl Isabelle Kriegs aufgetürmte Kaffeetassen mit Schmutzresten, in die die Schweizerin Zeichnungen zaubert, wie auch Qin Gas Fotografien seiner Rücken-Tätowierungen des Langen Marsches, von Mao zur Machtstärkung unternommen und später vom Künstler nachgewandert.
Abgesehen von solchen Selbstüberprüfungen bietet dieser Cuvée vor allem eins: einen Überblick über auffällige Tendenzen der aktuellen Kunst. So fällt zunächst auf, dass der Großteil der Werke aus Ländern des Mittleren und Fernen Osten kommt. Während die wenigen Beiträge der westlichen Kultur eher ums Eigene kreisen, wie Markus Huemers Video oder Gerwald Rockenschaubs ästhetizistische Flash-Animationen, konzentrieren sich die übrigen Werke auf gesellschaftsbetrachende und identitätssuchende Themen. So lautete das Motto der letzten Sharjah-Biennale etwa "Belonging". Und in Istanbul stand die gesamte Stadt in ihrer kulturellen, architektonischen und politischen Komplexität zur Debatte.
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