Wenn die Sommerschau der Bawag Foundation sich dem
Thema Humor verschreibt, klingt das wie ein Kommentar auf die Situation
des Mutterhauses – allerdings war das Thema schon lange von den
Kuratorinnen Gitti Huck und Christine Kintisch geplant. Es gehört zur
ästhetischen Strategie der Postmoderne, mit Ironie zu arbeiten. Etwa
Buster Keatons Film "One Week" von 1921 zeigt an Hand des misslingenden
Selbstbaus eines Fertigteilhauses, dass Lachen in der Kunst immer gefragt
war.
Komisch wirkt ein Objekt, das sich entweder gegen den Menschen
verschwört, wie die Falle von Andreas Slominski und das Passstück "Tachtl"
von Franz West, oder eine Kettenreaktion auslöst, wie der Videoklassiker
"Der Lauf der Dinge" von Peter Fischli/David Weiss. Trophäen für seltsam
anmutende Taten kombinieren die Schweizer Andres Lutz/Andres Guggisberg,
einer steht offenbar für die Idiotie der Gutmütigkeit: "sah die wahrheit
und liess alle daran teilhaben."
Der größte Teil widmet sich jedoch dem Versagen des Menschen als Trost
für den anderen, dem es ähnlich ergeht. Peinliche Stürze neben Passanten
liefert Friedrich Kunath in seinem Video "After a While You Know The
Style." Auf andere Künstler reagieren Marcus Geiger, die Gruppe Gelitin
und Jonathan Monk. Letzterer öffnet ganz einfach einen geschlossenen Kubus
von Sol LeWitt und führt den Minimalismus ad absurdum.
Die Mitglieder von Gelitin haben sich 2001, eingedenk des Werks "Der
Sprung ins Leere" von Yves Klein aus den Sechzigerjahren, in die Kanäle
von Venedig fallen lassen. Marcus Geiger überzieht nicht nur Picassos
kubistische Damenporträts mit Frotteerahmen, er macht mittels Diashow aus
Bruce Naumans apokalyptischen Warnungen gestikulierender Neonröhrenfiguren
das scheiternde Erotikduett eines alltäglichen Paares.
Geteert und gefedert
Am eigenen Ast sägen und dabei stoisch auf den Untergang warten, das
erreicht Peter Land im Video "The Lake", indem er ein Loch in sein Boot
schießt und nichts gegen das eindringende Wasser unternimmt. Die
Überheblichkeit des Städters geißelt Rodney Graham in seinem Kostümfilm
"City Self/Country Self" von 2000. Übertreibung, Skurrilität und
Verrücktheit machen auch dem Anwalt "Mr.Pickup" das Leben schwer und
Betrachter von John Pilsons Video zum schadenfrohen Voyeur.
Heimo Zobernig nützt eine Säule als geteerte und gefederte Nichtigkeit
und markiert den Künstler als Erfinder von Gesten der Lächerlichkeit, die
ein zweiter imitiert. Manchmal ist es eher die Peinlichkeit oder der
Sarkasmus, der hier hervortritt – das gilt für den von Franz West
porträtierten Galeristen mit heruntergelassener Hose .
Die wenigen weiblichen, doch scharf gewürzten Beiträge sind von
Rosemarie Trockel und Aleksandra Mir: Der Tuschezeichnung von Deutschlands
bekanntester Objektkünstlerin liegt die akrobatische Rolle der Frau als
Macho-Sheriff, als feministisches Statement zu Grunde: "Die legendäre
Ei-Ronny."
Nothing But Pleasure
Bawag Foundation
Mo-Sa 10-18 Uhr
Wien 1, Tuchlauben 7a
Bis 26. August
http://www.bawag-foundation.at/
Lacherfolge.
Freitag, 30. Juni
2006