


Die Retrospektive hat zuvor schon im Martin-Gropius-Bau in Berlin für einen BesucherInnenrekord gesorgt.
Wien - Die mexikanische Malerin Frida Kahlo gehört zu den renommiertesten und bekanntesten KünstlerInnen ihres Landes. Ihre Bilder beschäftigen sich mit Schmerz, Sexualität und Weiblichkeit, ihr Leben war gekennzeichnet von schweren Schicksalsschlägen und der mexikanischen Revolution:Spätestens seit dem zweifach oscarprämierten Film "Frida" mit Selma Hayek in der Hauptrolle ist die Mexikanerin auch einem breiteren Publikum ein Begriff. Der 1954 verstorbenen Künstlerin widmet das Kunstforum Wien ab 1. September eine umfassende Retrospektive, die zuvor schon im Martin-Gropius-Bau in Berlin für einen BesucherInnenrekord gesorgt hat.
Geboren wurde Kahlo am 6. Juli 1907 in Mexiko-Stadt, auch wenn sie selbst immer wieder das Jahr des Revolutionsausbruchs in Mexiko (1910) als Geburtsjahr angegeben hat. Aufgezogen in einem behüteten Elternhaus fesselte sie ein schwere Unfall im Alter von 18 Jahren ans Bett. Ihr Schulbus wurde von einer Straßenbahn gerammt, wobei sich eine Eisenstange in ihren Unterleib bohrte. Im Laufe des Genesungsprozesses griff die junge Frau noch im Krankenbett erstmals zu Leinwand und Pinsel, die Verletzungen an Rückgrat, Becken und Bein sollten sie dennoch Zeit ihres Lebens verfolgen.
Zwischen nüchterner Sachlichkeit und Surrealismus
Der Hauptbestandteil ihres knapp 200 Werke umfassenden künstlerischen Schaffens sind Selbstporträts. Diese wie auch ihre restlichen Werke pendeln zwischen nüchterner Sachlichkeit und Surrealismus. Neben dem Versuch, durch ihre Kunst den Unfall und die langwierigen Folgeerscheinungen zu verarbeiten, klang auch Kahlos Bisexualität in den Arbeiten an. Politische Aspekte mischte die überzeugte Revolutionsanhängerin mit persönlichen Themen. In späteren Jahren entwickelten sich ihre Selbstbildnisse hin zu Werken mit autoritärem Charakter: Sie inszeniert sich als anbetungswürdige Figur.
Wesentlichen Einfluss auf das Schaffen von Kahlo hatte ihr Ehemann Diego Rivera, den sie 1929 heiratete. Die Ehe mit dem um 21 Jahre älteren Maler kann getrost als turbulent bezeichnet werden. Von Beginn an war ihr Rivera untreu und betrog Frida u.a. mit ihrer eigenen Schwester. Aber auch sie hatte Affären, beispielsweise mit dem russischen Revolutionär Leo Trotzki, dem das Künstlerehepaar 1937 Zuflucht gewährte. Nachdem sich Kahlo und Rivera 1939 scheiden ließen, folgte nur ein Jahr darauf die erneute Eheschließung.
Im Schatten Riveras
Während ihr Ehemann schon zu Lebzeiten Erfolg genießen konnte, stand Frida meist in dessen Schatten. Erst ein Jahr vor ihrem Tod kam es zur ersten Einzelausstellung ihrer Werke in Mexiko und es sollte bis in die 1980er Jahre dauern, da ihre künstlerische Hinterlassenschaft mehr Anerkennung fand: In den USA lebende Mexikanerinnen entdeckten Kahlo und ihre Werke als Identifikationsfläche, im weiteren Verlauf sollten auch amerikanische Feministinnen auf die Künstlerin aufmerksam werden. Wie begehrt Kahlos Arbeiten mittlerweile sind, zeigte etwa die Versteigerung des Bildes "Raices" (Wurzeln) 2006 in New York, das für 5,6 Millionen Dollar (4,4 Millionen Euro) von einem anonymen Bieter ersteigert wurde.
Am 13. Juli 1954 verstarb Frida Kahlo nach langer Krankheit, drei Jahre darauf ihr Ehemann Rivera. Heute ist ihr Elternhaus, das "Blaue Haus" im Stadtteil Coyoacan, eines der meistbesuchten Museen in Mexiko-Stadt. Nach einem halben Jahrhundert wurde 2007 der Privatbesitz von Kahlo und Rivera erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Frida Kahlo Retropspektive im Kunstforum Wien ist bis zum 5. Dezember zu sehen. (APA)
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