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Kunsthalle project space: documenta 5

Das Überschreiten von eurozentristischer Ästhetik

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Debattieren Sie mit!Parallel zur documenta 11 in Kassel findet bis 28. Juli im project space der Kunsthalle Wien am Karlsplatz eine Dokumentationsschau und ein Reigen von Diskussionen zur legendären documeta 5 (1972) mit dem Untertitel "Skandal und Mythos. Eine Befragung des Archivs zur documenta 5" statt. In den Gesprächen, die Kuratorin Gabriele Mackert mit Journalisten, Theoretikerinnen und Theoretikern sowie Künstlern, der Archivleiterin in Kassel und Beteiligten von damals führt, zeichnet sich ab, dass schon 1972 mit der Erweiterung der Kunstfelder und auch des typisch eurozentristischen Kunstverständnisses begonnen wurde.
Der damalige Leiter, der Schweizer Ausstellungsmacher Harald Szeemann, wird nicht nur am 24. Juli selbst Stellung nehmen, er ist auch in den fotografischen, brieflichen, filmischen und anderen Dokumenten präsent. Seine Slogans und Begriffe von damals zählen heute zum Repertoire der Kunsthistoriker. Die "individuellen Mythologien" setzten von Europa aus ein Ende der amerikanischen Dominanz nach 1954, der erste Blick in fremde Kulturen, aber auch in die Reiche der Außenseiter wie Kunst der Geisteskranken oder in die Volkskunst wurde getan.
Legendär ist aber auch die didaktische Note dieser documenta 5: Nicht nur Joseph Beuys fand sich ein, um mit seiner permanenten Anwesenheit im "Büro für direkte Demokratie" und selbst in Boxkämpfen für das Publikum Kunst neu aufzubereiten und durch Reden verständlicher und politischer zu machen. Die rote Rose in einer Glasvase und die nach Rudolf Steiner welt-modellhaft beschriebene Tafel waren dabei seine ständigen Begleiter.
Auch Gottfried Bechtold diskutierte im Café mit Besuchern - die Künstler milderten erstmals ihre "Autorschaft" gegenüber dem soziokulturellen Engagement ab. Bazon Brock stellte sich für Szeemanns Schule des Sehens zur Verfügung, doch eben dieses "Formen" der Besucherinnen und Besucher wird heute als überholt gesehen. Die documenta 11 mit ihrem afrikanischen Leiter Okwui Enwezor will nicht nur noch weiter über die westlichen Grenzen hinauslenken, sie gibt auch keine Leitlinie vor, kein Logo wie damals am Giebel des Fredericianums mit "Kunst ist überflüssig" (Ben Vautier). Ein Spruch, der die Jahre nach 1968 kennzeichnete.
Die Beiträge der Wiener Aktionisten, der Gruppe Hausrucker mit ihrer experimentellen Architekturglasblase am Außenbau, aber auch die amerikanischen Hyperrealisten, die Arte povera Künstler, ganze fünf Künstlerinnen (! Hanne Darboven und Hilla Becher sind auch 2002 vertreten), Nauman, Thek, de Andrea, u. v. a. sind auch einzeln in einem Zettelkasten mit Material zu ihrem Werk zu befragen, diese und weitere Präsentationen zu den Teilnehmern hat Sabine Groß erstellt, Christian Jankowski widmete sich der umstrittenen Person Szeemann von damals und Thomas Rehberger entwarf das variable Stellwandsystem, mit dem das Archiv eben so wie nach Wien wandern kann. Für alle Interessierten eine spannende kleine Schau wie der 2. Band der Schriftenreihe der Kunsthalle.

Erschienen am: 17.07.2002

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bullet Kunsthalle project space: documenta 5

bullet Galerie Ulysses: Skulpturen von Maria Lassnig

bullet Heiligenkreuzerho f: Fons Matthias Hickmann

bullet Galerie Carinthia im Stift Ossiach: Ausstellung, Symposion

bullet Die Sammlerleidensch aft des 19. Jahrhunderts in der ÖNB

bullet Quer durch Galerien: Galerie Steinek, Galerie Chobot

bullet Burgenländische Landesgalerie: Peter Pongratz

bullet Quer durch Galerien: Galerie Ariadne; Galerie Lang

bullet WestLicht Schauplatz für Fotografie: Christine de Grancy

bullet "stein - leben": Zwei Ausstellungen von Ulrike Truger

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