| Die Sammlung EVN | |
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Seit Kunstsponsoring steuerlich absetzbar ist, florieren die
Kunstsammlungen von Unternehmen. Auch die EVN betrachtet ihre
Kunstsammlung als Transportmittel für ein zeitgemäßes Leitbild des
Unternehmens im Spagat zwischen Tradition und Modernisierung.
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Wenn von Kunst-Sammeln in Österreich
gesprochen wird, ist man bald mit einem Gemeinplatz konfrontiert.
Hierzulande gäbe es nämlich kaum eine Sammlerkultur, kein Mäzenatentum und
keine Stiftungen, die zur Belebung des Marktes beitragen könnten, heißt es
oft. Dass das nur teilweise stimmt, zeigt etwa der Boom der jährlichen
Messe KunstWien. Grundsätzlich verändert jedoch hat sich die Situation mit
dem Sponsoring-Erlass des Jahres 1988. Seither ist die steuerliche
Absetzbarkeit von Kunstankäufen durch Unternehmen möglich. Beispiele In Folge dessen wurde zum Beispiel die Generali Foundation als gemeinnütziger
Kunstverein der Versicherungsgruppe begründet. Es wurde eine für
Österreich einzigartige Skulpturen- und Medienkunstsammlung aufgebaut und
später eine eigene Kunsthalle in der Nähe des Wiener Stadtzentrums
eröffnet. Eine ganz andere Größenordnung hat das im letzten Jahr fertig gestellte
Museum der Sammlung
Essl in Klosterneuburg. Das Ehepaar Agnes und Karl-Heinz Essl sammelt
Kunst aus verschiedensten Richtungen auch aus persönlicher Leidenschaft.
Der Aufbau der Sammlung wiederum hat lange vor dem Sponsoring-Erlass
begonnen. In beiden Fällen jedoch sind es starke kunstinteressierte
Persönlichkeiten, die für die Begründung der Sammlung verantwortlich sind:
einerseits eben das Ehepaar Essl und anderseits der Generaldirektor der
Generali-Gruppe, Dietrich Karner. Auch im Fall des Energieunternehmens EVN war es zunächst die Initiative von
Generaldirektor Rudolf Gruber. Wie vielerorts ist auch die Kunstsammlung
der EVN eines der Transportmittel für ein zeitgemäßes Leitbild des
Unternehmens im Spagat zwischen Tradition und Modernisierung. Professionelles Management Um eine Sammlung aufzubauen, die internationalen Maßstäben genügt, hat
die EVN einen so genannten Kunstrat begründet. Diesem gehört unter anderem
der Kurator Hans Ulrich Obrist an, der in Wien spätestens seit der
Großausstellung Cities
On The Move (siehe auch telepolis
oder springerin)
in der Secession ein Begriff ist. Weiters vertreten in diesem Komitee sind
die Kuratorin und Kritikerin Brigitte Huck oder der Galerist Georg
Kargl.
Ausstellungsrundgang Zugleich fällt auf, dass spezifische Positionen der 90er Jahre
vertreten werden. Mit der amerikanischen Malerin Elisabeth Peyton zum
Beispiel, der es um Pop und Glamour geht, die sich zugleich aber an
klassischen Formen des Porträts orientiert. Oder eine Arbeit des Briten
Cerith Wyn Evans: eine Neonschrift, die kreisförmig wie ein Luster von der
Decke hängt. Evans spricht von romantischem Nihilismus.
Aber auch Namen wie Heimo Zobernig, Christine und Irene Hohenbüchler
oder Carsten Höller stehen für die 90er Jahre: für eine kritische
Befragung des Kunstbetriebs genauso wie für das Einbringen persönlicher
Optionen und für das Nicht-Akzeptieren von Genregrenzen. Dazu Ausstellungskurator Thomas Trummer: "Wenn man in dieser
Ausstellung auf Malerei trifft ist es nie Malerei im Sinne der klassischen
Avantgarde, sondern es ist eine Malerei durch ein anderes Medium, sei es
Film, Mode oder Fotografie."
Abgrenzung zu anderen Sammlungen Weil die Sammlung der EVN erst seit 5 Jahren existiert, konnte sie
somit ganz anders positioniert werden als die weitaus größere und
traditionsreiche Sammlung der BAWAG. Sie
umfasst rund 900 Werke. In letzter Zeit wurden Klassiker der zweiten
Hälfte des 20. Jahrhunderts angekauft, darunter Ross Bleckner, Pierre
Alechinsy, Karel Appel, Daniel Spoerri. Konsequenz und Nachhaltigkeit lautet hier einer der Leitbegriffe. Im
Unterschied dazu zentriert die Generali Foundation ihre Tätigkeit um
Begriffe wie "Fortschritt" und "Qualität". Einem Versicherungsunternehmen
gemäß steht auch das Bewahren von Werten im Vordergrund - natürlich
solcher der Avantgarde. Daher wurden etwa Werke der Medienkunst
restauriert. Kunst.Welt.Vermittlung Wesentlich für Firmensammlungen sind auch jene Ideen, die nach innen
transportiert, also den Mitarbeitern vermittelt werden. EVN-Sprecher
Stefan Szyskovits erklärt dazu, dass viele künstlerische Arbeiten der
letzten Jahre Momente der Verunsicherung und in einer kaum als Ganzes
erfassbaren Welt reflektieren. "Einer der grundlegenden Gedanken dieser
Sammlung ist", meint Szyskovits, "dass die Auseinandersetzung mit
zeitgenössischer Kunst im Unternehmen das widerspiegelt, was wir als
Energieversorger selbst erleben, nämlich dass sich unser Marktumfeld
komplett verändert. Die Sammlung ist der Versuch, den Wandel in der
Gesellschaft zu beschreiben, zu verstehen, und das ist auch die
Voraussetzung für unseren zukünftigen Unternehmenserfolg." Aber auch ohne ausführliche Gedanken an die Konjunkturlage eines
Unternehmens lässt sich diese Ausstellung der EVN im Belvedere
durchwandern. Dann nämlich wirkt sie wie die Gegenwartsabteilung eines
Museums Moderner Kunst, in der auch Soziales und in verschiedenen Formen
Körper, Geschichte oder Architektur thematisiert werden. Tipp "There is something you should know": die EVN-Sammlung in der Österreichischen Galerie Belvedere | ||||||||