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Martin Buergel wird Leiter der documenta 2007 In Wien lebender Publizist und Kurator bekommt einen der begehrtesten Jobs der Kunstwelt - "Ich will meine Macht nicht nur teilen, sondern sie abgeben.". Wien/Kassel (APA) - In Kassel wurde heute, Mittwoch, der künstlerischen Leiter der documenta 12 vorgestellt, die vom 16. Juni bis 23. September 2007 stattfinden wird. Diesen prestigeträchtigen Job bekommt ein deutscher Kurator und Theoretiker mit Wien-Bezug: Der 41-Jährige Deutsche Roger Martin Buergel wurde vom Aufsichtsrat der Kunstschau gemäß einer Empfehlung der internationalen Auswahlkommission zum neuen documenta-Leiter bestellt. Kassels Oberbürgermeister Georg Lewandowski erklärte, die documenta sei fester Bestandteil der Stadt und das kulturelle Pfund, mit dem die Stadt am meisten wuchern könne. Der neue künstlerische Leiter biete mit seinem Konzept die Gewähr dafür, dass die documenta auch in Zukunft ihre herausragende Stellung in der Welt bewahren werde.Wie sein Vorgänger will Buergel Kunstschaffende aus "in der Kunstwelt unterbelichteten Weltgegenden" präsentieren. "Die documenta ist von Natur aus global", sagte der neue Leiter der dpa. Er will den Gästen viel Autonomie einräumen: Künstlergruppen und Kollektive sollen sich selbstständig und eigenverantwortlich präsentieren können. "Ich will Schluss machen mit der neurotischen Fixierung auf den Künstlerischen Leiter und meine Macht nicht nur teilen, sondern sie abgeben." Er wolle keine Räume vollstellen sondern eine "informelle, überschaubare und politische" Ausstellung machen. Der Sprecher der Findungskommission, Gavin Jantjes aus Oslo, bezeichnete Buergel als "außergewöhnliche Persönlichkeit, von der man sich eine Neudefinition des Ausstellungsmachens" erhoffe. Buergel habe das überzeugendste Konzept vorgelegt. Die Findungskommission verspreche sich von Buergel, dass "die Würde zurückkehrt in einer Zeit des Spektakels". Kurz nach der Bekanntgabe wurde die Pressekonferenz wegen lautstarker Studentenproteste gegen die Sparpolitik der hessischen CDU-Landesregierung abgebrochen. Hunderte Studenten trommelten gegen Glaswände, klatschten, pfiffen oder läuteten mit Glocken. Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) wurde mit einer Torte beworfen und dann unter Polizeischutz aus dem Saal geführt. Buergel wurde im September 1962 in West-Berlin geboren und studierte 1983-87 an der Wiener Kunstakademie sowie 1986-89 und an der Universität Wien Philosophie und Wirtschaftswissenschaften. 1985-87 war er außerdem Privatsekretär des österreichischen Künstlers Hermann Nitsch. Ende der neunziger Jahre absolvierte er einen Studienaufenthalt in den USA. Seit 2001 ist er auch als Lektor an der Universität Lüneburg tätig. Als Kurator verschiedener Ausstellungen hat er sich jungen internationalen Künstlern gewidmet, die in ihrer Arbeit politische und soziale Themen behandeln. Für den Kunstraum der Universität Lüneburg bereitet er zur Zeit die Ausstellung "Die Regierung" vor. Diese Ausstellung wird 2005 auch in der Secession Wien zu sehen sein. Bei der Expo 2000 in Hannover zeigte er die Schau "Gouvernementalität. Wie wir regiert werden wollen". Für die Generali Foundation in Wien kuratierte er im Jahr 2000 die Schau "Dinge, die wir nicht verstehen". Weitere Kuratorentätigkeit führte ihn u.a. nach Leipzig, Laibach und Moskau. Heuer erhielt Buergel den erstmals verliehenen "Walter Hopps Award for Curatorial Achievement" der "Menil Collection" in Houston, Texas. In Wien zählt er zu den Gründungsmitgliedern, Übersetzern und wesentlichen Mit-Autoren der Kunstzeitschrift "springerin". Seit 1983 lebt Buergel mit seiner Lebensgefährtin, der Kunstkritikerin und Kuratorin Ruth Noack, in Wien, mit der er auch viele berufliche Projekte gemeinsam entwickelt. Vor drei Wochen kam das erste Kind des Paares zur Welt. 2003-12-03 16:42:03 |