Wiener Zeitung · Archiv


Kunstberichte

Es brodelt im Labor

Eine MAK-Schau zeigt die "The Essence" der Angewandten im Jahr 2006
Illustration
- „Cyclotron2“ – ein transmedialer Bewegungsgenerator der Abteilung Digitale Kunst.  Foto: Philipp Lammer

„Cyclotron2“ – ein transmedialer Bewegungsgenerator der Abteilung Digitale Kunst. Foto: Philipp Lammer

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Die Unübersichtlichkeit ist Absicht – aber zum Glück gibt es einen Übersichtsplan, welche Institute hier in einem offenen Raumspiel auftreten.

Edek Bartz, schon als Leiter der Wiener Kunstmesse auf Gemeinschaftsprojekte spezialisiert, hat nun im MAK eine Art Labor, eine Gedankenwerkstatt für die Universität für angewandten Kunst entstehen lassen: Vor Nestern angehäufter Kunst können sich Besucher im Vortragssaal über die Trickfilmergebnisse des Instituts von Christian Ludwig Attersee ebenso informieren wie über Bühnen- und Filmgestaltung von Bernhard Kleber. Im Eingangsbereich empfangen Bilder und Teppiche der erweiterten Malereiklasse Attersees, auch Kleber tritt mit Schülern neben dem Industrial Design von Paolo Piva und der Fotografie des Instituts von Gabriele Rothemann auf. Das Landschaftsdesign der Schüler von Mario Terzic stellt sich auf das Ödland der Passage Wien-Bratislava ein.

Durch die Klassen

Interessante Druckgrafikbeiträge des Instituts von Sigbert Schenk spielen mit dem wichtigen Duett von Sprache und Zeichen und stellen eine Art labyrinthisches Haus für die Bilder des zweiten Instituts für Malerei von Johanna Kandl. Dabei fallen nicht nur seltsame Porträtstudien nach Fotografien auf, sondern auch eine Paraphrase der Deutschen Kunstschau im München der Vierzigerjahre. Auf dem relativ großen Gemälde bietet sich ein monumentales Bildformat neben Skulpturen von Arno Breker als weiße Leerstelle dar. Das Bild im Bildhintergrund stellt die Frage, was die Ästhetik der Nazikunst heute bedeuten kann.

Spektakulär neben diesem Einbau ist auch das dekonstruktive Sperrholzhaus, das Werke des Instituts für Bildhauerei/Plastik/Multimedia von Erwin Wurm beherbergt. Weniger auffällig die plastischen Arbeiten der Bildhauerei des Instituts von Gerda Fassl. Auf einer Stellage mit Sammelgut fragen Studenten für Digitale Kunst (Thomas Fürstner), ob sie denn überhaupt als Künstler eingeschätzt werden.

Minimalistisch, doch eindrucksvoll sind Arbeiten der Restauratoren des Instituts von Gabriela Krist in Sockelvitrinen präsentiert. Die Sparten des Architekturinstituts treten mit einer gemeinsamen Bodeninstallation auf, dabei Schüler von Studio Hadid, von Greg Lynn und Wolf Prix.

Neben der nicht an den Rand gedrängten textilen Position sind auch die Keramiker (Institut Otto Lorenz) und das Institut für Kunst und kommunikative Praxis, sprich die Kunsterzieher (Barbara Putz-Plecko) vertreten, Brigitte Kowanz stellt sich mit Studenten für Transmediale Kunst vor.

Der Ich-AG wird in diesem Labyrinth jedenfalls eine Absage erteilt: Diese Schau wirbt für das Gemeinsame.

The Essence 2006

MAK (Universität für

angewandte Kunst)

Kurator: Edek Bartz

Bis 16. Juli

Kreatives Chaos.

Samstag, 01. Juli 2006


Wiener Zeitung · 1040 Wien, Wiedner Gürtel 10 · Tel. 01/206 99 0 · Mail: online@wienerzeitung.at