Bilder in neuem Gewand

Die aktuelle Malerei wäre ohne die Medienkunst nicht denkbar.
Von Dorothee Frank.


Wie in der Modewelt, so muss auch in der Kunstwelt der Markt in Schuss gehalten werden. Ein Mittel, das Käuferinteresse wach zu halten, ist es, regelmäßig Trends zu proklamieren. Oft werden Entwicklungen, die unterschwellig schon länger stattgefunden haben, mit einem Mal als Hype ausgerufen. So ähnlich ist wohl auch das Comeback der Malerei in jüngster Zeit zu sehen.

In den 90er Jahren drehte sich der Diskurs mehr um Fotografie und Medienkunst. Mittlerweile wird insbesondere die Fotokunst auch hierzulande von öffentlichen und privaten Sammlern akzeptiert und gekauft. Sie muss nicht mehr durchgesetzt werden. Nicht zuletzt deshalb kann nun Malerei ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Das passiert auf den Kunstmessen, in Galerien und öffentlichen Ausstellungsräumen. Nur ein aktuelles Beispiel aus Wien: In der Kunsthalle Exnergasse läuft eine Schau unter dem Titel "Besondere Kennzeichen: Malerei".

Malerei und Medienkunst

Rolf Pöllet (kein Titel angegeben)
Rolf Pöllet (kein Titel angegeben)

Die aktuelle Malerei, wie sie jüngere Künstler betreiben, ist aber eine Malerei nach der Medienkunst. Ein Umgang mit Farbe und Leinwand, wie er ohne die Erfahrungen von Fotografie, Video oder Computeranimation nicht denkbar wäre. Die Galerie Krobath Wimmer zeigt beispielsweise seit einigen Tagen Arbeiten von Esther Stocker. Geometrische Raster in weiß, grau und schwarz mit Überlagerungen von Quadraten und Rechtecken. Kompositionen, die an Pixelbilder erinnern.

"Oft kann man auf den ersten Blick gar nicht erkennt, ob ein Bild jetzt gemalt, fotografiert oder computergeneriert und per Siebdruck hergestellt wurde", meint jemand, der es wissen muss, die Galeristin Barbara Wimmer.

Malerei und die Medien

Jüngere Künstler arbeiten oft nach Fotos. Sie reflektieren in der Malerei die Bildwelten des Fernsehens und der Werbung. Vor der Esther- Stocker-Ausstellung zeigte die Galerie Krobath Wimmer eine Personale der Malerin Anna Meyer. Bis vor Kurzem waren ihre Malereien auf großen Plakatständern in Wien zu sehen. Der Betrachter konnte sich nicht sofort sicher sein, ob es sich dabei um Kunst oder um eine neue Reklameserie handelte, zumal Anna Meyer in ihren "Billboards" auch Elemente aus Werbungen verwendet.

Der mediatisierte Blick

Auch der Leiterin der Innsbrucker Galerie im Taxispalais, Silvia Eiblmayr, fallen sofort ein paar Beispiele ein für diesen mediatisierten Blick in der Malerei. Ida Appelbroog etwa, die seit den 70er Jahren die Comicwelt in die Malerei integriert.

Reflexionen

Die historische Malerei - von der Renaissance bis zur Pop-Art - ist durch den Trend zu Großausstellungen, durch die Abrufbarkeit von Kunst im Internet und durch Massenauflagen von Kunstbüchern einer nie da gewesenen medialen Vermarktung unterzogen. Auch darauf reagiert die aktuelle Malerei in kritischer Weise. Und das ist auch gut so, sagt Silvia Eiblmayr. Denn Malerei dürfe nicht in die Zeit vor der Mediatisierung zurückfallen. Die mediale Aufbereitung haben jenen Leuten Künstler wie Cezanne näher gebracht, deren Kunstverständnis vor 30 Jahren noch nicht so weit war. "Eine kritische Malerei heute muss das mitreflektieren" ist sich Silvia Eiblmayr sicher.

Genremix

Die Wiener Künstlerin Johanna Kandl reichert seit Jahren ihre Projekte mit gemalten Bildern an. Für die Aktion "Arbeitszeit" 1994 an der Wiener Staatsoper ließ sie die Mitarbeiter eines metallverarbeitenden Betriebs Szenen aus deren Arbeitswelt fotografieren. Diese Fotos wurden dann an der Decke des Gobelinsaals in der Oper installiert. Johanna Kandl hat dann als eigene Reflexion über das Projekt diese Installationen malerisch dokumentiert. Außerdem malt sie auch Bilder nach Fotos von ihren vielen Reisen durch Ost- und Südosteuropa und die GUS-Staaten.

Johanna Kandl: ohne Titel, 2000
Johanna Kandl: ohne Titel, 2000

Johanna Kandl tritt stark für die Malerei ein, weil gemalte Bilder dem Sehen ähnlicher sind als Fotos. "Wenn ich male, kommt das dem, was ich sehe, viel näher als ein Foto. Was mich beschäftigt streiche ich stärker hervor, während das, was mich nicht interessiert, in den Hintergrund tritt."

Technologieschub

Wobei man sich unter Malerei heute nicht unbedingt Mischen auf der Palette und Arbeit mit Pinsel und Farbe vorzustellen hat. Darauf verweist Ute Meta Bauer, Mitglied des Kuratorenteams für die nächste "documenta" und Professorin für Gegenwartskunst an der Wiener Universität für bildende Kunst. "Ich kenne Künstler, die im Bubblejet-Verfahren Großbilder herstellen. Einem Verfahren, das in Hollywood normalerweise in der Filmproduktion angewendet wird. Und diese Künstler nennen sich klassische Maler", so Ute Meta-Bauer.

Links:
Informationen zu aktuellen Galerie-Ausstellungen im Kunstnet.
"Malerei in der Offensive" im deutschen Kunstmagazin art.

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