| Bilder in neuem Gewand | |
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Die aktuelle Malerei wäre ohne die Medienkunst nicht denkbar.
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Wie in der Modewelt, so muss auch in der
Kunstwelt der Markt in Schuss gehalten werden. Ein Mittel, das
Käuferinteresse wach zu halten, ist es, regelmäßig Trends zu proklamieren.
Oft werden Entwicklungen, die unterschwellig schon länger stattgefunden
haben, mit einem Mal als Hype ausgerufen. So ähnlich ist wohl auch das
Comeback der Malerei in jüngster Zeit zu sehen. In den 90er Jahren drehte sich der Diskurs mehr um Fotografie und
Medienkunst. Mittlerweile wird insbesondere die Fotokunst auch hierzulande
von öffentlichen und privaten Sammlern akzeptiert und gekauft. Sie muss
nicht mehr durchgesetzt werden. Nicht zuletzt deshalb kann nun Malerei ins
Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Das passiert auf den Kunstmessen, in
Galerien und öffentlichen Ausstellungsräumen. Nur ein aktuelles Beispiel
aus Wien: In der Kunsthalle Exnergasse läuft eine
Schau unter dem Titel "Besondere Kennzeichen: Malerei". Malerei und Medienkunst
Die aktuelle Malerei, wie sie jüngere Künstler betreiben, ist aber eine
Malerei nach der Medienkunst. Ein Umgang mit Farbe und Leinwand,
wie er ohne die Erfahrungen von Fotografie, Video oder Computeranimation
nicht denkbar wäre. Die Galerie
Krobath Wimmer zeigt beispielsweise seit einigen Tagen Arbeiten von
Esther Stocker. Geometrische Raster in weiß, grau und schwarz mit
Überlagerungen von Quadraten und Rechtecken. Kompositionen, die an
Pixelbilder erinnern. "Oft kann man auf den ersten Blick gar nicht erkennt, ob ein Bild jetzt
gemalt, fotografiert oder computergeneriert und per Siebdruck hergestellt
wurde", meint jemand, der es wissen muss, die Galeristin Barbara
Wimmer. Malerei und die Medien Jüngere Künstler arbeiten oft nach Fotos. Sie reflektieren in der
Malerei die Bildwelten des Fernsehens und der Werbung. Vor der Esther-
Stocker-Ausstellung zeigte die Galerie Krobath Wimmer eine Personale der
Malerin Anna Meyer. Bis vor Kurzem waren ihre Malereien auf großen
Plakatständern in Wien zu sehen. Der Betrachter konnte sich nicht sofort
sicher sein, ob es sich dabei um Kunst oder um eine neue Reklameserie
handelte, zumal Anna Meyer in ihren "Billboards" auch Elemente aus
Werbungen verwendet. Der mediatisierte Blick Auch der Leiterin der Innsbrucker Galerie
im Taxispalais, Silvia Eiblmayr, fallen sofort ein paar Beispiele ein
für diesen mediatisierten Blick in der Malerei. Ida Appelbroog etwa, die
seit den 70er Jahren die Comicwelt in die Malerei integriert. Reflexionen Die historische Malerei - von der Renaissance bis zur Pop-Art - ist
durch den Trend zu Großausstellungen, durch die Abrufbarkeit von Kunst im
Internet und durch Massenauflagen von Kunstbüchern einer nie da gewesenen
medialen Vermarktung unterzogen. Auch darauf reagiert die aktuelle Malerei
in kritischer Weise. Und das ist auch gut so, sagt Silvia Eiblmayr. Denn
Malerei dürfe nicht in die Zeit vor der Mediatisierung zurückfallen. Die
mediale Aufbereitung haben jenen Leuten Künstler wie Cezanne näher
gebracht, deren Kunstverständnis vor 30 Jahren noch nicht so weit war.
"Eine kritische Malerei heute muss das mitreflektieren" ist sich Silvia
Eiblmayr sicher. Genremix Die Wiener Künstlerin Johanna
Kandl reichert seit Jahren ihre Projekte mit gemalten Bildern an. Für
die Aktion "Arbeitszeit" 1994 an der Wiener Staatsoper ließ sie die
Mitarbeiter eines metallverarbeitenden Betriebs Szenen aus deren
Arbeitswelt fotografieren. Diese Fotos wurden dann an der Decke des
Gobelinsaals in der Oper installiert. Johanna Kandl hat dann als eigene
Reflexion über das Projekt diese Installationen malerisch dokumentiert.
Außerdem malt sie auch Bilder nach Fotos von ihren vielen Reisen durch
Ost- und Südosteuropa und die GUS-Staaten.
Johanna Kandl tritt stark für die Malerei ein, weil gemalte Bilder dem
Sehen ähnlicher sind als Fotos. "Wenn ich male, kommt das dem, was ich
sehe, viel näher als ein Foto. Was mich beschäftigt streiche ich stärker
hervor, während das, was mich nicht interessiert, in den Hintergrund
tritt." Technologieschub Wobei man sich unter Malerei heute nicht unbedingt Mischen auf der
Palette und Arbeit mit Pinsel und Farbe vorzustellen hat. Darauf verweist
Ute Meta Bauer, Mitglied des Kuratorenteams für die nächste "documenta"
und Professorin für Gegenwartskunst an der Wiener Universität für bildende
Kunst. "Ich kenne Künstler, die im Bubblejet-Verfahren Großbilder
herstellen. Einem Verfahren, das in Hollywood normalerweise in der
Filmproduktion angewendet wird. Und diese Künstler nennen sich klassische
Maler", so Ute Meta-Bauer. Links: | ||||||