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Quer durch Galerien

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Die Theorie vom Sitzfleisch

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Theoretisch kann man Emese Benczur noch bis 31. März in der Galerie Knoll (Esterházygasse Nr. 29) dabei beobachten, wie sie mit ihrem Sitzfleisch geradezu programmatisch über ihre getane Arbeit triumphiert, kurz: wie sie sich auf ihren Lorbeeren ausruht (nach Feierabend, versteht sich). Praktisch ist sie zwar gar nicht da, das mit Lorbeerblättern gefüllte transparente Sitzkissen hat aber eine so immense "Sitzgelegenheitsausstrahlung", dass Benczurs Abwesenheit fast gar nicht auffällt.
Ist die kontemplative Installation "Ich ruhe auf meinen Lorbeeren" jetzt also bloß die banale Visualisierung einer Redensart? Nein. Eher ein künstlerischer Versuch über die Arbeitszeit (mit der richtigen Mischung aus Humor und grundsätzlichem Ernst). Blickt man auf die Wand, die mit der Korrespondenz der Künstlerin (zu ihren Werken) zutapeziert ist, dann kommt es einem, dass hier jemand - quasi mit wunden, zerstochenen Fingern - den Beweis antritt, dass Kunst wirkliche Arbeit ist. Und das kommt einem spätestens dann, wenn man die Abbildungen jener "endlosen" Kleideretikettenbänder sieht, die Benczur in mühevoller Monotonie (wie bei einem "Konditionstraining einer Akkordsklavin der Textilindustrie") mit dem Schriftzug "Day by Day" bestickt hat. Und jedes Stück Papier auf der Wand ist auch noch gewissenhaft mit dem Text "Work First" abgestempelt. Das liest sich nun endgültig wie die arbeitsmoralische Weisheit: "Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen." Und wenn sich Benczur doch noch leibhaftig auf ihrem Lorbeerpolster platzieren würde? Dann wäre das wohl eine Performance. Ergo: Ein Künstler kann sich eigentlich nicht wirklich tatenlos auf seinen Lorbeeren ausruhen.
Bei Hanno Karlhuber (bis 10. April in der Galerie am Stubentor, Zedlitzgasse 3) sind die Landschaften nur insofern "Ja! Natürlich", als ja auch ein biologisch unbedenkliches Schnitzel unter einer nicht völlig "naturpuren" Plastikfolie liegt. Anders gesagt: Seine penibel gemalten Gegenden sind menschengerecht aufbereitet, wo dann etwa ein Fahrverbotsschild einer Idylle die romantische Unschuld raubt. Selbst eindeutige Wohn- und Touristengegenden sind meist an sich menschenleer, der Mensch macht sich aber zumindest durch sein Frühstückssemmerl bemerkbar, und man schaut dann quasi aus der Frühstücksmundperspektive auf den - stilllebenhaften - Frühstücksteller. Unheimlich surreal: Die Fliege, die dem Marmeladenbrot längst entwachsen ist. Um mindestens einen Meter Schulterhöhe. Zweifellos ist Karlhuber ein grandioser Kolorist, der geradezu magische Lichtstimmungen hinkriegt. Und insbesondere in seinen Portugalbildern ist er ein Meister der hellen, "abgehobenen" Beleuchtung.
Michael Kidner (bis 21. April in der Galerie Winter, Breite Gasse 17) wendet ein ziemlich objektives System ziemlich subjektiv an, aber mit einem sehr hohen Objektivitätsgrad. Das versteht jetzt keiner? Nun: Kidner überzieht zum Beispiel ein ganzes Bild mit sauber perspektivisch gezeichneten, willkürlich zusammenhängenden bunten Würfeln. Das Ergebnis einer "exakt-chaotischen" Zellteilung sozusagen (mit dem Charme der Unvorhersehbarkeit). Fast logisch (bei seinem kreativen Vervielfältigungssystem), dass das, was man im ersten Moment für ein Doppelhelix-Modell in 3D hält, eine regelrechte "Tripelhelix" ist. Seine raffinierten DNS-Stränge geben eben 150 Prozent.

Erschienen am: 23.03.2001

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