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Quer durch Galerien

Flugzeuge aus Bodenhaltung

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Am 14. Oktober 2000 um 9 Uhr 15 war es am Wiener Westbahnhof erst fünf Minuten nach vier. Das hätte Einstein womöglich so erklärt, dass der Bahnhof einen klitzekleinen Ausflug in Lichtgeschwindigkeit gemacht hätte und deshalb hätten jetzt halt alle ÖBB-Züge, die ja nicht zur Lichtgeschwindigkeit fähig sind, fünf Stunden und zehn Minuten Verspätung. Es könnte natürlich auch einfach die Uhr am Westbahnhof stehen geblieben sein. Das legt ein "Beweisfoto" nahe (besagte Uhr mit dem Schild "defekt").
Dem Schweizer Hans Häfliger (bis 24. November im Atrium ed Arte, Lerchenfelderstraße 31) hat es wohl die Relativität von Zeit und Raum angetan. Und je nach Veranlagung des Betrachters sind die Arbeiten lapidar, aber wahr oder hochphilosophisch (die kaputte Uhr animiert zum Lehrsatz: Man spart keine Zeit, nur weil die Uhr stehen geblieben ist). Und die vier Textbilder "Norden", "Osten", "Süden" und "Westen" muss man ja auch nicht fantasielos mit dem Kompass justieren. Denn: Wenn man nur lange genug gen Westen geht, kommt man sowieso irgendwann einmal im Osten an. (Das hat sich ja bereits Columbus gedacht, nur war sein Pech, dass Amerika dazwischen lag.)
Häfligers Kurzfilme haben einen besonderen Charme. "Übers Wasser gehen": Ein Papierschiffchen steuert auf eine Wand zu. Da ist aber gar keine Wand, und das Schiffchen kippt über die Tischkante. Frei nach Wittgenstein: Die Grenzen meiner Bodenhaftung sind die Grenzen meiner Welt. Ein Katastrophenfilm also. Oder "Ausflug ans Meer": Da lässt sich jemand ein Meer ein (die Sparvariante für chronische Gießkannen- und Regentonnenbesitzer), wo dann ein Spielzeugboot herumfährt. Aber die Schweizer sind ja bekannt dafür, dass sie auf engstem Raum das unüberbietbar meiste können (Prinzip "Schweizermesser"). Wieso sollen die also nicht auch ein "Meer in der Regentonne" haben? Wenn das der Schweizer Humor ist, dann haben die Eidgenossen eine sehr "existenzielle" Form der Heiterkeit. Dass sich die Schweiz unlängst durch "Bodenhaltungsflugzeuge" bemerkbar gemacht hat, hat aber trotzdem nichts mit dem Humor der Schweizer zu tun.
Wie man als Hund seinem Frauerl Kunststückchen beibringt: Sich dumm stellen, bis das Frauerl das Kunststück selber macht. Nikolaus Walter (bis 23. November in der Galerie Artefakt, Strauchgasse 2) ist bei seinen erfrischenden Fotoserien etwa eine Hundebesitzerin vors Objektiv gelaufen, die in ihrer pädagogischen Weltfremdheit glaubt, sie richte den Hund ab, wenn sie ihm hingebungsvoll vormacht, wie man über eine Hürde springt. Hundebesitzer - eine Verhaltensstörung? Marcelo Wiegele-Slama löst mit seinen Fotos von einer kaum domestizierten Natur romantische Gefühle aus oder den Griff zur Daunenjacke oder zum Antidepressivum. Und von Peter Hassmann: ein geisterhaft verwischter Berg. Alle drei verstehen ihr Handwerk.
Kontemplativ wie ein Teppich: die harmonisch dekorativen Bilder von Eduardo Flores (bis 22. November in der Galerie Sur, Seilerstätte 7). Voller Muster in feinsinniger Farbabstimmung. Seine wunderbar ätherische "Terra incognita" ist von konzentrischen Kreisen übersät (als wären viele, viele Steine ins Wasser geplumpst) und von einem mystischen, "plätschernden" Leuchten überzogen. Ein andermal hat wohl jemand Steinchen in den Himmel geworfen und einen ähnlichen Effekt erzielt.

Erschienen am: 16.11.2001

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bullet Wien Modern/Sammlung Essl: Arbeiten von Adolf Wölfli

bullet Bank Austria Kunstforum: Kasimir Malewitsch

bullet Kunsthandlung Hieke: Herbstausstellun g (bis 30. November)

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bullet 20- Schilling- Aktion für Renovierung

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