Volpinum: Thema "Menschen" - Fotos und Videos
Vom kalten Objekt zur seelischen Entblößung
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Die langjährige Sammeltätigkeit des Ehepaars Andra und
Ernfried Fuchs in Sachen Fotografie und Videos zeigt einmal mehr, dass es
vorwiegend Künstlerinnen waren, die diese Medien in den letzten
Jahrzehnten für sich in Anspruch nahmen. Dabei ist das Thema des Körpers
oder das inszenierte Porträt im Vordergrund, weshalb die Ausstellung bis
3. Mai im Volpinum (Theresiengasse 25-27) mit dem Titel "Menschen" eine
Zusammenfassung von komplexen Vorstellungen angibt. Im Eingangsbereich
empfängt das Künstlerpaar Rosa Breuckl/Gregor Schmoll, die allerdings seit
2001 getrennt arbeiten, mit ihren Badezimmerinszenierungen vor einem
runden Spiegel, der wie die Positionen der Körper bewusst Rückgriffe in
die Kunstgeschichte der Renaissance erzeugen. Aus der Form des Tondo
werden mit kühlen Blicken in die Kamera Klischee wie Selbstreflexion
wirksam. Adam und Eva sind in das gekachelte Paradies unserer Wohnungen
eingezogen, die Pflanzen gemalt. Im Hauptraum sind mit Valie Export,
Eva Schlegel, Irene Andessner, Jutta Strohmaier und Esther Stocker nicht
nur die bekanntesten österreichischen Positionen - unter Beachtung der
Entdeckungen des letzten Jahrzehnts - vertreten, sondern mit Marie-Jo
Lafontaine, Jürgen Klauke, Marina Abramovic oder Ingeborg Lüscher auch
internationale Stars dieser Medien. Von Valie Export ist die Arbeit
"Body Sign" von Anfang der siebziger Jahre angekauft worden - ein
Selbstbildnis der Künstlerin mit aufgemaltem Strumpfhalter, das wie die
Texte der Künstlerin nicht nur auf feministische Aspekte hinweist, sondern
auf unsere Symbiose mit der Kamera und die Anpassung des Körpers an die
Fotografie seit 150 Jahren. Es wird spürbar, dass die erste
österreichische Vertreterin dieser neuen Medien und des experimentellen
Films, auch (allerdings im Ausland) lehrend in ihrem Fach tätig ist.
Das gilt auch für die Fotografie-Professorin an der Akademie, Eva
Schlegel, die sich in ihren letzten Arbeiten der Pornografie zugewandt
hat, um nicht nur den männlichen Blick und die jahrhundertelangen
voyeuristischen und unterdrückenden Mechanismen zu untersuchen, sondern
auch mit ironischer Distanz und ästhetischem Feingefühl eine
Transformation und Verfremdung vorzunehmen. Damit macht sie aber weiters
auch auf die Instrumentalisierung von Klischees in unserer Gesellschaft
aufmerksam, auch wenn die Aufnahmen in einem noch so schönen Farbozean
verschwimmen. Marie-Jo Lafontaine nimmt mit der Hinterfragung der
"schönen Jugend" Probleme der Migration und des Leidens in ihre
altarhaften Präsentationen auf; Jutta Strohmaier inszeniert den Körper als
ein unheimliches "Zuhause" und Veronika Bromova bricht die Frauen auf -
sie benützt die Kamera wie ein Skalpell; die Fragen nach der gefährdeten
Seele des einseitig logisch orientierten Menschen sind aber allen
gemeinsam.
Erschienen am: 17.04.2003 |
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Volpinum: Thema "Menschen" -
Fotos und Videos
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