Galerien live
Künstler schlafen (lang)
(cai)Der Kunstkritiker ist natürlich schon noch ein Mensch, aber er ist
eine eigene Spezies. Und der Künstler sowieso. (Die gibt es beide
selbstverständlich auch als Weibchen.) Der Kritiker dürfte freilich
relativ primitiv sein. Vielleicht nicht ganz so simpel wie ein
Neandertaler, doch der Künstler hat gut dreimal so viel Persönlichkeit
wie er. Marcin Maciejowski hat jedenfalls von beiden ein Porträt
angefertigt (Technik: Wörter auf Papier) und hat für den Kritiker (er
fehlinterpretiert, ist gnadenlos ...) verdammt wenig Platz gebraucht.
Er ist halt befangen. Na ja, den Künstler definiert er eh sehr
selbstironisch: Er hält sich für auserwählt, schläft (lang)...
Da will offenbar einer ergründen, was Kunst ist. (Hätt’ er doch einfach mich
gefragt: Sie ist ein Mysterium). So belauscht er etwa eine Führung im
Museum, wo wir endlich erfahren, dass Caravaggios dreckige Fußsohlen
gar nicht ordinär sind, sondern eigentlich ... tja, mehr hat in die
Sprechblase nicht reingepasst. Das kann ich auch: Die geheime Zutat von
Coca-Cola ist akdlhvöqutkn. (Entschuldigen Sie bitte die kurze
Tastatur-Störung.) Und wenn Maciejowski schlechte Amateurfotos in
routiniert süffige Gemälde übersetzt (mit dem Pinsel über die
Fotografie triumphiert), wundert es mich nicht, wieso die Malerei schon
wieder nicht ausgestorben ist. Appetitlich, sein robuster Stil.
Gepflegt reduziert. Das ist fast so wie bei mir, wenn ich die Brille
abnehme: Ich sehe alles . Nur kann ich nicht immer zweifelsfrei sagen, was genau das ist , was ich da seh’. Doch im Grunde fehlt nix.
Galerie Meyer Kainer
(Eschenbachgasse 9)
Marcin Maciejowski
Bis 31. Juli
Di. – Fr.: 11 – 18 Uhr
Sa.: 11 – 15 Uhr
Bilder kriegen Zellulitis
(cai)Wie dick der Nikolaus Moser sich die Butter aufs Brot schmiert,
weiß ich ja nicht. Aber wenn’s um Farben geht, ist er eindeutig der
Darf’s-ein-bisserl-mehr-sein-Typ, der’s gern üppig hat. Ich hab’
übrigens beschlossen, seine Bilder jetzt wieder zu mögen. Im großen
Format ist er halt einfach ein geschickterer Buntschlammbändiger als im
kleinen. Von der wildromantischen Farblandschaft bis zum lyrischen
Stimmungsgatsch und zur schwülorangen "Zellulitis" kriegt er zumindest
alles hin.
Galerie Ernst Hilger
(Dorotheergasse 5)
Nikolaus Moser
Bis 31. Juli
Di. – Fr.: 10 – 18 Uhr
Printausgabe vom Mittwoch, 29. Juli 2009
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